Es gibt immer mehr Möglichkeiten, das neuartige Coronavirus nachzuweisen. Doch die verschiedenen Tests haben auch Nachteile. Welcher ist wie zuverlässig? Und könnten Schnelltests künftig verstärkt eingesetzt werden? Ein Überblick.
Stuttgart - Nach wie vor ist der Nachweis von Erbmaterial des Coronavirus in Rachen und Nase der sicherste Weg, eine Infektion zu erkennen. Doch dieser sogenannte PCR-Test ist aufwendig und braucht Zeit. Andere Nachweisverfahren – sogenannte Antigentests – sind schneller und kostengünstiger. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.
Was ist ein Antigentest?
Weltweit wird intensiv nach schnelleren und kostengünstigeren Alternativen zu den etablierten PCR-Tests gesucht. Diese sind sehr zuverlässig, werden aber meist in Labors vorgenommen. Dabei dauert es in der Regel ein bis zwei Tage, bis das Ergebnis mitgeteilt wird – manchmal auch länger. Bei den Antigentests wird nicht wie beim PCR-Test nach Erbmaterial des Virus gesucht, sondern nach Eiweißfragmenten, die für das Coronavirus typisch sind. Die Virusteile lassen sich etwa mit spezifischen Antikörpern herausfischen, die auf einem Papierstreifen aufgebracht wurden. Mit einem zweiten Antikörper, an den farbige Nanopartikel gebunden sind, lässt sich dann der Komplex aus Virusantigen und Antikörper nachweisen.
Wie wird der Test durchgeführt?
Wie bei den PCR-Tests ist auch bei den Antigentests entscheidend, wie sorgfältig der Abstrich mit einem Wattestäbchen durchgeführt wird. Um verlässliche Ergebnisse zu bekommen, muss die möglicherweise virushaltige Schleimprobe weit oben in der Nase oder tief im Rachen der getesteten Person entnommen werden. Nur so ist gewährleistet, dass vorhandene Coronaviren auch tatsächlich in ausreichender Zahl auf dem Wattestäbchen landen.
Was ist ein Antikörpertest?
Mit diesen Tests wird nicht das Coronavirus selbst nachgewiesen, sondern die Reaktion des menschlichen Immunsystems auf eine Infektion. Die im Zuge dieser Abwehrreaktion vom Körper gebildeten Antikörper lassen sich mit speziellen Methoden im Blut aufspüren.
Lesen Sie hier: Wie gut funktionieren die Antikörpertests?
Für den Nachweis einer akuten Infektion ist der Test nicht geeignet, da sich die Antikörper erst nach Tagen und Wochen bilden.
Gibt es noch andere Schnelltests?
Ja, auch die PCR-Methode ist als eine Art Schnelltest erhältlich. Dabei laufen dieselben Reaktionen wie im Labor in einer Kartusche ab, also einem Minilabor. Der Test kann vor Ort durchgeführt werden – etwa in der Aufnahmestation einer Klinik. Die Ergebnisse liegen in weniger als drei Stunden vor. Die Tests sind aber teurer als die Labormethode und gelten als nicht ganz so zuverlässig. Antikörpertests sind ebenfalls als Schnelltests erhältlich. Experten raten jedoch von derem Kauf etwa im Internet ab. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt diese sogenannten immuno-diagnostischen Schnelltests nur im Zuge von Forschungsprojekten.
Wie ist die aktuelle Lage bei den Antigen-Schnelltests?
Es gibt bereits zahlreiche Nachweiskits von Herstellern aus aller Welt – und ihre Zahl wächst stetig. Mittlerweile sind die Tests deutlich besser geworden. Die großen Unternehmen steigen derzeit voll ein. So hat im August der Konzern Abbott in den USA seinen Antigentest im Eilverfahren zugelassen und auch für Europa eine Zulassung. Und Roche bringt seinen Test noch im September zunächst in Europa und dann in den USA auf den Markt. Abbott will monatlich zig Millionen Test produzieren.
Bei Roche ist von zunächst monatlich 40 Millionen Tests die Rede, die Kapazität soll dann bis Jahresende verdoppelt werden. Die Testergebnisse liegen schnell vor, beim Roche-Test etwa schon nach 15 Minuten. Und die Tests sind kostengünstig: Der Abbott-Test liegt bei rund 4,50 Euro.
Wie sicher sind die Antigentests?
Die Tests sind zwar nicht so aussagekräftig wie die PCR-Methode, aber zumindest die Hersteller warten mit beeindruckenden Zahlen auf. Roche etwa gibt eine Sensitivität von 96,5 Prozent an – damit werden von 1000 Infizierten rund 35 übersehen. Die Spezifität des Roche-Tests liegt bei 99,7 Prozent – das heißt, dass bei 1000 Tests an gesunden Personen drei irrtümlicherweise eine Infektion anzeigen. In der Praxis erwarten Experten allerdings eine geringere Zuverlässigkeit.
Was ist bei der Probenahme für die Schnelltests zu beachten?
Die Abstrichproben für die Schnelltests müssen derzeit noch von medizinisch geschultem Personal genommen werden. Deswegen können die Tests auch nicht so einfach wie ein Schwangerschaftstest von Laien durchgeführt werden.
Wird sich das ändern?
Noch gibt es kein praxisreifes Testverfahren für Laien. Auch lassen sich bisher noch nicht Spuren der Viren – also Erbmaterial oder Eiweißverbindungen – routinemäßig im Speichel nachweisen, was deutlich einfacher als ein Abstrich wäre. Es laufen aber erste Versuche mit Laien. So sollen im Rahmen einer Studie in Hessen tausend Lehrer jeden zweiten Tag selbst Abstriche bei sich vornehmen und mit einem Schnelltest auf Corona prüfen.
Wo lassen sich Antigentests einsetzen, was erhoffen sich Fachleute davon?
Als Zugangskontrollen bei Kliniken und Seniorenheimen wären schnelle und preisgünstige Schnelltests ein Segen. Auch der Virologe Christian Drosten sieht dies als eine gute Möglichkeit, die in Zeiten des Lockdowns enorm belastende Isolationssituation älterer Menschen zu verbessern. Wenn ein Kind leichte Erkältungssymptome aufweist, böte ein Schnelltest eine gute Entscheidungshilfe bei der Abwägung, ob es in die Schule oder Kita darf.
Und die Vereinigung der Akkreditierten Labore in der Medizin „begrüßt sehr, dass mit den Antigentests – ob als Vor-Ort-Test in Situationen mit hohem Bedarf an schnellen Entscheidungen oder als Labortest – eine weitere wichtige diagnostische Säule zur Verfügung steht“. Das trage zur Entlastung der PCR-Testkapazitäten bei, „wenn die Tests auch in der täglichen Anwendung so leistungsfähig sind, wie wir es für die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie benötigen“.