Der Esslinger Marktplatz wird in diesem Jahr nicht für drei Tage mit dem schmucken rot-blauen Sportboden ausstaffiert. Foto: Robitschko/Arge Marktplatzturnier/Archiv

Die bei Sportlern und Zuschauern beliebte Open-Air-Veranstaltung in der Altstadt muss wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Die Stadt sagt den Organisatoren aber weiterhin Unterstützung für eine Neuauflage im nächsten Jahr zu.

Esslingen - Der Esslinger Marktplatz wird sich von 17. bis 19. Juni mit seinem tristen grauen Alltagsbelag präsentieren müssen. Denn in diesem Jahr verhindert die Corona-Krise, dass der idyllisch von Fachwerkgebäuden umrahmte Flecken an den drei Tagen mit einem schmucken rot-blauen Sportboden ausstaffiert wird, auf dem Handballer der unterschiedlichsten Alters- und Leistungsklassen auf Torejagd gehen. Das von der Arbeitsgemeinschaft (Arge) der SG Esslingen, des Teams Esslingen und der SG Hegensberg-Liebersbronn veranstaltete traditionelle Marktplatzturnier ist notgedrungen abgesagt worden.

Alles wäre so schön angerichtet gewesen für ein weiteres „wahres Volksfest des Handballs“, wie die Fachzeitschrift „Deutsche Handballwoche“ einst das Event unter freiem Himmel bezeichnete. Längst schon hatten wieder namhafte Bundesligateams – unter anderem der TVB Stuttgart, die Füchse Berlin, die MT Melsungen und die HBW Balingen-Weilstetten – zugesagt. Der spezielle Boden, den eine Firma in Riesa verleiht, war lange zuvor schon bestellt und reserviert worden. Doch das durch die Corona-Krise verursachte Verbot von Großveranstaltungen bis mindestens zum 31. August hat dem Turnier einen Riegel vorgeschoben und der Vorfreude der Sportler, Organisatoren und Zuschauer ein jähes Ende bereitet.

Verschiebung nicht realisierbar

Eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr wäre „nicht realisierbar gewesen“, sagt Christian Kruse, der Sprecher der Arge Marktplatzturnier. Die Bundesligisten nützten die Veranstaltung als Vorbereitungsturnier für die anstehende Saison. Eine Verlegung hätte deren Terminplan gesprengt. Außerdem wäre für die Organisatoren das Risiko zu groß gewesen, dass das Veranstaltungsverbot über den bisher festgesetzten Termin hinaus verlängert wird.

Wenigstens drohten durch die Absage keine finanziellen Verluste, sagt Christian Kruse. Wenn in der Vergangenheit überhaupt ein Überschuss durch das Turnier erzielt worden sei, „dann war das kein großer Posten“ und sei unter den veranstaltenden Vereinen verteilt worden. Der monetäre Erfolg hänge bei dem Event unter freiem Himmel freilich stets stark vom Wetter ab, sagt Kruse. Bei Regen könne auf dem dann rutschigen Boden nicht gespielt werden und es müsse in die Halle ausgewichen werden. Damit ist dann auch das ganz besondere Flair inmitten der malerischen Fachwerkkulisse dahin, und es kommen entsprechend weniger Zuschauer. Ohne die Zuschüsse der Stadt Esslingen und die zahlreichen Sponsoren könnte das Turnier ohnehin nicht umgesetzt werden, sagt Kruse, der hofft, dass diese auch künftig bei der Stange bleiben. Denn mit dem 16. bis zum 18. Juni 2021 steht schon der Termin für das kommende Jahr.

Stat sagt weiterhin Unterstützung

Die Stadt Esslingen signalisiert bereits jetzt, dass sie auch künftig mit von der Partie ist. Den Organisatoren abgesagter Veranstaltungen sei bereits „zugesagt worden, sie im gleichen Umfang bei Neuauflagen zu unterstützen“, erklärt Roland Karpentier, der Sprecher der Stadtverwaltung.

Schließlich ist das dreitägige Turnier nicht nur ein Stelldichein für den Spitzenhandball, sondern auch für Nachwuchs-, Breiten- und ambitionierte Leistungssportler. Denn auch die Esslinger Schulen sowie Amateurmannschaften aus der Region kämpfen auf dem Marktplatz um verschiedene Pokale.

Das Marktplatzturnier hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Im Januar 1940 war es aus der Not heraus geboren worden. Für das Winterhilfswerk zur Unterstützung der deutschen Wehrmacht sollte ein A-Jugend-Handballturnier auf Rasenplätzen ausgetragen werden. Weil diese vereist waren, wichen die Veranstalter auf den Marktplatz aus, den damals der Turnerbund Esslingen als erster Sieger verließ. Anfangs orientierten sich die Siegprämien an den damaligen Bedürfnissen der Menschen. So gab es etwa in der Nachkriegszeit einen Brotkorb, eine Butterdose und 500 Gramm Wolle für den Turniersieger. Mit einigen Unterbrechungen, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs, wurden bis 1965 weitere Turniere ausgetragen.

Ausfall ist eine absolute Ausnahme

Danach war der Marktplatz lange Zeit ausschließlich anderen Veranstaltungen und dem Verkauf von Obst und Gemüse vorbehalten. Doch nach 42 Jahren Pause ließen die drei Esslinger Handballspielgemeinschaften das Open-Air-Spektakel wieder aufleben. Seitdem sei keines mehr ausgefallen, sagt Christian Kruse – bis auf das Marktplatzturnier in diesem Jahr. Es wäre das insgesamt 55. gewesen. Der Ausfall soll eine absolute Ausnahme bleiben.

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