Hier sollte das neue Domizil der Ludwigsburger Bürgerdienste entstehen: In dem großen Eckgebäude an der Sternenkreuzung. Foto: factum//Andreas Weise

Mit einer Neuordnung der Bürgerdienste wollte Ludwigsburg Maßstäbe setzen. Die Corona-Krise hat diese Pläne zunichte gemacht.

Ludwigsburg - Im vergangenen Herbst durften Rathausmitarbeiter noch davon träumen, in absehbarer Zeit in ausreichend große und ansprechende Räume umzuziehen. Die Adresse des künftigen Domizils lautete Wilhelmstraße 1 bis 5 und die Projektüberschrift „Bürgerbüro Zukunft“. Dieser Traum ist nun geplatzt. Schuld daran ist die Corona-Krise und die draus resultierende prekäre Lage der Stadtfinanzen. „Wir können nur noch realisieren, was absolut nötig ist“, sagt Albert Geiger, der kommissarische Leiter des Dezernats Stadtentwicklung, Hochbau und Liegenschaften. In Bezug auf den Gebäudekomplex an der Ecke Stuttgarter- und Wilhelmstraße heißt das: Die zurzeit leer stehenden Büroräume werden brandschutztechnisch aufgerüstet – mehr nicht.

Noch im vergangenen Herbst wurden Pläne für einen sehr weitreichenden Umbau vorgestellt. An der Ecke zur Sternkreuzung sollten die zentralen Bürgerdienste samt Standesamt mit einem repräsentativen Trausaal entstehen. So angetan die Stadträte vom Konzept auch waren, angesichts von Kosten in Höhe von 18.8 Millionen hatten einige doch schwer zu schlucken. Zumal Oberbürgermeister Matthias Knecht bei seinem Amtsantritt im September das Gremium auf Sparmaßnahmen eingeschworen hatte: Die Steuereinnahmen seien auch in Ludwigsburg nicht mehr so üppig, dass die Bäume in den Himmel wüchsen.

OB zieht die Notbremse

Darum hatte die Verwaltung noch im Januar eine abgespeckte Version vorgestellt. In dieser Variante sollte der Umbau zehn Millionen weniger, also nur noch 8,5 Millionen Euro kosten. Eine Kompromisslösung, für die sich nur wenige im Gemeinderat wirklich begeistern konnten. Zu viele Dinge, die den Neuaufbruch signalisieren auch den Bürgern gegenüber signalisieren sollten, waren dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Nun hat die Corona-Pandemie so große Löcher in die Stadtkasse gerissen, dass der Oberbürgermeister die Notbremse gezogen hat. Am kommenden Mittwoch soll der Gemeinderat eine Haushaltssperre beschließen, Baumaßnahmen, die noch nicht gestartet sind, sollen blockiert werden. Trotz dieser Umstände soll jedoch der Umbau Wilhelmstraße 1 bis 5 nicht ganz vom Tisch sein, sagt Geiger. Das sei zwar nur eine Minimallösung, „aber alles andere wäre zurzeit nicht darstellbar“.

Minimallösung in maximalem Tempo

Die Sanierung sei nötig, weil einerseits der Gebäudekomplex leer stehe und andererseits viele Rathausmitarbeiter zurzeit noch in angemieteten Räumen arbeiten müssten. „Wir möchten diese in unsere eigenen Räume zurückholen“, sagt der Dezernatsleiter. „Das heißt, wir werden nichts umbauen, sondern nur die Räume so herrichten, dass dort gearbeitet werden kann.“ Das meiste Geld werden dabei die Einbauten für den Brandschutz kosten. Insgesamt geht die Verwaltung von einer Investition von drei Millionen Euro aus. und der Oberbürgermeister fügt an, dass für die nötigen Planungsleistungen höchstens 90 000 Euro zur Verfügung gestellt werden sollen.

Sobald diese Sanierung abgeschlossen sein wird, stehen der Stadtverwaltung auf drei Etagen 74 Büros und Besprechungszimmer zur Verfügung. Seien diese bezugsfertig, könne die Stadt viel Geld an Mieten einsparen, sagt Geiger. Da schon 2022 erste Mietverträge ausliefen, versuche man nun die Arbeiten, die in der Vorabplanung in mehrere Bauabschnitte aufgeteilt seien, enger zusammenzuziehen. „Wir wollen das Verfahren stringenter machen“, sagt Geiger. Bis zum Herbst könnte demnach Geiger die konkrete Entwurfsplanung vorliegen und der Umbau idealerweise im Frühjahr 2021 beginnen.

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