Markus Diler von Funk-Taxi Schoch säubert die Scheibe, die Fahrer und Fahrgast vor einer Ansteckung schützen soll. Foto: Patricia Sigerist

Die Fahrgäste bleiben aus, die Fellbacher Taxi-Unternehmer befördern Fahrgäste nur noch auf der Rückbank, und der Fahrgastbereich ist abgetrennt. Die Fahrer fühlen sich von Stadt und Kreis im Stich gelassen – haben aber ein besonderes Angebot parat.

Fellbach - Die Anordnungen gegen die Ansteckung mit dem Coronavirus scheinen in der Bevölkerung mittlerweile auf Verständnis gestoßen zu sein. Trotz des schönen Wetters sieht man auf den Straßen, in Parks oder auf Feld- und Waldwegen viel weniger Passanten als sonst.

Doch nicht nur die wirtschaftliche Krise macht dem Beförderungsunternehmer Sorgen

Die Fellbacher Taxi-Unternehmen Schoch und Rainer können allerdings ein ganz anderes Lied von dieser Situation singen. „Am Wochenende gab es bei uns keine einzige Fahrt, null“, sagt Markus Diler, der Geschäftsführer von Funk-Taxi Schoch. „Das Geschäft ist mittlerweile drastisch eingebrochen.“ Der Umsatzrückgang in der Branche wegen der Coronakrise betrage rund 40 Prozent, teilt der Bundesverband Taxi und Mietwagen mit. „Insolvenzen stehen unmittelbar bevor.“

Doch nicht nur die wirtschaftliche Krise macht dem Beförderungsunternehmer Sorgen. Dazu kommen Verordnungen, die ihn und seine Kollegen vor massive Probleme stellten, sagt Diler. „Wir sollen bei den Fahrten Schutzmasken tragen. Aber wo sollen wir die herbekommen? Es gibt im Moment keine mehr zu kaufen.“

Dennoch muss bei der Personenbeförderung der Schutz vor Ansteckung für Fahrer und Fahrgast gewährleistet werden

Aus diesem Grund wandten sich Diler und seine Kollegen an das Landratsamt und an die Stadt Fellbach und beantragten dort Masken. „Wir haben bei beiden Pech gehabt. Schutzmasken gibt es nur für Krankenhäuser.“ Im Landratsamt Waiblingen verweist man auf die entsprechende Regelung dazu. Die immer knapper werdenden Masken sollen nur noch dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden. „Absolute Priorität hat die Ausstattung von Krankenhäusern.“

Im Rathaus sieht man zwar die Not, kann aber nicht helfen. „Wir haben keine Masken, im Moment hat kaum jemand welche“, sagt Sabine Laartz, die Sprecherin der Stadtverwaltung. Wie prekär die Situation ist, beweise der Aufruf des Landkreises, Hilfsmittel zu spenden.

Dennoch muss bei der Personenbeförderung der Schutz vor Ansteckung für Fahrer und Fahrgast gewährleistet werden. Unter anderem dadurch, die Beförderung von Fahrgästen nur noch auf der Rückbank zu erlauben. Das sei mittlerweile der Fall, bestätigt Markus Diler.

Trotz der angespannten Situation wollen die beiden Fellbacher Taxi-Unternehmen ein Zeichen setzen

Weil es keine Schutzmasken gibt, haben sich die beiden Fellbacher Unternehmen eine andere Art von Schutz vor einer Tröpfcheninfektion einfallen lassen: Plexiglasscheiben trennen seit Dienstag die vorderen Sitze und die Rückbank. Was an Supermarktkassen funktioniert, die noch Publikumsverkehr haben, sollte doch auch in einem Auto Erfolg haben. Eine Scheibe koste rund 41 Euro. „Die befestigen wir selbst. Alles andere wäre viel zu teuer“, berichtet Diler. Zudem sei der hygienische Standard in Zeiten von Corona um einiges höher als sonst, sagt Markus Diler. Nach jeder Fahrt würden Sitze und Griffe von den Fahrern gereinigt. Insbesondere bei Fahrten von Patienten zu Ärzten oder Anwendungen wie Dialyse, Chemo- oder Physiotherapie sei das wichtig. Diesen Personen solle die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erspart bleiben, da einige zu absoluten Risikogruppen zählten, was die Ansteckung mit Corona angeht.

Nichts wurde allerdings aus dem Plan, in Zeitungen Taxi-Gutscheine zu drucken

Trotz der angespannten Situation wollen die beiden Fellbacher Taxi-Unternehmen ein Zeichen setzen. Und zwar für jene, die auch in Zeiten von Corona täglich im Beruf mit Menschen konfrontiert und dadurch einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. „Diese Fahrgäste befördern wir kostenlos von zu Hause an den Arbeitsplatz und zurück“, sagt Markus Diler. Dazu zählen Mitarbeiterinnen und Mitglieder von Polizei, von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Einzelhandel. „Melde dich. Zeig uns deinen Dienstausweis oder Mitarbeiterausweis und du hast freie Fahrt“, heißt es auf einem Plakat dazu.

Nichts wurde allerdings aus dem Plan, in Zeitungen Taxi-Gutscheine zu drucken. Damit hätte der Fahrgast nur noch 50 Prozent des Preises bezahlt, „und den Rest die Stadt“ – das war Markus Dilers Plan, die Fellbacher Stadtverwaltung habe jedoch abgelehnt.

„Wir können nicht der einen Branche so etwas genehmigen, der anderen aber nicht“, sagt Sabine Laartz dazu. Schließlich handle es sich um freie Unternehmen, wie Händler und Gastronomen auch. „So besteht keinerlei Möglichkeit, unterbrochene Geschäftsmodelle oder weggebrochene Umsätze durch kommunale Haushaltsmittel zu kompensieren“, hatte die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull in einem Brief an die Gewerbetreibenden in Fellbach erklärt.

Die Stadt versuche alles in ihren Möglichkeiten stehende, um örtlichen Unternehmen zu helfen. „Es liegt allerdings nur weniges in unseren Entscheidungshoheit wie die Gewerbesteuer“, sagt Sabine Laartz. Die Vorauszahlungen dazu können auf Antrag herabgesetzt werden. Weitere Möglichkeiten und die Nummer der Corona-Hotline sind auf der Homepage der Stadtverwaltung zu finden.

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