Die Kliniken im Kreis sind auf Corona vorbereitet. Foto: factum/Simon Granville

Die Häuser richten Stationen für Corona-Patienten ein und schulen ihr Personal.

Kreis Böblingen - Bilder wie aus Italien mit überfüllten Krankenhäusern und überlasteten Ärzten und Pflegern soll es in Deutschland nicht geben. Deshalb bereiten sich die Kliniken im Land auf schwer kranke Corona-Patienten vor. Noch gibt es wenige Infizierte in den sechs Häusern des Klinikverbunds Südwest. Stand Montagmittag gab es laut dem Pressesprecher Ingo Matheus vier bestätigte Coronafälle in den Kliniken. „Aber zwischen zehn und 20 Fälle sind in der Abklärung“, sagte er. Um die Versorgung Schwerkranker zu gewährleisten, rüstet der Verbund auf.

In der ersten Stufe, die bereits aktiv ist, wurde am Böblinger Krankenhaus eine Station mit zehn Betten speziell für Corona-Patienten eingerichtet. In der zweiten Stufe werden an allen Standorten sogenannte Decision-Units eingerichtet. In diesen sollen Patienten, die mit Verdacht auf eine Corona-Infektion in eine der Kliniken kommen, separat empfangen und untersucht werden. Damit soll vermieden werden, dass diese möglicherweise Infizierten andere Patienten oder das Personal anstecken.

Ärzte im Ruhestand sollen einspringen

Außerdem hat der Klinikverbund damit begonnen, an den Krankenhäusern in Leonberg und Herrenberg zusätzliche Betten für die stationäre Versorgung von Corona-Patienten einzurichten. In Leonberg gibt es nun Platz für zwölf Corona-Patienten, in Herrenberg sind 14 Betten für Infizierte vorgesehen. Die dritte Stufe des Ausbaus sieht dann die Bereitstellung weiterer Betten für Corona-Patienten am Standort Sindelfingen vor. Dieses stufenweise Vorgehen sei wichtig, „um die Behandlung der anderen Patienten mit Schlaganfall, Herzinfarkt oder anderem zu sichern“, sagt Ingo Matheus.

Parallel zur Einrichtung der Corona-Stationen schule man auch das Personal. „Wir brauchen für den Ernstfall mehr qualifizierte Pfleger, die mit dem Beatmungsgerät umgehen können. Dafür trainieren wir aktuell weitere Mitarbeiter.“ Außerdem sehe man sich für den Fall, dass eigene Pflegekräfte und Ärzte infiziert würden, nach Ersatz um. „Wir fragen bei Mitarbeitern im Ruhestand oder in Elternzeit an“, sagt Matheus und betont: „Diese Mitarbeiter werden dann auf normalen Stationen eingesetzt, damit das dortige Personal bei Corona-Patienten aushelfen kann.“

Planbare Operationen werden abgesagt

Aktuell gibt es laut dem Klinikverbund im Landkreis Böblingen 41 reguläre Intensivbetten, davon 33 mit Beatmungsmöglichkeiten. Hinzu kommen weitere Betten mit der Möglichkeit zur Überwachung der Vitalparameter, sogenannte Intermediate-Care-Betten. Ein Teil dieser Betten muss aber auch weiterhin den nicht mit Corona infizierten Notfallpatienten zur Verfügung stehen. Das standortübergreifende Fachzentrum für Anästhesie und Intensivmedizin arbeitet daher im Augenblick an einem Konzept zur Erweiterung der Intensiv- und Beatmungskapazitäten. Bereits geplante, nicht dringende Eingriffe werden abgesagt. „Die meisten Patienten haben dafür Verständnis“, sagt Matheus.

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