Eine Frage bewegt den Fußball: Kommt die Bundesliga mit ihrem Plan, noch im Mai wieder zu spielen, am Ende auch ans Ziel? Foto: imago/Frank Hoermann

Drei Infizierte beim 1. FC Köln, ein unklarer Befund beim VfB Stuttgart – die Bundesliga-Branche bewegt sich mit ihrem Plan einer Fortführung der Saison weiter auf ziemlich dünnem Eis.

Stuttgart - Es hätte auch andere treffen können. Doch nach Lage der Dinge war es nun am Kölner Geschäftsführer Alexander Wehrle, die nächste Hürde zu nehmen, die sich der Bundesliga-Branche mit Blick auf einen möglichen Neustart des Spielbetriebs in den Weg stellt. Schließlich hatten die präventiven Corona-Tests vom Donnerstag bei sämtlichen 36 Clubs der ersten und zweiten Liga unter anderem ergeben, dass beim 1. FC Köln zwei Spieler sowie ein Betreuer mit dem Corona-Virus infiziert sind.

Also stand Alexander Wehrle, der einst als rechte Hand des ehemaligen VfB-Präsidenten Erwin Staudt in Stuttgart das Bundesliga-Geschäft erlernte, am Rande der Trainingsplätze am Geisbockheim im Kölner Stadtwald – und betrieb vor laufenden Kameras Krisenmanagement. „Wir dürfen den Trainingsbetrieb so fortführen. Das Konzept wird von Behördenseite anerkannt und ist tragfähig“, sagte Wehrle dem Bundesliga-Haussender Sky.

Quarantäne nur für die drei Betroffenen

Tatsächlich sind lediglich die drei positiv getesteten FC-Akteure in häusliche Quarantäne beordert worden, was der Kölner Mannschaftsarzt Paul Klein so erklärte: „Es gibt eindeutige Vorgaben des Robert-Koch-Instituts zum Umgang mit Kontaktpersonen von Infizierten. Die sogenannte häusliche Absonderung ist nur für Personen der ‚Kategorie 1‘ vorgesehen.“

Zur Kategorie 1 zählen also auch die­jenigen FC-Spieler nicht, die mit den Infizierten in den Vorwochen in einer Fünfer-Kleingruppe trainiert haben. Dieses Urteil des zuständigen Gesundheitsamtes fußt auf dem Umstand, dass auf dem Platz in Köln offiziell stets mit Mindestabstand trainiert wurde.

Innerhalb der Clubs und vonseiten des Dachverbandes, der Deutschen Fußball-Liga (DFL), wertet man die positiven Fälle, zu denen sich beim VfB Stuttgart noch ein unklarer Befund gesellte, gar als ein Zeichen, dass sich das eigene Präventionsprinzip bewährt habe. Schließlich seien die Infizierten im Vorfeld eines möglichen Neustarts aussortiert worden. Am 6. Mai nun wird die Politik sehr wahrscheinlich in einer Schalte von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Länderchefs darüber befinden, ob der Ball im deutschen Profifußball mit Geisterspielen sowie den maßgeschneiderten Quarantäne-, Test- und Hygieneregeln wieder rollen darf. So hoffen die Bundesliga-Clubs weiterhin, möglicherweise bereits für das Wochenende des 15. Mai grünes Licht für eine Wiederaufnahme ihres seit dem 13. März brachliegenden Spielbetriebs zu erhalten. Neun Spieltage stehen in der Ersten wie in der Zweiten Fußball-Bundesliga noch aus.

Die allermeisten Verantwortlichen schweigen

Während Kölns Alexander Wehrle im Rampenlicht stand und die allermeisten anderen Verantwortlichen der Clubs schwiegen, um nicht mit allzu forschen Formulierungen negativ aufzufallen, weiß die Bundesliga-Branche natürlich allzu gut, dass sie sich weiter auf ganz dünnem Eis bewegt. Dies machte auch der für den Sport zuständige Innenminister Horst Seehofer in der „Bild am Sonntag“ deutlich: „Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Club und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne“, betonte der Innenminister in einem Interview, das bereits vor den drei positiven Kölner Fällen geführt worden war. Er sei „dafür, dass wir einen Versuch wagen, um das Spielgeschehen wieder zu ermöglichen“, erklärte der CSU-Politiker, ergänzte allerdings auch, er wolle zwar „kein Fußballspielverderber sein, aber was für alle gilt, gilt auch für Fußballprofis. Es bestehen ­also Risiken für den Spielplan und die ­Tabelle.“

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Anders als in der aktuellen Trainingsphase mit Kleingruppen könnten daher auch für die Fußballer die konventionellen Regeln gelten, sollten sie wie gewünscht nach dem 6. Mai mit dem normalen Teamtraining und später dann mit dem Spielbetrieb beginnen– lediglich der VfL Wolfsburg und RB Leipzig planen aufgrund der gelockerten Bestimmungen in ihren Bundesländern ein Teamtraining bereits Anfang dieser Woche.

Der Masterplan der DFL wankt

Sollte ein künftiger positiver Befund eine Quarantäne des gesamten Teams nach sich ziehen, würde dies den Masterplan der DFL ganz gehörig erschüttern. Der Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer, der bei der DFL als Leiter der Task-Force „Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ fungiert, sieht die Gefahren natürlich. „Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage“, sagte Meyer dem Sender Sport 1: „Es gibt kein einhundertprozentiges System, das war auch kein realistisches Ziel. Wir haben immer das Ziel verfolgt, ein medizinisch vertretbares Risiko zu erreichen, und dafür testen wir schon sehr eng.“

Als erster Spieler hat sich nun der Kölner Profi Birger Verstraete öffentlich zu Wort gemeldet – und übt Kritik an der Vorgehensweise seines FC, wo es für sämtliche negativ getestete Profis an diesem Montag mit dem Training in Kleingruppen weitergehen woll. „Wir werden nicht unter Quarantäne gestellt, und das ist schon ziemlich bizarr. Der Plan war von vornherein, dass wir weiter trainieren, egal, ob es positive Tests gibt“, sagte der 26-jährige Belgier dem heimischen Fernsehsender VTM.

Unklar ist, wie das Gros der Spieler denkt

Unklar ist, wie das Gros der rund 900 Profis aus der ersten und zweiten Liga über mögliche gesundheitliche Risiken denkt. Er könne sich vorstellen, ergänzte Birger Verstraete, dass viele Kollegen bei einer anonymen Umfrage für einen Saisonabbruch votieren würden. Allerdings ist es in der Branche längst Usus, die Meinung der Hauptakteure in sportpolitischen Fragen eher außen vor zu lassen.