Die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen wird vermutlich bald wieder ansteigen. Foto: dpa/Boris Roessler

Zuletzt war die 7-Tage-Inzidenz der bestätigten Corona-Infektionen bis auf 5 gesunken. Der Trend wird sich vermutlich bald umkehren: Erstmals seit April gibt das Robert-Koch-Institut wieder eine Reproduktionszahl von 1 an, Tendenz steigend.

Stuttgart - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen wird vermutlich bald wieder ansteigen. Darauf deutet der seit zwei Wochen steigende R-Wert hin. Am Freitag gab das Robert-Koch-Institut (RKI) die sogenannte Reproduktionszahl erstmals seit April wieder mit 1 an. Das heißt, dass ein Infizierter eine weitere Person ansteckt. Steigt der R-Wert über 1, breitet sich das Virus wieder aus.

Das RKI kann den R-Wert stets nur schätzen und gibt dabei einen Unsicherheitsbereich an. Der Wert von 1 ist dabei der wahrscheinlichste; mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit liegt er laut RKI für den 27. Juni zwischen 0,92 und 1,09. Das ist der aktuellste verfügbare Wert.

Blick in die nahe Zukunft

Der Anstieg beim R-Wert deutet typischerweise an, wie sich die gemeldeten Corona-Infektionen in den kommenden Tagen entwickeln werden – weil von der Infektion über die Bestätigung per PCR-Test und den Eingang in die Statistik mehrere Tage vergehen. Der R-Wert ist somit ein aktuelleres Maß für das aktuelle Infektionsgeschehen als die gemeldeten Neuinfektionen. Der Trend sinkender Infektionszahlen könnte damit in den kommenden Tagen gebrochen werden.

Im folgenden Schaubild ist die Entwicklung des R-Werts seit März 2020 abgebildet. Gut erkennbar sind die drei großen Infektionswellen, ein Ausbruch bei der Fleischfabrik Tönnies – und der Anstieg im Juni:

Es spricht viel dafür, dass der Anstieg des R-Werts mit der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus zu tun hat. Sie gilt als deutlich ansteckender und befeuert im Vereinigten Königreich sowie in Portugal derzeit eine neue Infektionswelle.

Delta-Variante als Ursache

Das RKI berichtet seit Wochen über einen deutlichen Anstieg der Delta-Variante unter den (bislang in absoluten Zahlen zurückgehenden) Infektionen. Die Berichte zum Anteil der Mutationen an den Infektionen insgesamt erscheinen wöchentlich, die Reproduktionszahl wird täglich errechnet. Dennoch zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen steigendem Delta-Anteil und steigender Reproduktionszahl. Um eine identische Skalierung zu erzeugen, wird der R-Wert für dieses Schaubild mit 100 multipliziert.

Ein Delta-Anteil von mutmaßlich um die 50 Prozent hat die Reproduktionszahl wieder auf 1 steigen lassen. Am Donnerstag hatte der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, dass der Anteil noch im Juli auf 70 bis 80 Prozent steigen werde.

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