Eine mobile Testeinheit soll für schnellere Resultate sorgen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Unter anderem die Ansteckungen in Wohngruppen der Pflege- und Behindertenhilfe sorgen für hohe Corona-Zahlen.

Infektionszahlen - Seit rund zwei Wochen weist der Rems-Murr-Kreis die höchsten Corona-Infektionszahlen in der Region Stuttgart auf. Die sogenannte 7-Tage-Inzidenz – die Zahl der Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen – liegt seitdem konstant und teils ziemlich deutlich über den Werten in den Nachbarkreisen und noch deutlicher über dem Landesdurchschnitt.

Höchstwert bei mehr als 180

Die aktuelle Zahl liegt mit 158 als einzige in der Region höher als 150, war tags zuvor bei 165 und hatte zwischenzeitlich einen Höchstwert von mehr als 180 vor sechs Tagen. Zum Vergleich: Im Kreis Böblingen waren es am Donnerstagabend 128. Die einzig positive Sichtweise der statistischen Entwicklung für den Rems-Murr-Kreis, liefert am Donnerstagabend der Gesundheitsdezernent Peter Zaar: „Das exponentielle Wachstum der Infektionszahlen konnte mittlerweile gestoppt werden. Auch in der dritten Wochen nach dem Inkrafttreten des Lockdown, ist ein signifikanter Abwärtstrend bisher nicht zu erkennen. Die Infektionszahlen scheinen sich auf einem hohen Niveau einzupendeln.“

Dabei ist es erst einige Wochen her, seit man beim Blick auf einige Nachbarkreise die Welt im Rems-Murr-Kreis noch ziemlich in Ordnung schien und der Wert einige Tage länger unter jener scheinbar magischen Marke von 50 verharrte. Landrat Richard Sigel hatte schon damals gewarnt, dass diese Hoffnung sehr trügerisch sei. Und so ist es – quasi in Form einer nachholenden Entwicklung – gekommen.

Sehr dynamische Entwicklung bei Infektionen in Heimen

Woran liegt’s, fragt man nicht nur im Rems-Murr-Kreis. „Die Corona-Lage ist weiter angespannt und auch in den Einrichtungen der Pflege und der Behindertenhilfe mehren sich die Infektionsfälle. Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Coronavirus Verstorbenen nimmt weiter zu“, heißt es am Donnerstag dazu in einer Mitteilung des Waiblinger Landratsamtes. Womit auf einen Teil des speziellen Problems verwiesen wird. Vor gut zwei Wochen waren es vor allem auch die großen Wohneinrichtungen, aus denen nacheinander quasi explodierende Infektionszahlen gemeldet wurden. Einrichtungen, mit denen der Rems-Murr-Kreis zum Beispiel mit der Diakonie Stetten oder der Winnender Paulinenpflege in überdurchschnittlichem Maße ausgestattet ist.

Nach mehr als 50 positiv getesteten Bewohnern und Mitarbeitern in Behinderteneinrichtungen in Stetten und andernorts folgte die Hiobsbotschaft aus dem Alexanderstift in Waiblingen-Hegnach mit 20 Infizierten unter 37 Bewohnern. Die Winnender Paulinenpflege meldete quasi zeitgleich mehr als ein Dutzend positiv Getestete in vier verschiedenen Wohngruppen. Und in Remshalden-Geradsteten forderte Covid-19 vier Todesopfer im Pflegeheim – neben rund 20 Infizierten.

„Woran es wirklich liegt, wissen wir letztlich nicht, wir haben keine wissenschaftlichen Erkenntnisse“, bekennt Pressesprecherin Martina Keck in Sachen Rems-Murr-Rekordwerte. Als taugliche Maßnahme – auch angesichts zunehmender nicht zuordenbarer Einzelfälle, Infektionen in Schulklassen und Kitagruppen oder auch den deutlich wachsenden Zahlen der Mehrfachansteckungen im Familienverbund, sieht die Kreisverwaltung eine nagelneue mobile Testeinheit, die seit dem 18. November vom ebenfalls eigens eingerichteten Schnelltestzentrum des Gesundheitsamtes ausrückt.

Ein Mitarbeiter des Landkreises und einer des DRK fahren in einem speziellen Fahrzeug betroffene Einrichtungen an und testen vor Ort gezielt auch asymptomatische Mitarbeiter oder Bewohner. „Wir stehen seit Beginn der Pandemie mit den Einrichtungen der Pflege und der Behindertenhilfe im engen Kontakt und fragen Bedarf ab“, betont die Sozialdezernentin Stefanie Böhm. Allein der Diakonie Stetten habe der Kreis dabei inzwischen mit rund 1000 Schnelltests ausgeholfen.

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