Arbeitgeber stehen durch die Coronapandemie vor neuen Herausforderungen. Drei Beispiele von der Filderebene zeigen, was Firmen für den Gesundheitsschutz tun.
Filder - Neben der Inzidenz und der Zahl der Neuinfektionen ist die Impfquote der dritte Wert, der immer wieder zitiert wird, wenn es um den Verlauf der Pandemie und mögliche künftige Entscheidungen geht. Und auch die Debatten um Impflücken und Impfpflicht halten an. Wie handhaben es in diesem Zusammenhang Firmen, damit sich möglichst viele Mitarbeiter impfen lassen?
Lesen Sie aus unserem Angebot: „Dann geh doch zum Impfen!“ – Firmen starten Impfkampagne
Matthias Lapp, Geschäftsführer bei Lapp Kabel mit Sitz in Möhringen, sieht Unternehmen unabhängig von politischen Entscheidungen in der Verantwortung. Sobald es möglich gewesen sei, habe man den Mitarbeitern mittels Betriebsärzten eigene Impfangebote gemacht, erklärt er. Im Jahr 2021 habe Lapp allein am Standort Stuttgart 500 Impfungen durchgeführt: Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen. „Wir versuchen zu vermitteln, dass eine vollständige Impfung zum Schutz Sinn macht“, erklärt Matthias Lapp. Man werbe offensiv dafür, dass entsprechende Angebote wahrgenommen würden. Eine Kontrolle, wer geimpft ist und wer nicht, ist aus Datenschutzgründen nicht möglich. Das sei auch richtig so, betont Lapp. Er schätzt, dass die Impfquote beim Kabelhersteller im Bundesschnitt liegt, vielleicht sogar etwas höher.
Taskforce am Flughafen Stuttgart
Am Stuttgarter Flughafen wurde im Mai 2021 ein eigenes Impfzentrum für die auf dem Gelände tätigen Mitarbeiter eröffnet. Das Unterfangen war Teil eines Modellprojekts des Sozialministeriums, bei dem die Einbeziehung von Betriebsärzten erprobt werden sollte. Und es war ein Erfolg: Die Pressestelle spricht von 4300 im Zuge von Erst- und Zweitimpfungen verabreichten Impfstoffdosen bis Ende Oktober. Seit Januar wird zusätzlich eine Booster-Impfung angeboten. Hier, wie auch bei der ausreichenden Bereitstellung von Schutzmasken und anderem Material, kam eine eigens gegründete Taskforce Covid der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) zum Einsatz, bestehend aus den Leitern verschiedener Bereiche und externen Vertretern, etwa Medizinern.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Jetzt über tausend Unternehmen Teil der Impfkampagne mit Werbeslogans
„Wir haben von Anfang an unser Möglichstes getan, die Mitarbeiter umfassend zu informieren und sie dabei zu unterstützen, gesund zu bleiben“, erklärt eine Sprecherin der Presseabteilung des Flughafens. Eine wichtige Maßnahme war offenbar die Aufklärung via Intranet, über Impf-Talks mit den Betriebsärzten des Airport Medical Centers oder Artikel in der Mitarbeiterzeitschrift. Die Resonanz war laut FSG positiv. Bei Themen wie der Maskenpflicht zog das Flughafenpersonal offenbar ebenfalls gut mit. Umstellungsschwierigkeiten habe es nur bei einzelnen Fluggästen gegeben, so die Auskunft.
Roto hat einen Planungsstab für die Pandemie eingerichtet
Auch Olaf Geier, Leiter Organisationsentwicklung & Compliance der Roto Frank Fenster- und Türtechnologie GmbH (FTT), lobt den „verantwortungsbewussten Umgang der Mitarbeitenden weltweit mit der Pandemie“. Sehr viele hätten sich impfen lassen, sobald es möglich gewesen sei, berichtet Geier. Mit Beginn der Pandemie hat das Unternehmen mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen einen Pandemieplanungsstab eingerichtet, der alle Standorte weltweit einschließt.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Damit der Teamgeist der Firma nicht leidet
Die Geschäftsführung informiert in regelmäßigen Abständen über das Infektionsgeschehen und aktuelle Regelungen – in Leinfelden-Echterdingen derzeit wöchentlich. Auch FFT konnte eigene Impfangebote machen. Auskünfte über den Impfstatus erfolgten freiwillig, sagt Geier. Sie würden vertraulich behandelt. Das Unternehmen bietet den Mitarbeitenden zudem OP-Masken, FFP2-Masken und Corona-Selbsttests an. Engpässe gab es laut eigener Aussage zu keiner Zeit. Durch die Unternehmenstätigkeit in Asien habe man bestehende Kontakte nutzen können und das notwendige Schutz- und Testmaterial bereits zu Beginn der Pandemie direkt vor Ort in ausreichender Menge eingekauft.
Höchste Priorität für Gesundheitsschutz der Mitarbeiter
Coronatests beschäftigen auch Matthias Lapp. Wenn die Zahl der Infektionen steigt, erhöhe sich auch das Risiko von Ansteckung und Quarantänezeiten. „Bei uns gilt 3G am Arbeitsplatz“, sagt der Geschäftsführer. „Wir bieten Selbsttests für Mitarbeiter an und haben uns entschieden, dass wir für Mitarbeiter, bei denen ein Freitesten aus der Quarantäne in Frage kommt, den nötigen PCR-Test bezahlen.“
Ob das Angebot angenommen wird oder nicht, bleibt eine persönliche Entscheidung. Bislang hat sich das Prozedere bewährt: als Maßnahme zur Sicherstellung der Kontinuität in der Produktion ohne deshalb erhöhte gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen zu müssen. „Der Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden hat die höchste Priorität“, stellt Olaf Geier klar. „Wenn es darum geht, wie wir ihn gewährleisten können, halten wir uns an die Meinung der Virologen und Medizin-Experten.“