Die Herbstferien sind vorbei. In den 4500 Schulen in Baden-Württemberg wird trotz Pandemie wieder gebüffelt. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Mit der Warnstufe ist die vierte Coronawelle in Baden-Württemberg angekommen. Wir haben nachgefragt, was die Behörden über die Pandemie in den Schulen wissen.

Stuttgart - Mit der Ausrufung der Coronawarnstufe am 2. November ist die vierte Pandemiewelle in Baden-Württemberg angekommen. Die Zahlen sind seither so stark gestiegen, dass Experten das Erreichen der Alarmstufe als eine Frage von Tagen betrachten. Das zeigt die Entwicklung seit dem vorigen Donnerstag, als das Landesgesundheitsamt seinen jüngsten Wochenbericht veröffentlicht hat. Damals waren 308 Coronapatienten auf Intensivstationen in Baden-Württemberg gemeldet. Am Montag waren es 347. Die Alarmstufe wird ausgerufen, sobald die Schwelle von 390 Covid-Patienten auf Intensivstationen an zwei Tagen hintereinander überschritten wird.

 

All das ist Anlass, die Infektionen an den Schulen genauer in den Blick zu nehmen. Denn nach wie vor sind viele Schüler nicht geimpft, weil es für ihre Altersstufe noch keinen zugelassenen Impfstoff oder keine allgemeine Impfempfehlung gibt. Die Jugendlichen (über zwölf Jahre), die seit einigen Wochen geimpft werden können, nutzen die Möglichkeit zügig: 43 Prozent der 12- bis 17-Jährigen im Land sind mittlerweile einmal, 39 Prozent sind bereits zweimal geimpft.

Wie verbreitet ist Corona an Schulen?

Laut den Statistiken des Landesgesundheitsamts gab es in Baden-Württemberg seit Jahresanfang 91 000 Coronafälle bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 19 Jahre. Dass der Impffortschritt die Entwicklung der Pandemie verändert hat, lässt sich an vier Zahlen ablesen: In der ersten Januarwoche war jeder vierte Coronapatient im Land mehr als sechzig Jahre alt. Kinder und Jugendliche trugen zum Jahresanfang 13 Prozent zu den Infektionen bei. Wegen der Impffortschritte in der erwachsenen Bevölkerung haben sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt: In der vorigen Woche lag der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Pandemie bei 25 Prozent; die über 60-Jährigen trugen 15 Prozent bei.

Wie ist das neue Schuljahr angelaufen?

Seit dem Ende der Sommerferien hat das Landesgesundheitsamt fast 31 500 Coronafälle bei Null- bis 19-Jährigen registriert. Davon entfallen rund 5000 Fälle auf Null- bis Fünfjährige, rund 7500 Fälle auf Grundschüler und der Großteil auf die Zehn- bis 19-Jährigen, die den weiterführenden Schulen zugerechnet werden können. Dabei verlief die Entwicklung laut den wöchentlichen Fallzahlen des Landesgesundheitsamts nicht linear. In den ersten drei Wochen gingen die Infektionszahlen in Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen mal hoch, mal runter. Seit Oktober steigen sie kontinuierlich an.

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Wegen der veränderten Quarantäneregelungen für die Schulen seit dem Ende der Sommerferien haben sich die coronabedingten Unterrichtsausfälle deutlich reduziert. Seit dem Ende der Sommerferien war noch keine einzige Schule ganz geschlossen. Auch dass ganze Klassen in Quarantäne geschickt wurden, war vergleichsweise selten. Der Höchstwert mit 56 Klassen wurde am 29. Oktober – dem letzten Schultag vor den Herbstferien verzeichnet. Etwa 3400 Schüler und 200 Lehrkräfte waren an diesem Tag als positiv getestet registriert.

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Wie ist der aktuelle Stand?

Am Montag, dem ersten Tag nach den Herbstferien, gab es laut Kultusministerium an 735 (von 4500) Schulen Coronafälle. Rund 160 Lehrkräfte und 2100 Schüler waren positiv auf Corona getestet. Zehn ganze Klassen waren in Quarantäne. An 725 Schulen mussten nur einzelne Schüler wegen Corona zu Hause zu bleiben. Bisher scheinen sich die neuen Quarantäneregeln für die Schulen im Land zu bewähren. Seit dem Schulstart muss bei einem Infektionsfall in der Klasse nicht mehr die ganze Klasse oder die nächsten Kontaktpersonen in Quarantäne. Stattdessen werden – außer dem Kranken selbst, der sich zeitweise isolieren muss – alle Klassenkameraden an fünf Tagen hintereinander getestet.

Wegen statistischer Unschärfen sind aktuell sogar weniger Schüler (knapp 1600) in Quarantäne registriert als positiv getestet (2100). Das war im alten Schuljahr mit den umfassenden Quarantäneauflagen an Schulen noch anders, wie der Blick auf den 30. März belegt: Dort war mit 10 600 Schülern in Quarantäne der höchste Stand im laufenden Jahr erreicht – positiv getestet waren am gleichen Tag 1100 Schüler.