Können Fünf- bis Elfjährige unbesorgt geimpft werden? Die Ständige Impfkommission will bald entscheiden. Besteht für Kinder auch das Risiko von Herzmuskelentzündungen?
Berlin - In wenigen Tagen wird die Ständige Impfkommission (Stiko) bekannt geben, wie ihre Empfehlung für die Corona-Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren ausfallen wird. „Wenn irgend möglich“ solle bis zum 13. Dezember eine Empfehlung vorliegen, teilte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens auf Anfrage mit. Es gibt schon länger Hinweise darauf, dass die Stiko die Impfung zunächst ausdrücklich nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen und erkrankten Angehörigen ausdrücklich empfehlen könnte. Eine spätere Ausweitung auf alle Gruppen hatte es auch beim Impfen von 12- bis 17-Jährigen gegeben.
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Die Sicherheitsdaten für den Kinder-Impfstoff noch nicht ausreichend
Beim Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige geht es um ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat im Vergleich zum herkömmlichen Biontech-Impfstoff. Es gibt jetzt schon Ärzte, die den schon verfügbaren Impfstoff in verringerter Dosis einsetzen, dies fällt laut Kinderärzten unter den sogenannten Off-Label-Use.
Allerdings sind die Sicherheitsdaten für den Kinder-Impfstoff noch nicht ganz ausreichend. Zum Risiko von Herzmuskelentzündungen ist beispielsweise noch nichts bekannt. In Deutschland hat daher nun eine Studie begonnen: So will das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das am Deutschen Herzzentrum Berlin gegründete MYKKE-Register untersuchen, wie häufig Kinder und Jugendliche nach einer Corona-Impfung eine Herzmuskelentzündung erleiden.
Vor allem männliche Jugendliche betroffen
In israelischen Studien wurde erstmals berichtet, dass es nach einer Corona-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff sehr selten zu Herzmuskelentzündungen gekommen ist – nämlich in 1,3 Fällen pro 100 000 Zweit-Impfungen. Davon waren vorwiegend junge Männer zwischen 16 und 19 Jahren betroffen – nämlich in 13,7 Fällen pro 100 000 Zweit-Impfungen.
Um herauszufinden, wie sich die Impfung auf die Herzen von Kindern zwischen fünf und 17 Jahren auswirkt, sollen nun in der Studie gezielt die Daten jener Kinder und Jugendlichen ausgewertet werden, die von den MYKKE-Zentren und -Kliniken mit Verdacht auf Myokarditis unmittelbar nach einer Impfung gegen COVID-19 gemeldet werden. Aktuell beteiligen sich 29 Kinderherzzentren und Kinderkliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz am MYKKE-Register.
Betroffene werden zwölf Monate nachuntersucht
Die gemeinsame Studie des PEI und MYKKE, finanziert vom Bundesgesundheitsministerium, sieht vor, alle betroffenen Kinder gemäß einheitlicher Standards zu diagnostizieren, behandeln und mindestens zwölf Monate lang nachzuuntersuchen. „Wir werden mit dieser Studie zwar keine definitive Aussage über die prozentuale Häufigkeit von Herzmuskelentzündungen nach einer Impfung gegen COVID-19 machen können“, sagt Franziska Seidel vom Deutschen Herzzentrum Berlin, „aber wir erhoffen uns wertvolle Erkenntnisse über den Schweregrad und Verlauf der Erkrankung, um unsere Patienten bestmöglich behandeln und Folgeschäden vermeiden zu können.“