In den Krankenhäusern kommt die Entwicklung mit Verzögerung an. Foto: Gottfried Stoppel

Bei den Werten zur Beurteilung der Pandemiedynamik steigen die Zahlen wieder – Hotspot im Rems-Murr-Kreis ist derzeit der Welzheimer Wald.

Waiblingen/Welzheim - Die einschlägigen Zahlen zum Stand der Pandemie haben wieder eine Tendenz nach oben. Im Rems-Murr-Kreis wird dies – auch im Vergleich zu der Nachbarschaft – massiv ersichtlich am alten, aber eben doch noch bedeutsamen Wert der Sieben-Tage-Inzidenz, die am Mittwoch auf knapp 160 gestiegen ist. Dies bedeutet einen Höchstwert seit dem Frühjahr dieses Jahres und den gut dreifachen Wert dessen, was vor Jahresfrist zum Lockdown geführt hat. Der Rems-Murr-Kreis liegt damit nicht nur deutlich über dem Wert der umliegenden Kreise in der Region Stuttgart, in denen diese Inzidenz am Mittwoch noch zwischen gut 60 und knapp 106 liegt. Sie liegt auch um rund 50 Punkte über dem Landesdurchschnitt. Und sie lag im Landkreis vor nur zehn Tagen noch deutlich unter der 100er-Marke. Binnen eines Tages ist die Zahl der Infizierten im Kreis um mehr als 100 auf 1091 gestiegen.

Hotspots im Welzheimer Wald

Das derzeit ebenfalls Auffällige nicht nur im Kreis: Junge Leute sind vom Infektions­geschehen mittlerweile deutlich stärker betroffen als die Älteren – was natürlich mit der Differenz beim Anteil an Geimpften erklärbar ist. Und es gibt auch lokal massive Unterschiede. Wobei sich die Hotspots innerhalb des Rems-Murr-Kreises inzwischen recht deutlich in Richtung Welzheimer Wald verschoben haben. Alfdorf weist mit 45 derzeit in Quarantäne befindlichen positiv Getesteten fast dreimal so viele auf wie das deutlich einwohnerstärkere Schwaikheim – und Welzheim (knapp 12 000 Einwohner) mit 35 fast so viele wie das gut doppelt so große Weinstadt.

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Die weniger schlechte Nachricht: Auch diese Zahlen sind noch kein Anlass, um akut – wie im vergangenen Jahr – um die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems zu fürchten – wobei die Entwicklung dort in der Regel mit Verzögerung einschlägt. In den Rems-Murr-Kliniken liegen derzeit 13 Covid-19-Patienten, davon werden fünf auf der Intensivstation versorgt und vier beatmet. Dies spricht bei deutlich erhöhter Zahl an Infizierten für eine geringere Anzahl an schweren Verläufen. Die Erklärung: die inzwischen recht hohe Impfquote und die veränderte Altersstruktur der Infizierten.

Landesweit mehr Intensivbetten belegt

Die für Restriktionen entscheidenden Werte rücken derweil landesweit etwas näher. Die lange Zeit um den Wert 2,0 schwankende Hospitalisierungsinzidenz, die Zahl der binnen sieben Tagen ins Krankenhaus eingewiesenen Infizierten je 100 000 Einwohnern, ist am Mittwoch mit 3,04 über die Dreiermarke geklettert. Der Warnwert liegt bei acht. Enger sieht es beim zweiten entscheidenden Wert aus: Die Zahl der durch Covid-Patienten belegten Intensivbetten liegt inzwischen bei 203 – am Sonntag waren es noch 188. Der Warnwert liegt hier bei einer Belegung von 250 Betten.

Bei Erreichen der Warnstufe darf sich ein Haushalt mit fünf weiteren Personen treffen, während der Alarmstufe nur noch mit einer weiteren. Geimpfte und Genesene werden nicht mitgezählt. Bei der Warnstufe gelten bei der 3-G-Regel nur PCR-Tests als Nachweis für nicht Geimpfte. Auf der Alarmstufe greift in vielen Bereichen wie Veranstaltungen, Gastronomie oder Sport die 2-G-Regel. Prognosen an der Freiburger Uniklinik rechnen damit, das die Messlatte für den Warnwert bei den belegten Intensivbetten Mitte November gerissen werden könnte.