Rückblick auf eine harte Zeit: Im Sommer 2021 lagen viele schwerkranke Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Foto: Giacinto Carlucci

Die Corona-Lage hat sich entspannt. Das Virus verschwindet aus den Köpfen, bleibt aber für Patienten, Angehörige und Klinik-Personal belastend.

Beim Neujahrsempfang der Alb-Fils-Kliniken betrachteten die rund 90 Gäste die vergangenen beiden Jahre im Rückspiegel. Aus medizinisch-pflegerischer Sicht war die Corona-Pandemie natürlich das prägende Thema. „Mehr als 3500 Covid-Patientinnen und -Patienten wurden seit Pandemiebeginn in den Alb-Fils-Kliniken betreut, leider haben rund zwölf Prozent dieser Personen die Infektion nicht überlebt“, sagte der Ärztliche Direktor Martin Bommer. Das bedeutet: Etwa 420 Menschen sind an oder mit Corona gestorben.

 

Aktuell werden zwölf Patienten mit Covid behandelt

Bommer mahnte in diesem Zusammenhang, nicht leichtsinnig zu werden: „Auch wenn nun die Pandemie immer mehr aus unseren Köpfen verschwindet, dürfen wir nicht vergessen, dass Covid ein überbordendes Ereignis war und auch weiterhin eine enorme Belastung darstellt, für die Patienten, die Angehörigen und für unsere Belegschaft.“ Insgesamt sei die Corona-Lage in den Alb-Fils-Kliniken aktuell „relativ entspannt und gut beherrschbar“, teilt die Pressesprecherin Ulrike Fischer mit.

In der Klinik am Eichert in Göppingen wurden, Stand Dienstag, zwölf Patienten mit Corona behandelt, von denen drei intensivpflichtig sind. Hinzu kommen zwei Patienten mit Verdacht auf Corona. „Unsere Coronapatienten kommen dabei überwiegend mit Corona und nicht wegen Corona“, unterstreicht Fischer. In der Helfensteinklinik in Geislingen werden aktuell keine Covid-Patienten betreut.

Im Vergleich zu den vergangenen beiden Wochen ist insgesamt ein leichter Rückgang zu verzeichnen, berichtet die Pressesprecherin. „Eine größere Infektionswelle ist aktuell eher nicht zu erwarten.“ Abzuwarten blieben allerdings die Auswirkungen der geplanten Aufhebung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob die Corona-Politik Chinas, das lange Zeit eine strikte Null-Covid-Strategie verfolgt hatte und Anfang Dezember dann unter enormem Druck eine abrupte Wende vollzog, Folgen haben wird, sei derzeit schwer abzusehen, sagt Fischer. Dass sich die Corona-Lage insgesamt entspannt hat, zeigt auch die Tatsache, dass der klinikübergreifende Coronastab im Landkreis Göppingen seit vergangener Woche pausiert. Um die medizinische Versorgung im Landkreis zu koordinieren, wurde im Frühjahr 2020 für die Dauer der Corona-Krise dieser landkreisweite Stab eingerichtet. Landrat Edgar Wolff hatte mit der Leitung dieses Krisenstabs den Medizinischen Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, Ingo Hüttner, beauftragt.

Covid bleibt eine gefährliche, mitunter tödliche Krankheit

In diesem Stab saß auch die Kreisärzteschaft. Dessen Vorsitzender Frank Genske sagt: „Corona ist nicht mehr das große Thema.“ Genauso wie das Impfen. Viele Menschen überlegten sich, ob sie sich die vierte Spritze noch geben lassen, sagt Genske. Da die Nachfrage rückläufig gewesen sei, wird die Kreisärzteschaft ihre Impfstelle in Eislingen Ende dieser Woche schließen. Doch Genske warnt wie Bommer davor, Covid-19 zu unterschätzen: „Es ist unklar, wie der Verlauf ist.“ Corona bleibe eine gefährliche, mitunter eben auch tödliche Krankheit.

Impfungen übernehmen vorwiegend die Hausärzte

Immunisierung
 Bis Ende dieser Woche hat die Impfstelle der Kreisärzteschaft in Eislingen geöffnet, dann schließt sie aufgrund der sinkenden Nachfrage. Noch ausstehende Abschluss- oder Auffrisch-Impfungen übernehmen dann die niedergelassenen Haus- und Fachärzte. Die Hausärzte bieten zum Teil auch offene Impfsprechstunden an. Kinder- und Jugendarztpraxen verabreichen die Impfung gegen Covid-19 ebenfalls.

Terminvereinbarung
Auch über das Impfterminportal des Landes Baden-Württemberg, die Telefon-Hotline 0800 282 272 91 und in Apotheken kann man bei Bedarf Impftermine vereinbaren.