Gottesdienste an Weihnachten werden an vielen Orten unter besonderen Bedingungen stattfinden – oder gar nicht. Foto: dpa/Friso Gentsch

An Orten mit besonders hohen Infektionszahlen werden in Württemberg an Heiligabend keine evangelischen Gottesdienste stattfinden – etwa in Heilbronn. Warum der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Hinderer das kritisiert.

Heilbronn - Heilbronn ist seit Wochen „Spitzenreiter“ bei den Inzidenzzahlen zu den Corona-Infektionen. Die Zahl der Infektionsfälle pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt deutlich über 300, am Mittwoch betrug der Wert im Stadtkreis Heilbronn rund 349. Dieser hohe Wert soll sich jetzt auch darauf auswirken, wie evangelische Christen in der Stadt Weihnachten feiern: ohne Gottesdienste.

Das kritisierte nun öffentlich und unmissverständlich der Heilbronner SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Hinderer als religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Er sei erstaunt über die Entscheidung der Landeskirche, schrieb er in einer Pressemeldung dazu und bekräftigte die Kritik nochmals im Gespräch.

Kirchengemeinde hatte Vorbereitungen getroffen

Erstmalig seit Menschengedenken müssten die Christen in seiner Heimatstadt ein Weihnachtsfest ohne Gottesdienst feiern. Damit seien „alle Anstrengungen der Kirchengemeinden zur Organisation regelkonformer Feiern Makulatur“, falls die Sieben-Tages-Inzidenz nicht noch unter 300 sinke.

Die evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn hatte umfangreiche Vorbereitungen für Gottesdienste im Freien getroffen, unter anderem auf dem Platz vor der Kilianskirche, wo sich noch vor drei Wochen die „Querdenker“ drängten. Das sei schwer vermittelbar, sagte Hinderer dazu.

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Abgeordneter warnt vor Gottesdienst-Tourismus

Er warnte auch vor einem Gottesdienst-Tourismus in die Nachbargemeinden. In seiner Funktion als gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion, räumte er noch ein, würden hier „zwei Herzen in seiner Brust schlagen“. Die gleiche Formulierung wählte auch Prälat Ralf Albrecht bei einer Nachfrage. Er verstehe die Kritik Hinderers, sagt er, aber er teile sie nicht.

Man habe sich die Entscheidung, die „ein hartes Ringen“ gewesen sei, in der Abwägung von Fürsorge für die Menschen und dem Verkündungsauftrag der Kirche „unendlich schwer gemacht“. Albrecht, der Mitglied des Oberkirchenrates ist, verwies noch darauf, dass in anderen Landeskirchen viele Gemeinden auf Weihnachtsgottesdienste verzichteten, auch in Orten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz unter der 300er-Marke liege.

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