Auf den Intensivstationen in der Region werden die Betten knapp. Vor allem an den Häusern in Ludwigsburg und Bietigheim spitzt sich die Lage zu. Mehr als 90 Prozent der Patienten sind ungeimpft.
Stuttgart - Die vierte Corona-Welle schwappt nicht nur mit aller Wucht über das Land Baden-Württemberg. Die Auswirkungen der Pandemie sind – wie das die Experten schon seit längerem prognostiziert hatten – nun auch in den Krankenhäusern der Region deutlich zu spüren. Und der Aufwärtstrend bei den Covid-Patientenzahlen ist noch lange nicht gestoppt.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Corona-Lage spitzt sich zu
Denn erst jetzt, mit rund 14-tägiger Verzögerung, machen sich die extrem hohen Infektionszahlen auch in der Belegungsquote der Klinikbetten mit Corona-Patienten bemerkbar. Hatte es bis Anfang November in manchen Häusern noch vergleichsweise gut ausgeschaut, so kommen nun immer mehr Kliniken an den Rand der Belastbarkeit. Das macht eine kleine Umfrage deutlich.
Für viele Impfdurchbrüche gibt es Erklärungen
Im Stuttgarter Marienhospital hat sich die Zahl der Intensivpatienten binnen Wochenfrist auf zehn Personen verdoppelt. Klinik-Sprecher Rainer Kruse berichtet zudem von 14 Patienten auf der Normalstation – auch das bedeute ein Plus von rund 50 Prozent. Neun der zehn Corona-Intensivpatienten sind ungeimpft.
Mit dieser Zahl liegt das Marienhospital voll im Durchschnitt. Alle befragten Kliniken sprechen ebenfalls von einem mindestens 90-prozentigen Anteil an Ungeimpften auf den Intensivstationen. Aber auch für viele der Impfdurchbrüche gebe es Erklärungen: Viele dieser Patienten litten unter teilweise erheblichen Vorerkrankungen.
An der Belastungsgrenze angekommen
Während im Marienhospital die Corona-Patienten den Klinikalltag noch nicht wesentlich beeinträchtigen, sind die Medius-Kliniken mit ihren drei Häusern in Kirchheim, Nürtingen und Ostfildern (Kreis Esslingen) längst an ihrer Belastungsgrenze angekommen. In der vergangenen Woche ist die Zahl der Covid-Patienten von 52 auf 72 gewachsen, 16 davon werden intensivmedizinisch betreut, zehn werden beatmet. Weil die Bettenkapazität nicht mehr ausreichte, habe man einzelne Patienten innerhalb von Baden-Württemberg verlegen müssen, erklärt Jan Schnack von den Medius-Kliniken.
Lesen Sie aus unserem Angebot: So viel Medikamente bekommen Covid-Patienten
Die Rems-Murr-Kliniken melden in der vergangenen Woche einen Anstieg von 41 auf 54 Patienten, von denen elf Personen intensivärztlich versorgt werden müssen. „Grundsätzlich haben wir unsere Kapazitäten für verschiebbare Operationen reduziert, weshalb wieder längere Wartezeiten entstehen“, berichtet der Klinik-Sprecher Christoph Schmale: „Für dringliche, planbare Eingriffe wird bei uns tagtäglich mit dem OP-Management geprüft, welche Patienten aus dem Elektivprogramm intensiv betreut werden müssen. Wir steuern dann die Kapazitäten so, dass derzeit noch genügend Intensivkapazitäten für Covid- und Nicht-Covid-Patienten zur Verfügung stehen.“
In Göppingen und Filderstadt gibt es nur ungeimpfte Covid-Patienten
Auch in Göppingen konnte man bisher auf Verlegungen verzichten. „Wir befinden uns aber dennoch mitten in der vierten Welle, die Zahlen steigen stetig an. Die Lage ist sehr angespannt“, sagt Ulrike Fischer, von den Alb-Fils-Kliniken. Alle acht Intensivpatienten seien ungeimpft. Das gilt auch für die fünf Covid-Erkrankten, die in der Filderklinik auf der Intensivstation liegen.
Wirklich eng ist die Situation an den Häusern der Regionalen Klinik Holding (RKH) in Ludwigsburg und Bietigheim. Am Dienstag waren in Ludwigsburg 47 der 49 Intensivbetten und in Bietigheim sämtliche zwölf Intensivbetten belegt. 36 Covid-Patienten liegen auf Normalstationen, 13 auf den Intensivstationen. Das sind rund 50 Prozent mehr als vor einer Woche. „Die Verlegungen unter unseren RKH Kliniken und auch zwischen anderen Kliniken spielen sich aber bislang noch in einem üblichen Maße ab“, erklärt der RKH-Sprecher Alexander Tsongas.