Unzählige Bilder, die in Cornelius Gurlitts Wohnung hingen, galten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Foto: dpa

Cornelius Gurlitt ist tot. Was geschieht jetzt mit seinen Bildern? Der 81-Jährige hatte nur noch entfernte Verwandte - darunter einen Schwager, der bei Stuttgart lebt. Gespannt wartet man auf die Eröffnung des Testaments, das bei einem Notar in Baden-Württemberg liegt.

Cornelius Gurlitt ist tot. Was geschieht jetzt mit seinen Bildern? Der 81-Jährige hatte nur noch entfernte Verwandte - darunter einen Schwager, der bei Stuttgart lebt. Gespannt wartet man auf die Eröffnung des Testaments, das bei einem Notar in Baden-Württemberg liegt.

München - Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat ein Testament hinterlassen - der Inhalt aber ist noch ein großes Rätsel. Das Amtsgericht München leitete am Mittwoch ein Nachlassverfahren ein und forderte das Testament an, das bei einem Notar in Baden-Württemberg liegt, wie Gerichtspräsident Gerhard Zierl sagte.

„Wir gehen davon aus, dass es im Laufe der nächsten Woche bei uns eintreffen wird. Dann wird hier der zuständige Rechtspfleger das Testament prüfen, um festzustellen, ob es ordnungsgemäß errichtet worden ist und um festzustellen ob der Verstorbene Erben eingesetzt hat.“

Geht die Sammlung ins Ausland?

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ und des NDR soll der am Dienstag verstorbene Gurlitt seine millionenschwere Bildersammlung in dem Testament einer Kunstinstitution im Ausland vermacht haben. Kunstexperten in Österreich spekulieren darüber, dass es sich um das Belvedere in Wien handeln könnte. Konkrete Anzeichen oder gar eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht. Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger wollte zu Inhalten des Testamentes am Mittwoch nichts sagen.

Spekuliert wird auch über das Lentos in Linz. Die Verbindung der Familie Gurlitt zu Linz reicht nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA ein halbes Jahrhundert zurück. Denn Cornelius Gurlitts Onkel Wolfgang - Bruder des Sammlers Hildebrand Gurlitt und selbst Sammler - hat in den 50er-Jahren in Linz mit 80 Gemälden und 200 bis 300 Grafiken die „Galerie der Stadt Linz“ gegründet. Aus dieser Galerie entstand das Lentos.

Gurlitt sah seine Bilder nicht wieder

„Ich kann nur bestätigen, dass Herr Gurlitt kurz vor seiner schweren Herzoperation einen Notar-Termin hatte“, betonte Holzinger. „Zu weiteren Details kann ich mich nicht äußern.“ Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, war am Dienstagvormittag im Alter von 81 Jahren in seiner Münchner Wohnung gestorben - ohne seine geliebten Bilder vorher noch einmal zu sehen. Er war seit Monaten schwer krank.

Der Erbrechts-Experte Anton Steiner, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht, sieht keine Probleme darin, sollte Gurlitts Sammlung - wie spekuliert wird - tatsächlich nach Österreich gehen. „Wir sprechen hier über EU-Ausland, weil es ja wahrscheinlich eine Institution in Österreich ist, die er bedacht hat. Da wird das unter EU-rechtlichen Gesichtspunkten kein Problem sein“, sagte er.

Sowohl Holzinger als auch das bayerische Justizministerium betonten, dass die Anfang April getroffene Vereinbarung zwischen Gurlitt und dem Staat auch für die Erben Gültigkeit besitzt - auch wenn dies nicht explizit im Vertrag stehe.

Gurlitt hatte der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine Sammlung von Experten untersuchen zu lassen. Unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke werde er gegebenenfalls zurückgeben. Die Taskforce Schwabinger Kunstfund geht von 458 verdächtigen Bildern aus, Gurlitt und seine Anwält sprachen stets von nur rund 40. Im Februar 2012 waren insgesamt 1280 Bilder in Gurlitts Wohnung in München-Schwabing gefunden worden.

„Die Vereinbarung zwischen Herrn Gurlitt, dem Freistaat Bayern und dem Bund enthält keine genuin erbrechtliche Vereinbarung“, sagte Holzinger zwar. „Es ist jedoch anzunehmen, dass potenzielle Erben von dieser Vereinbarung gebunden sind, weil sie dem ausdrücklichen Willen von Herrn Gurlitt entsprach.“ Es bedürfe jedoch einer näheren erbrechtlichen Überprüfung durch das Gericht oder die potenziellen Erben. Experten waren sich zunächst uneins darüber, ob der Tod Gurlitts die Verhandlungen mit den möglicherweise rechtmäßigen Besitzern einiger seiner Bilder verzögern könnten.

Mann der verstorbenen Schwester lebt bei Stuttgart

Nach dem Tod seiner Schwester Benita hatte der kinderlose und als menschenscheu geltende Gurlitt nur noch entfernte Verwandte. Dazu gehören ein entfernter Cousin in Spanien und sein Schwager, der in der Nähe von Stuttgart lebt. Nach Angaben des Erbrechts-Experten Steiner haben entfernte Verwandte keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Nur, wenn eine möglicherweise im Testament bedachte Institution das Erbe ausschlage, komme Gurlitts Verwandtschaft wieder ins Spiel.

Gurlitts millionenschwere Sammlung aus seiner Münchner Wohnung und seinem Salzburger Haus umfasst Bilder von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte die Münchner Sammlung Anfang 2012 beschlagnahmt. Auf die Salzburger Sammlung hatten die Behörden nie Zugriff.

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