Cornelia Ewigleben, Direktorin des Landesmuseums Württemberg, schätzt den Unternehmer und Kulturförderer Reinhold Würth als kulturhistorisch interessierten Kunst-Kenner. Foto: dpa/Marjan Murat

Reinhold Würth wird in Stuttgart als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg verabschiedet. Wie summiert Museumschefin Cornelia Ewigleben die Zusammenarbeit? Wir haben nachgefragt.

Stuttgart - Am 2. Oktober wird der Unternehmer und Kulturförderer Reinhold Würth in Stuttgart als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg verabschiedet. Wie summiert Landesmuseumschefin Cornelia Ewigleben die Zusammenarbeit? Wir haben nachgefragt.

Frau Ewigleben, Reinhold Würth geht „von Bord“ – was werden Sie am meisten vermissen?

In Herrn Professor Würth haben wir nicht nur einen Förderer und Mäzen sondern auch einen Fürsprecher, der uns mit den Leitlinien seines unternehmerischen Denkens betrachtet. Ihm war es sehr wichtig, dass es keinen Stillstand im Museum gab. Dabei war er auch außergewöhnlichen Projekten immer aufgeschlossen.

Tatsächlich ist Reinhold Würth nicht nur Förderer, sondern ja als Sammler selbst auch zum Kenner geworden. Wie beeinflusst das den Dialog zwischen Ihnen?

Mit ihm hat man eine Person vor sich, die im Laufe der Jahre eine große Kennerschaft im Bereich Kunst erworben hat und ein breites Interesse an kulturhistorischen Themen mitbringt. Er hat viel Erfahrung bei musealen Themen, so dass ihm Notwendigkeiten bei Abläufen und Verfahren von beispielsweise Ausstellungen nicht erläutert werden müssen.

Hilft auch sein gern wiederholtes Bekenntnis zum Land?

Reinhold Würth bezeichnet sich selbst als heimatverbundenen Hohenloher, liberalen Baden-Württemberger, geschichtsbewussten Deutschen und leidenschaftlichen Europäer. Das Landesmuseum Württemberg bietet hier viele Anknüpfungspunkte. Außerdem hat er ein großes historisches Interesse an Ländern wie zum Beispiel Russland. Deshalb konnten wir ihn für unsere Große Landesausstellung „Im Glanz der Zaren. Die Romanows, Württemberg und Europa“ begeistern. Auf seine Initiative wurde damals auch der Ausstellungskatalog in Russisch publiziert.

Besonders verbunden ist der Name Reinhold Würth mit dem Angebot des freien Eintritts in das Landesmuseum. Hat es lange gedauert, ihn von diesem Weg der Förderung zu überzeugen?

Überhaupt nicht! Alle Museen des Unternehmens Würth bieten den Besucherinnen und Besuchern freien Eintritt. Für Herrn Würth ist es wichtig, dass alle Interessierten unabhängig von ihrem Einkommen gleichgestellt sind und jeder sich einen Museumsbesuch leisten kann. Dadurch, dass Reinhold Würth zusammen mit der Fördergesellschaft den freien Eintritt in die Schausammlungen bei uns möglich gemacht hat, konnten wir im Jahr 2018 im Alten Schloss unsere Besucherzahlen verdoppeln und im Museum der Alltagskultur – Schloss Waldenbuch um 60 Prozent erhöhen.

Und ein Grund für Sie, dieses Thema immer wieder anzusprechen ...

... ja, wir hoffen, dass diese vorbildhafte Entscheidung unseren Träger, das Land Baden-Württemberg, überzeugt, zukünftig den freien Eintritt weiterhin zu ermöglichen. Es wäre ein wichtiges kulturpolitisches Signal an die Bürgerinnen und Bürger.

Das Engagement von Reinhold Würth war und ist prägend. Der Rückzug ist in gewisser Weise auch eine Aufforderung an die nächste Generation. Wie bereitet man von ihrer Seite aus einen solchen Wachwechsel vor?

Dank dem bedeutenden Engagement von Herrn Professor Würth konnten wir wichtige Meilensteine zum Beispiel bei der Sanierung des Alten Schlosses realisieren. Wir freuen uns aber auch, dass uns andere Unternehmen, Stiftungen sowie eine große Bürgerschaft immer unterstützt haben. Unsere letzte Ausstellung „Räuber Hotzenplotz“ im Kindermuseum wurde fast komplett über Drittmittel finanziert. Einen entscheidenden Anteil hatten dabei die Spenden zahlreicher Privatpersonen.

Sie sehen sich in der Förderung breit aufgestellt?

Das Landesmuseum Württemberg ist für viele Unternehmen und Menschen der Region ein wichtiger Partner bei der Vermittlung von Kultur und Identität. Wir haben deshalb viele Freunde.

Wir haben Reinhold Würth nach seinem Lieblingsstück gefragt. Aber doch auch an Sie: Was begeistert ihn in der Sammlung des Landesmuseums am meisten?

Ich denke ein Objekt, an dem sein Herz besonders hängt, ist das Porträt der Kronprinzessin Olga von Franz Xaver Winterhalter. Dieses wurde bei einer Auktion in London erworben. Dabei hatte die Fördergesellschaft des Landesmuseums Württemberg mit dem Unternehmen Würth einen signifikanten Beitrag geleistet. Heute ist es ein Highlight unserer Schausammlung „LegendäreMeisterWerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg“.

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