Conjuring – Die Heimsuchung Das Grauen lauert unterm Bett

Von Wolfram Hannemann 

James Wan, der vor zehn Jahren mit seinem extrem blutigen Schocker „Saw“ den Horrorfilm revolutionierte, hat sich hier nun der Spukhaus-Kategorie zugewandt, die viel weniger blutig ist, aber umso nachhaltiger wirkt.

Stuttgart - Verängstigt schreckt sie mitten in der Nacht aus ihrem Bett hoch. Hat sie etwas im Schlaf berührt? Ganz langsam lässt das Mädchen fen Blick durchs dunkle Zimmer schweifen, beugt sich dann über die Kante und schaut vorsichtig unters Bett. Die Kamera folgt ­jeder ihrer Bewegungen, schwebt schließlich auch kopfüber unters Bett und gibt den Blick frei auf etwas Unheimliches.

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Das ist nur eine von vielen Szenen, mit denen dieser Film Gänsehaut und Schweißperlen generiert. James Wan, der vor zehn Jahren mit seinem extrem blutigen Schocker „Saw“ den Horrorfilm revolutionierte, hat sich hier nun der Spukhaus-Kategorie zugewandt, die viel weniger blutig ist, aber umso nachhaltiger wirkt. Hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen: je subtiler, desto wirksamer, lautet die Devise, gegen den kunstvollen Grusel in „The Others“ hat eine brachiale Spezialeffekt-Orgie wie „Poltergeist“ keine Chance.

Keine hektischen Schnitte, keine Wackelkamera

Schon 2011 versuchte sich Wan an der Spukgeschichte „Insidious“, die sein Potenzial erahnen ließ. Dieser Film nun beruht auf einer wahren Geschichte aus den USA Anfang der 1970er Jahre. Alles beginnt wie immer beginnt: die Perrons ziehen samt sechs Töchtern ins neue Zuhause, ein idyllisch gelegenes altes Haus am See. Schon bald wird der Familie klar, dass noch etwas Anderes, Unsichtbares dort wohnt. Schranktüren öffnen sich von selbst, Bilder fallen von der Wand, lautes Klopfen erschallt und alle Uhren bleiben jede Nacht genau um 3.07 Uhr stehen. Als die paranormalen Phänomene schließlich immer bedrohlichere Ausmaße annehmen und die Mutter gar mit unerklärlichen blauen Flecken am ganzen Körper ­erwacht, holt sich die Familie Hilfe. Die Warrens, ein auf übernatürliche Erscheinungen spezialisiertes Ehepaar, wollen der Sache mit einem Expertenteam und moderner Technik auf den Grund gehen – und begeben sich­ ­damit selbst in große Gefahr.

Gemeinsam mit seinem Kameramann John R. Leonetti inszeniert Wan seinen Film in allerbester „Old School“-Manier: Keine hektischen Schnitte, keine Wackelkamera. Dafür überzeugende Farbdramaturgie, ungewöhnliche Perspektiven und eine sorgsam eingesetzte Filmmusik, die exakt weiß, wann sie verstummen muss, um die Spannung zu steigern. Erfahrene Spukhaus-Fans allerdings werden Momente vermissen, in denen sie vor Schreck in den Sessel sinken. Für Andere könnte der Film zur nervlichen Zerreißprobe werden. Eines dürfte aber ­allen gemeinsam sein: Sie werden ganz ­bestimmt vor dem Schlafengehen vorsichtig unters Bett schauen.

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