VfB-Torhüter Mitch Langerak würde sich über Einsätze in Russland beim Confed-Cup für Australien freuen. Foto: Bongarts

Der australische VfB-Torhüter ist gegen Deutschland nur Ersatz beim Confed-Cup.

Stuttgart - Wenn der Außenseiter Australien beim Confed-Cup in Russland an diesem Montag (17 Uhr/ZDF) auf Deutschland trifft, hat Mitch Langerak (28) seinen Albtraum gerade hinter sich (hier geht es zur ganzen Geschichte). Ob er das Erlebnis aber auch schon verarbeitet hat, ist eine andere Frage. Nicht ausgeschlossen scheint auf jeden Fall, dass dem Torwart des VfB Stuttgart noch immer die Szene im Kopf herumschwirrt, die sich bei der Generalprobe ­seiner Mannschaft am vergangenen Dienstag in Melbourne gegen Brasilien ereignete.

Gerade mal zehn Sekunden waren da gespielt, als Langerak danebengriff – die Folge war das 0:1 durch Diego Souza. 0:1 nach zehn Sekunden? Es war eines der schnellsten Tore in der gesamten Fußballgeschichte – und Langerak war daran nicht unbeteiligt. Am Ende verloren die Socceroos dann sogar mit 0:4, was jedoch nicht der Grund dafür ist, dass der Mann jetzt gegen Deutschland nur auf der Bank sitzt.

Das Missgeschick gegen Brasilien

Langerak ist ohnehin die Nummer zwei zwischen den Pfosten, hinter einem gewissen Mathew Ryan (25), der kurz vor dem Confed-Cup noch schnell seinen Wechsel vom FC Valencia nach England zu Brighton & Hove Albion über die Bühne gebracht hat. Damit hat Ryan seinen Kopf nun frei – wohl im Gegensatz zu Langerak, der nach wie vor grübeln dürfte, wie ihm das Missgeschick gegen Brasilien passieren konnte.

Andererseits ist Langerak aber auch eine dieser australischen Frohnaturen, was er beim VfB bereits des Öfteren unter Beweis gestellt hat. Auf dem Wasen schätzen sie ihn als guten Typen, der positiv denkt und mit seiner Art die Atmosphäre im Team maßgeblich beeinflusst. Und dass er als letztjähriger Zweitliga-Keeper überhaupt in den Kader für die Mini-WM berufen wurde, ist ja auch nicht unbedingt selbstverständlich. Außerdem ist er der einzige VfB-Profi, der jetzt in Russland am Ball ist.

Die australische Nationalelf besitzt für Langerak einen hohen Stellenwert, was sich daran zeigt, dass er in der Vergangenheit ­viele Strapazen auf sich genommen hat, um in diesem Kreis dabei zu sein. Unzählige Stunden hat er dafür im Flugzeug verbracht, bei der Anreise zu Länderspielen in seinem Heimatland – und nach ein paar Tagen ging es wieder zurück.

Seine Leistung beim VfB, bei dem er wegen seines Auftritts beim Confed-Cup erst verspätet in die Saisonvorbereitung einsteigen wird, hat darunter zuletzt nicht gelitten. Durch seine Reflexe hat er einige Punkte gerettet und seinen Teil zum Wiederaufstieg in die Bundesliga beigetragen. Aber der Stuttgarter Trainer Hannes Wolf sieht es ähnlich wie der australische Coach Ange Postecoglou – den starken Paraden von Langerak auf der Linie stehen Schwächen in der Strafraumbeherrschung und bei der Spieleröffnung entgegen.

Das Hoffen auf die Chance

Deshalb sucht der VfB auch einen neuen Torhüter, der Langerak Konkurrenz machen soll – und deshalb setzt Postecoglou auf Ryan, dem jedoch im Gegensatz zu Langerak die Praxis fehlt. War er bis 2015 beim FC Brügge gesetzt, mit dem er auch belgischer Pokalsieger wurde, brachte er es anschließend beim FC Valencia und bei KRC Genk, wohin er in der Rückrunde ausgeliehen war, auf insgesamt nur acht Einsätze.

Daher muss die Rangfolge im australischen Gehäuse beim Confed-Cup nicht in Stein gemeißelt sein. Nicht dass Langerak hoffen würde, dass Ryan gegen Deutschland ein ähnlicher Fauxpas unterläuft wie ihm nach zehn Sekunden gegen Brasilien – aber wenn seine Chance kommen sollte, wäre er bereit. Und wenn sich für ihn jetzt in Russland keine Tür öffnet, schießt er nicht quer, sondern bringt sich auf seine Weise ein in die Mannschaft und versucht, dort ein Klima des Miteinanders zu schaffen.

Zumindest, wenn er seinen Albtraum ­verarbeitet hat.

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