Concept Store an der Königstraße Das Kaufhaus Mitte bleibt der Stadt erhalten

Von Nina Ayerle 

Daniel Brunner bei der Eröffnung des Kaufhauses Mitte mit Ines Aufrecht, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung. Inzwischen läuft der Concept Store so gut, dass sich eine Verlängerung lohnt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Daniel Brunner bei der Eröffnung des Kaufhauses Mitte mit Ines Aufrecht, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung. Inzwischen läuft der Concept Store so gut, dass sich eine Verlängerung lohnt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Pächter Daniel Brunner hat den Mietvertrag seines Geschäfts im Königsbau bis Ende 2018 verlängert. Sein Konzept hat sich als gefragtes Modell entpuppt. Anfragen hat der Einzelhändler schon aus ganz Deutschland bekommen.

Stuttgart - Okay, den Slogan hat er nur geklaut. Von US-Präsident Donald Trump. Der ist ja vor knapp einem Jahr sein Amt mit dem hehren Ziel „Make Amerika great again“ angetreten. Daniel Brunner hat den Slogan kurzerhand geklaut und umformuliert: „Make Königstraße great again“. Mit diesem Anspruch hat er Ende März das Kaufhaus Mitte im Königsbau eröffnet.

Das Kaufhaus Mitte ist inzwischen so erfolgreich – eine Verlängerung lohnt nun

Gut, arg gewandelt hat sich die Königstraße nun seitdem nicht. Aber eine kleine Aufwertung ist das alternative Kaufhaus durchaus. Das macht sich auch bei Brunner bemerkbar: „Bei mir geht es jeden Tag aufwärts.“ Der Stuttgarter ist allgemein recht umtriebig: Brunner betreibt den Blog und das Modelabel Pop Rocky und veranstaltet regelmäßig den Design- und Kreativmarkt Stylekantine in der Mensa der Uni Stuttgart. Nur interimsweise hat er die 650 Quadratmeter umfassende Ladefläche des ehemaligen Warenhauses Strauss im Königsbau gemietet. Auch als Selbstschutz für sich: Er wollte erst schauen, ob sein Konzept funktioniert. Das tut es. Bis Ende Dezember 2018 hat Brunner im Königsbau verlängert. Das Kaufhaus Mitte bleibt erst mal.

Womit sich der 45-Jährige von den anderen Geschäften an der Königstraße absetzt? Er setzt auf kleinere Labels und Produkte, die es sonst kaum in Stuttgart gibt. Er will Alternativen zu dem Sortiment der großen Ketten bieten. Eine Alternative zum Mainstream. Das wiederum ist ihm gelungen. Ein bisschen musste er hin- und herjonglieren. Gestartet sei er mit etwa 20 Prozent Anteil an Stuttgarter Produkten. Inzwischen sei er auf 50 Prozent hoch gegangen. „Regionales ist tatsächlich das, was die Leute am meisten bei mir nachfragen“, so die Erfahrung Brunners aus den letzten acht Monaten. Das seien oft auch die „typischen Touriartikel“, häufig regionale oder kleine Label, die sich trotzdem gut verkaufen. Was am nächsten Tag kommt, weiß Brunner eh nie: „Mal ist der Laden plötzlich voll mit 70 asiatischen Touristen. Mal kommen nur Stammkunden, die dafür immer was mitnehmen.“

Concept Stores werden immer beliebter

Das Kaufhaus Mitte war ein Glücksfall. Immobilien auf Zeit für solche Shopping-Konzepte sind rares Gut in der Stadt; in der Premiumlage an der Königstraße erst Recht. Die Mieten sind eigentlich viel zu teuer für einen Einzelkämpfer wie Brunner. „Mein Vermieter fand aber die Idee super“, sagt Brunner. Die allerste Vermittlung fand über die städtische Wirtschaftsförderung statt. Dort wurde die Stelle eines Leerstandsmanagers geschaffen, dessen Aufgabe es ist, genau solche Menschen zusammen zu bringen. Ines Aufrecht, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung bezeichnete Brunners Idee beim Start als „total originell“, weil sie „Ökonomie und Kreativität“ verbinde.

Concept Stores nennt sich das Shop-in-Shop-Konzept ja inzwischen ganz modern. Im Prinzip das, was früher mal der klassische Gemischtwarenladen war. Das erste Kaufhaus Deutschlands in diesem Stil hat – natürlich – in Berlin eröffnet. Die Concept Mall Bikini an der Budapester Straße ist ein alternatives Einkaufszentrum mit kleinen, wechselnden Boutiquen, Flagship-Stores und Gastronomien unter einem Dach. Seitdem ist das Modell in viele andere Städte übertragen worden. Und äußerst beliebt. Das ist zumindest der Eindruck Brunners: „Ich habe einige Anfragen aus anderen Städten bekommen.“

Was fehlt im Kaufhaus Mitte, ist eine Gastronomie

Manches Angebot habe er erst nach langem Zögern abgelehnt. Schlicht, weil er mehr als ein Kaufhaus im Moment nicht schafft. Sicher ist er aber: „Solche Konzepte sind die Zukunft im Einzelhandel.“ Darüber seien sich viele in der Branche einig. Trotzdem hat sein Kaufhaus ein großes Defizit: „Mir fehlt die Gastronomie.“ Denn das ist es, was die Massen tatsächlich in solche alternativen Malls lockt. Da habe ihm das Fluxus definitiv etwas voraus.

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