Ein Gebäudereiniger poliert in Frankfurt das Firmenschild der Commerzbank – mit dem Strafzins macht die Bank Großanlegern wenig Freude Foto: dpa

Es ist ein Novum: Wer Geld bei der Bank anlegt, muss dafür Gebühren zahlen, statt Zinsen zu kassieren. Noch trifft es nur ausgewählte Kunden. Viele Sparer fragen sich, ob es dabei bleibt. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Frankfurt - Welche Banken erheben Strafzinsen?
Nach der kleinen Skatbank in Thüringen wird auch die Commerzbank ab Dezember für Kundeneinlagen negative Zinsen und damit eine Gebühr erheben. Noch aber soll sich der Schritt auf „einzelne große Firmenkunden mit hohen Guthaben“ sowie auf „Großkonzerne und institutionelle Anleger“ – also etwa Pensionskassen oder Versicherungen – beschränken, sagt Commerzbank-Sprecher Martin Halusa. Und auf Beträge in achtstelliger Höhe und damit ab zehn Millionen Euro aufwärts. Einen konkreten Zinssatz nennt er nicht. „Für Privat-, Geschäfts- und mittelständische Kunden sind grundsätzlich keine negativen Zinsen geplant“, betont Halusa.
Wie begründet Deutschlands Nummer zwei, dass sie Strafzinsen einführt?
Die Commerzbank begründet ihre Entscheidung mit dem negativen Einlagezins von 0,2 Prozent, den die Europäische Zentralbank (EZB) seit Sommer verlangt, wenn Banken bei ihr Geld parken. Die Commerzbank behält sich eine „Guthabengebühr bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern“ vor. Man werde bei der Erhebung der Guthabengebühr aber sorgsam vorgehen und „besondere Rücksicht“ auf die Liquidität nehmen, die für den ­laufenden Geschäftsbetrieb des jeweiligen Unternehmens notwendig sei. Außerdem würden den Kunden alternative Möglichkeiten für die Anlage überschüssiger Liquidität angeboten, versichert Commerzbank-Sprecher Martin Halusa.
Wie sieht es beim Branchenprimus Deutsche Bank aus?
Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen hat unlängst betont, dass alle Banken mit dem Thema Negativzinsen „sehr verantwortungsvoll“ umgehen würden. Er warnte aber auch vor falschen Signalen an die Sparer. Sein Haus selbst will sich in Sachen Strafzins zurückhalten. „Die Deutsche Bank plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Gebühren für Einlagen einzuführen. Für institutionelle Kunden mit zusätzlichem Bedarf an Einlageprodukten bietet die Bank verschiedene Anlagealternativen an, um auf das geänderte Zinsumfeld reagieren zu können“, sagt Bank-Sprecher Ronald Weichert. Erst ab Anlagebeträgen von 100 Millionen Euro, so ist zu hören, denkt das Institut an Negativzinsen, aber nicht, wenn der Liquiditätsbedarf des Unternehmens betroffen sei. Asoka Wöhrmann, oberster Vermögensverwalter der Bank, glaubt, dass es mehr und mehr Großunternehmen treffen wird. Das Thema „frisst sich in die Wirtschaft hinein“, sagte er.
Drohen Millionen Sparern negative Zinsen?
Nein, meint Branchenkenner Max Herbst von der Finanzberatung FMH: „Es dürfte Jahre dauern, bis Einlagen unter 250 000 Euro betroffen sein werden.“ Spareinlagen bis 100 000 Euro hält der Frankfurter Experte für gänzlich ungefährdet von den aktuellen Beschlüssen einzelner Banken: „Der Kleinsparer muss keine Angst haben, dass morgen sein Sparbuch mit 30 000 Euro mit Negativzinsen belastet wird.“ Auch die Commerzbank versichert: Privatkunden und Mittelstand würden von der Strafgebühr verschont.
Trifft der Strafzins letztlich nicht doch alle Bankkunden?
Auf Umwegen könnten Strafzinsen durchaus bei Kleinsparern und Verbrauchern ankommen: Zu den Großkunden der Banken mit teils gewaltigen Anlagesummen zählen auch Fondsgesellschaften. Denkbar ist, dass Fonds für Anleger weniger Rendite abwerfen, weil deren Anbieter bei ihrer Bank Gebühren für die Geldanlage zahlen müssen. Die Fondsgesellschaft Union Investment erklärt, sie halte ohnehin möglichst nicht mehr Liquidität vor als unbedingt notwendig und versuche aktuell, Gelder etwa in Festgeld umzuschichten.
Wie steht die Bundesbank dazu?
Die Bundesbank warnt ausdrücklich vor der flächendeckenden Einführung von Minuszinsen. Das sei negativ für die Sparkultur und könne Anleger verleiten, ihr Geld in allzu riskante Produkte zu investieren, sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. Theodor Weimer, Chef der Hypovereinsbank hatte vor kurzem betont, es wäre eine „Ungeheuerlichkeit“, wenn Spareinlagen mit einer Gebühr belegt würden. Der deutsche Sparkassen- und Giro-Verband und der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken haben einen solchen Schritt für ihre Institute ausgeschlossen. Das käme einem „Tabubruch“ gleich. Allerdings zahlen viele Sparkassen und Volksbanken für Tagesgeldkonten praktisch keine Zinsen mehr, manchmal nur 0,01 Prozent, vielerorts höchstens 0,1 oder 0,2 Prozent, ­womit die Sparer bei einer Inflationsrate von aktuell 0,8 Prozent auch Geld verlieren.
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