Bundesweit werden von den derzeit knapp 800 Commerzbank-Filialen Ende 2022 nur noch 450 übrig sein. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Die Commerzbank schließt bis Ende 2022 jede zweite Filiale in Baden-Württemberg. Ein Interview mit Mario Peric, Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkundengeschäft in Süd- und Westdeutschland.

Frankfurt - Die Commerzbank will bis Ende nächsten Jahres jede zweite Filiale in Baden-Württemberg aufgeben. Mario Peric, Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkundengeschäft in Süd- und Westdeutschland, zu den Hintergründen.

 

Die Commerzbank hat lange betont, Filialen seien auch online-affinen Kunden wichtig. Gilt das jetzt nicht mehr?

Es ist ja kein Entweder-oder. Wir behalten in Deutschland 450 Filialen, fast 40 in Baden-Württemberg, und gleichzeitig ist die Bank online und mobil 24 Stunden pro Tag verfügbar. Man muss auch sehen, dass die Coronapandemie vieles verändert hat. Ratenkredite zum Beispiel werden heute ganz überwiegend online abgeschlossen, 83 Prozent der digital abgeschlossenen Wertpapier-Sparpläne erfolgten dieses Jahr übers Handy. Unser Ziel ist die digitale Beratungsbank für Deutschland.

Aber Kunden, die doch eine persönliche Beratung wünschen, werden längere Wege in Kauf nehmen müssen.

Das stimmt, wobei es neben dem Online-Zugang natürlich auch noch die Möglichkeit einer telefonischen Beratung gibt. Parallel zur Anpassung des Filialnetzes bauen wir die persönliche Beratung ohne Filiale aus. Auch Beratung zu Wertpapieranlagen oder Immobilien sind so möglich. Wer darauf keine Lust hat, macht einen Termin.

Bislang warb die Commerzbank um Neukunden mit einem Gratiskonto, das – anders als bei Direktbanken – mit dem Filialzugang verbunden war. Künftig gibt es nur noch ein reines Online-Konto kostenlos.

Es bleibt ja dabei, dass – wenn ein Kunde beispielsweise eine Baufinanzierung oder eine Altersvorsorge-Beratung wünscht – er in die Filiale gehen kann. Was alltägliche Bankgeschäfte betrifft, so hat er die Wahl: Entweder er zahlt eine Gebühr für die Nutzung von Serviceleistungen in der Filiale oder er spart sich die Gebühr, und nutzt dafür die digitalen Anwendungen. Das bedingungslos kostenlose Konto ist in Zeiten niedriger Zinsen einfach nicht mehr finanzierbar.

Was bedeuten die Filialschließungen für die Mitarbeiter im Land?

Für einige wird es die Möglichkeit geben, in eine größere Filiale oder ein Beratungscenter zu wechseln. Aber ich will nichts schönreden. Die Commerzbank plant bis Ende 2024 jede dritte Stelle im Inland abzubauen. Das hat auch Auswirkungen für Baden-Württemberg, hier haben wir derzeit 1080 Stellen im Privat- und Unternehmerkundengeschäft. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern starten dazu in Kürze. Wir bieten aber Abfindungen und Altersprogramme an und hoffen, ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen zu können.

Sie haben als Grund für die Einsparungen auch die niedrigen Zinsen genannt. Im August sinkt der Freibetrag, über dem Kontoinhaber Negativzinsen zahlen müssen, auf 50 000 Euro. Warum?

Die fixe Grenze gilt für Neukunden, mit Bestandskunden werden individuelle Vereinbarungen getroffen. Aber das Problem ist, dass wir überschwemmt werden mit Geld. Und dass wir es sicher verwahren, ist eine Dienstleistung, für die Entgelt anfallen kann. Durch die Coronakrise sind die Kundeneinlagen noch einmal kräftig gestiegen, allein in Baden-Württemberg nähern sie sich zehn Milliarden Euro. Wenn wir darauf 0,5 Prozent Zinsen an die Europäische Zentralbank zahlen, müssen wir einen Teil der Kosten auch an Kunden mit hohen Einlagen weitergeben.

Aber was raten Sie Kunden mit Guthaben über 50 000 Euro?

Eine Kombination aus Sachwerten und nachhaltigen Vermögensanlagen kann eine Lösung sein. Das können Aktien sein, aber es gibt auch andere Möglichkeiten. Beispielsweise den Fonds Klimavest, der in Windparks und Solaranlagen investiert. Für konservative Anleger sind auch Immobilienfonds eine Alternative.

Diese Commerzbank-Filialen werden bis Ende 2022 geschlossen

Stuttgart In der Landeshauptstadt werden folgende Standorte aufgegeben: Möhringen, Rotebühlstraße, Sillenbuch, Vaihingen, Weilimdorf und Zuffenhausen.

Landesweit
Die zur Schließung bestimmten Filialen im Rest des Landes in alphabetischer Reihenfolge: Bad Krozingen, Bad Säckingen, Bad Saulgau, Balingen, Biberach, Bietigheim-Bissingen, Donaueschingen, Emmendingen, Ettlingen, Filderstadt-Bernhausen, Heidenheim, Herrenberg, Isny im Allgäu, Kehl, Lahr, Mannheim-Sandhofen, Mosbach, Mühlacker, Neckarsulm, Nürtingen, Rastatt, Rheinfelden, Rottweil, Schorndorf, Schramberg, Schwäbisch-Hall, Schwetzingen, Sinsheim, Trossingen, Überlingen, Waiblingen und Wertheim.