Früher hat sie in Backnang gelebt. Heute arbeitet Efiliel Schad als Model in Berlin. Foto: Sebastian Xanke

Efiliel Schad ist 18 Jahre alt und eine Transfrau. Dazu steht sie in der Öffentlichkeit. Doch bis sie zu so viel Selbstbewusstsein gelangt war, vergingen einige Jahre. Von der Gesellschaft hätte sie sich dabei mehr erwartet.

Stuttgart - Wenn Efiliel Schad auf der Straße wegen ihres Aussehens angepöbelt wird, kontert sie manchmal: „Habt ihr erst einmal den Mut, so rauszugehen, wenn ihr irgendwann merkt, dass ihr vielleicht schwul seid.“ Selbstbewusst eben. Die meisten würden dann auch aufhören und leise sein, sagt Schad. Doch bis sie in der Lage war, so zu reagieren, sei einige Zeit vergangen. Von dieser Vergangenheit findet sich ein Relikt auf ihrem Pass wieder: Daniel steht darauf geschrieben. Die 18-Jährige hat den Prozess zur Namensänderung aber bereits eingeleitet – jetzt möchte sie Efiliel genannt werden.

 

Schad ist eine von vielen Transfrauen in Deutschland, die sich frei zu ihrer Sexualität bekennen. Und mit ihrem Werdegang ein Vorbild für andere sein wollen.

Zwischen Mann und Frau

In ihrer Kindheit spielte Schad gerne Eishockey, Fußball und mit Puppen. Sie ist in Backnang geboren, ihre Eltern trennten sich früh, zogen voneinander weg und suchten sich neue Partner. „Schwer, waren die Anfangszeiten in der Grundschule.“, erzählt Schad. Vor ihren Mitschülern sei sie zwar „als normaler Junge, mit normalen Freunden“ aufgetreten, zu Hause habe sie sich jedoch ängstlich und isoliert gefühlt. Warum, sei ihr damals noch nicht klar gewesen. „Ich wusste nicht, wer oder was ich war“, sagt Schad.

Schlechte Noten in der Schule, Unsicherheit vor Mitschülern und Angst vor den elterlichen Reaktionen begleiteten ihr Leben. „Ab der dritten Klasse ist es mir einfach schwergefallen, mich zwischen Mann und Frau zu entscheiden, auf welches Gender ich mich mehr fokussieren sollte.“ Vor ihren Freunden habe sie deshalb angegeben, auf Frauen zu stehen – auch um cool zu sein, um dazuzugehören. Wirklich überzeugt sei sie davon aber nicht gewesen.

„Ich trug normale Klamotten, normale Jungsklamotten“

Ihre wirklichen Gefühle habe sie in dieser Zeit vor ihren Mitmenschen versteckt: „Ich trug normale Klamotten, normale Jungsklamotten.“ Erst auf der weiterführenden Schule, in der achten Klasse, entschied sich Schad, Kosmetik zu tragen – getarnt als Cover-Up für Pickel und nur in feinen Zügen. Vor allem den Mädchen sei das aber aufgefallen. „Ich war dadurch in Lügen gefangen, hatte Schwierigkeiten, die Wahrheit zu sagen.“

In der neunten Klasse fasste Schad den Entschluss, sich zu outen. „Es war Chemie, ganz, ganz früh in der ersten Stunde“, erzählt die 18-Jährige. Am Abend davor sei sie sehr nervös gewesen, dann aber entschlossen in die Schule gegangen: „Da habe ich halt High Heels angezogen.“ Dazu ein bauchfreies Oberteil, selbst zusammengeschnitten aus einem Rock-T-Shirt ihres Vaters. „Dafür habe ich auch Ärger bekommen“, sagt Schad lachend. Wie die Reaktionen gewesen seien? „Die Mitschüler haben sich gewundert, wieso ich das trage. Ich habe denen dann halt gesagt: Ich lebe jetzt als Transgender.“

Unterstützung und Ablehnung

Ihre Mitschüler hätten das „nicht so schlimm“ gefunden. „Ich hab immer gedacht, die würden das anders aufnehmen.“ Den Grund dafür sieht Schad unter anderem darin, dass sie ihr Coming Out nicht in der Grundschule, sondern in einer höheren Klasse vollzogen hat. Zu der Zeit sei sie selbst und auch ihr Umfeld erwachsener an das Thema herangegangen. „Ich habe eigentlich nicht viele Freunde verloren.“

Mit der Gesellschaft sei es dagegen etwas schwerer gewesen, vor allem, da sie sich nach dem Coming Out sehr weiblich gekleidet habe. „Ich habe mich gefragt, warum die Leute mich so komisch anschauen, hinter mir lästern, hinter mir lachen.“, erzählt Schad. Unterstützung habe sie von ihren Eltern erfahren. Bereits ein Jahr vor ihrem öffentlichen Coming Out hatte die 18-Jährige ihnen von ihrer sexuellen Orientierung erzählt. „Ich habe davor nicht gewusst, dass meine Eltern so sind.“, sagt Schad.

“Born This Way“

Heute arbeitet Schad als Model und lebt in Berlin. Mit 16 sei sie durch Stuttgart gelaufen und auf der Straße von einer Agentur entdeckt worden. Die 18-Jährige will Menschen mit ihrem Beruf Mut machen und zeigen, dass auch Transmenschen Models sein können. In Berlin hat Schad auch ihren jetzigen Freund gefunden, der ebenfalls als Model arbeitet. Was sie den Menschen mitgeben will: „Man sollte einfach auf die Straße gehen, sich so ankleiden wie man will“ und zu seiner Sexualität stehen.

Dabei helfen könnten Beratungsstellen – gerade bei Depression und Suizidgedanken. Ihr habe am Ende die Musik geholfen, vor allem Lady Gagas Lied „Born This Way“. Doch auch Schad hat noch mit sich zu kämpfen. „Ich habe immer Angst, wenn ich auf der Straße mit Freunden rede, wegen meiner Stimme, weil ich mich männlich anhöre.“ Äußerlich sehe man ihr das ehemalige Geschlecht nämlich gar nicht mehr so an.