Die Simpsons – hier Bart und Homer – kennt jeder. Ihre deutschen Synchronsprecher sind aber vielen unbekannt Foto: epa

„Die Simpsons“ gehören zu den beliebtesten TV-Serien der Deutschen. Wer den gelben Helden ihre Stimmen leiht, weiß trotzdem kaum einer. Oder haben Sie gewusst, dass hinter dem Rotzlöffel Bart eine Frau steckt?

München - Seit mehr als 23 Jahren ist Norbert Gastell Homer Simpson. Als er und seine Kollegin Sabine Bohlmann alias Lisa Simpson vor kurzem betonten, dass sie noch eine ganze Weile weitermachen wollen, atmeten Fans der US-Comicserie „Die Simpsons“ auf. Wenn einer der Hauptcharaktere plötzlich anders spricht, ist das eine große Umgewöhnung.

„Ich kann mir es nicht vorstellen, dass es mal irgendwann zu Ende ist mit den ‚Simpsons‘“, sagte Gastell im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Mit seinen 85 Jahren gehört er zu den ältesten Synchronsprechern Deutschlands. Aufhören ist für ihn kein Thema. „Nichts tun, wäre nichts für mich“, sagte der Synchronsprecher. „Man wird eben älter, und wenn man dann nichts mehr tut, dann lässt du dich unterbewusst fallen. Wenn man aber immer was macht, muss man sich zusammenreißen. Und das hält jung.“ Seine Rolle ist seit Beginn der Trickfilmserie nicht älter als 40. Vor 25 Jahren starteten „Die Simpsons“ in den USA. In Deutschland waren sie knapp zwei Jahre später zu sehen.

Die Kritiker waren anfangs nicht angetan von dem naiv-trotteligen Vater Homer, der übervorsichtigen Mutter Marge, dem viel zu frechen Sohn Bart, der besserwisserischen Schwester Lisa und Maggie, der kleinen Schwester, die seit 25 Jahren in die Windeln macht und weder Laufen noch Sprechen lernt – außer dem Wort „Daddy“. Dieses sprach übrigens niemand geringeres als Filmdiva Elizabeth Taylor. Religiösen Menschen war die Serie zu ketzerisch, Frauenverbänden zu frech, Islamisten zu westlich, Russen zu amerikanisch. Und überhaupt: Zeichentrick für Erwachsene!?

Doch wer heute in den 30ern ist, kennt ein Leben ohne die gelben Figuren faktisch gar nicht. Die 31 Emmys sind die Spitze eines Trophäenberges, und nicht nur, dass die Hauptdarsteller jeweils eine Briefmarke der amerikanischen Post bekamen: Mutter ­Marge zog sich sogar für das Herrenmagazin „Playboy“ fast splitternackt aus.

Dreh-und-Angel-Punkt bleibt Springfield, die Heimatstadt der Familie: In welchem US-Staat das eigentlich liegt? Das hat Schöpfer Matt Groening bewusst offen gelassen. Denn in den USA gibt es in 35 Bundesstaaten eine oder mehrere Städte namens "Springfield". Ansonsten hat er sich an der eigenen Biografie bedient: Die Vornamen der ­Simpsons sind der Familie des Schöpfers Matt Groening entlehnt, und auch viele Randfiguren gab es im wirklichen Leben des heute 60-Jährigen. Der Mikrokosmos der ­Figuren, in dem man für jede Berufsgruppe, jeden Menschentypen, jede Eigenart ein Gegenüber findet, ist eine der Stärken der „Simpsons“.

Bei Pro Sieben hat das Format ebenfalls eine treue Fangemeinde. Dort schalten ­regelmäßig 1,5 Millionen bis zwei Millionen ­Zuschauer am Montagabend die Erstausstrahlungen ein. Und lauschen den altbekannten Stimmen.

Bart: Sandra Schwittau

Bart: Sandra Schwittau

Zum Casting für die deutsche Stimme des Rotzlöffels Bart wurden vor dem Start 1991 auch viele Männer und Jungen eingeladen. Durchgesetzt hat sich eine Frau: Sandra Schwittau. Auch im Original in den USA wird Bart von einer weiblichen Stimme gesprochen. Schwittau lieh auch schon den Hollywood-Schauspielerinnen Eva Mendes, Hilary Swank, Renée Zellweger und Milla Jovovich ihr rauchiges und vielschichtiges Organ. Wenn sie nicht gerade im Tonstudio sitzt, betreibt sie eine Design-Boutique in ihrer Heimatstadt München. Dort wurde Schwittau 1969 geboren. Sie hat ihre Schauspielausbildung am renommierten Lee Strasberg Institute in New York absolviert.

Lisa: Sabine Bohlmann

Lisa: Sabine Bohlmann

Mit dem Sendestart der „Simpsons“ in Deutschland begann auch das Engagement von Sabine Bohlmann alias Lisa Simpson. Seit 1991 leiht die Sprecherin der altklugen Tochter Lisa ihre Stimme. Die Verpflichtung hat sie ihrer hohen Tonlage zu verdanken. Auch viele andere Sprechrollen in Zeichentrickserien erhielt sie aufgrund dieses außergewöhnlichen Timbres, etwa in „Sailor Moon“, „South Park“ und „Pokemon“. Auch in größeren Kino-Produktionen wirkte sie mit: In den Harry-Potter-Verfilmungen sprach Bohlmann den Part der maulenden Myrte. Nebenbei betätigt sie sich als Autorin von Kinderbüchern. Geboren wurde Bohlmann 1969 in München.

Marge: Anke Engelke

Marge: Anke Engelke

Die Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin spricht die nörgelnde, ewig hadernde und gerade deshalb so liebenswürdige Marge Simpson seit 2006. Ihre Vorgängerin war die Schauspielerin Elisabeth Volkmann: Sie hatte Marge bis zu ihrem Tod 2006 ihre unverwechselbare Stimme gegeben. Engelke begann ihre Fernsehkarriere schon in den achtziger Jahren. Zunächst im ZDF und SWF 3. Einem Massenpublikum bekannt wurde Engelke von 1996 an in der Satiresendung „Die Wochenshow“ neben Bastian Pastewka und Ingolf Lück auf Sat 1. Es folgten eigene Formate wie „Anke Late Night“, „Ladykracher“ und die Moderation des „Eurovision Song Contest“ an der Seite von Stefan Raab im Jahr 2011. Dafür gewann sie den Deutschen Fernsehpreis. Engelke wurde 1965 im kanadischen Montreal geboren und lebt mit ihrer Familie in Köln.

Homer: Norbert Gastell

Homer: Norbert Gastell

Gastell spricht von Beginn der Serie an den so vertrottelten wie gutmütigen Vater Homer Simpson. Neben seiner Tätigkeit als Synchronsprecher tritt der heute 85-Jährige auch immer wieder als Schauspieler in Erscheinung. Einem breiten Fernsehpublikum wurde er bekannt durch die Rolle des Forstdirektors Leonhard in der TV-Serie „Forsthaus Falkenau“. Außerdem synchronisierte Gastell neben anderen Rollen den Zaubereiminister Cornelius Fudge in den Harry-Potter-Verfilmungen. Gastell wurde 1929 in Buenos Aires geboren, 1938 siedelte die Familie nach München um, wo er noch heute lebt.