Comic Con in Stuttgart Gipfeltreffen der Comichelden

Von Tilman Baur 

Stormtrooper, Spidermänner und Schneewittchen haben sich auf der Comic Con in Stuttgart ein Stelldichein gegeben. Auch wenn Chuck Norris absagen muss – Prominenz war dennoch am Start.

Stuttgart - Rauchende Pferde mit Sonnenbrillen, Aliens mit riesigen Köpfen, aus den Höhlen tretenden Augen und zu Fratzen verzerrten Gesichtern: Lenart Slabe mag es schrill und drastisch. Der 27-jährige Comiczeichner sitzt an seinem Stand in Halle 1 der Landesmesse, umrahmt von seinen Werken: Albencover für Hardrock-Bands, Fan-Art, religiös inspirierte Gemälde und – natürlich – Comics.

Slabe ist gebürtiger Slowene und wohnt seit Jahren in Rotterdam. Er ist einer von rund 250 Comiczeichnern und Illustratoren, die ihr Schaffen am Wochenende auf der Comic Con gezeigt haben. Viele haben das erste Mal Kontakt mit einem breiteren Publikum und sind ihre eigenen Verleger.

„Früher wusste ich nicht, wie ich Leute erreiche, die auf meine Comics stehen. Über einen Online-Auftritt allein funktioniert es nicht. Als ich dann letztes Jahr auf der Comic Con in Utrecht war, bekam ich ziemlich viel positives Feedback von Fans“, erzählt Slabe. Damals habe er eins verstanden: „Das ist der Weg, den ich gehen muss. Hier sehen die Leute die ganze Bandbreite dessen, was ich kann.“

Die Zeichner sind das Herzstück der Comicmesse. Das Bild bestimmen aber nicht sie, sondern die Cosplayer, die sich zu Hunderten auf der 45.000 Quadratmeter großen Messefläche tummeln. Ob Super Mario, die Ghostbusters, Schneewittchen, Elfen, Feen oder Gnome, Superman oder Wonder Woman, Spiderman oder spartanischer Krieger: Charaktere und Genres scheinen keine Grenzen zu kennen.

Besonders Figuren aus dem Star-Wars-Universum drücken der Messe ihren Stempel auf, seien es Stormtrooper, Darth-Vader-Wiedergänger oder Jawas, nagtierähnliche Wesen vom Planeten Tatooine. Markus Zeitvogel verkörpert heute zum ersten Mal einen Jawa. Er hat sich eine braune Kutte aus schwerem Leinenstoff genäht, die Hände sind schwarz behaart. Der Kopf steckt im schwarzen Tuch, auf dem leuchtend gelbe Augen-Attrappen kleben.

„Ja, ich schwitze schon“, murmelt der 38-jährige. Das sei ihm aber völlig egal. „Ich bin Fan von Stars Wars: Episode IV“, so Zeitvogel. Besonders der Planet Tatooine hat es ihm angetan: „Mich fasziniert alles, was dort kreucht und fleucht“, sagt er – so wie eben die Jawa.

Ärgernis für Fans und Veranstalter

Die Comic Con gilt als Messe von Fans für Fans, lebt aber auch von den Hollywoodstars, die sie besuchen. Der namhafteste, Chuck Norris, hatte seinen Auftritt am Freitagabend kurzfristig abgesagt. Wegen eines Unwetters habe er den Flug nach Stuttgart verpasst, entschuldigte sich der Actionheld in einem bei Facebook veröffentlichten Video.

Ärgerlich sei das für Fans und Veranstalter, sagte Andreas Wallbillich, Pressesprecher der Messe. Dennoch: „Am Ende ist die Comic Con eine Comic-Messe und keine ‚Chuck-Messe‘“. Der Stimmung habe die Absage keinen Abbruch getan. Durch Norris‘ Absage mutierte Game-of-Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau über Nacht zum größten Hollywood-Magneten der Messe. Bereits am Vormittag standen Fans meterlang Schlange, um ein Foto mit dem dänischen Schauspieler zu ergattern, das, ebenso wie ein Autogramm, stolze 80 Euro kostet.

Einen echten Massenauflauf verursachte die Gesprächsrunde mit den Fans am Nachmittag, bei der Coster-Waldau mit seinem Landsmann Pilou Asbaek, ebenfalls bekannt aus Game of Thrones, aus dem Nähkästchen des Serienalltags plauderte.

Fragerunde mit Game-of-Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau

Binnen Sekunden hatten sich die Sitzreihen vor der Bühne bis auf den letzten Platz gefüllt. Obwohl sich 90 Prozent der Fragen auf die erfolgreiche US-Fantasy-Serie bezogen, waren beide darauf bedacht, nicht zu viel über deren Ende preiszugeben. Denn die achte und letzte Staffel ist zwar abgedreht, wird aber erst im kommenden Jahr ausgestrahlt.

Kurzweilig geriet die Fragestunde trotzdem. Die Fußball-Fans Asbaek und Coster-Waldau, die sich blendend verstehen, konnten sich einige Seitenhiebe auf das Ausscheiden der Deutschen nicht verkneifen. Auf die Bemerkung eines Fans, die Deutschen seien wegen der WM deprimiert, sagte Asbaek: „Seien Sie versichert, der Rest der Welt ist es überhaupt nicht.“

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