Sigi Gall und Cherry Gehring alias Karin und Ralf Foto: Lichtgut / Ferdinando Iannone©

Das Comedy-Trio Backblech ist mit seinem Erfolgsstück „Love Hurts“ zurück in Stuttgart. Die Besteisterung im Theaterhaus war groß.

Stuttgart - Die Liebe tut noch immer weh. Der Herzschmerz, in Popsongs luftig eingepackt, ist ein Stück Stuttgarter Comedy-Historie. Vor 18 Jahren standen Sigi Gall, Cherry Gehring und Gitarrist James Geier zum ersten Mal auf der Bühne mit ihrem Programm, das von Trennung und Partnerschaft erzählt, von den alltäglichen Untiefen zwischen Mann und Frau, mit spitzem Witz, leidenschaftlicher Komik, viel Gesang. Nun sind sie wieder da: fast in Originalbesetzung spielt das Comedy-Trio Backblech am Samstag im Theaterhaus „Love Hurts“.

Es beginnt im Dunkeln, mit viel Jammern, Klagen und Gitarrenspiel. „Liebe ist eine Lüge, die nur erfunden wurde, um dich traurig zu machen!“, sagt Sigi Gall, ihre Stimme rutscht dabei feucht zitternd in die Höhe. „Liebe tut weh!“ – „Oh jetzt hör doch auf zu plärra!“, ruft der männliche Schwabe an ihrer Seite erschrocken. Dann singen sie den Song, der dem Abend seinen Namen gab.

Karin und Ralf stolpern übereinander

Sigi Gall und Cherry Gehring alias Karin und Ralf sind zwei, die in der Mitte des Lebens übereinander stolpern, gescheiterte Beziehungen im Rücken. Die verliebten Blicke schweben so vielsagend auf der Bühne, dass er fast über die eigenen Beine stolpert, als er die Handtasche aufheben möchte, die sie natürlich voller Absicht fallen ließ.

Im Laufe des Abends lernen sie sich näher kennen, die Probleme beginnen. Da die Pop-Musik fast nie von etwas anderem handelte als von solchen Begegnungen und ihren Folgen, gibt es für jede Situation ihres gemeinsamen Lebens und Leidens einen passenden Song. „Love Hurts“ erzählt die Geschichte einer Beziehung im Pop-Format, ihre Höhen, Tiefen, beleuchtet die Macken der Männer und Frauen mit wissender Komik.

Mit der Kraft der Musik

Am schönsten ist das, wenn sie gemeinsam singen und alleine lästern. Ein Teil des Publikums lacht dann jeweils etwas lauter. Der lange Monolog, den Karin zum Thema Haushalt, Küche, Mann hält, lässt die Stimmung im vollen Saal so würzig köcheln wie Ralfs feines Sößchen auf dem Herd. Das Gegenstück: Ralf, der sehr frustriert von höllisch langen Nächten erzählt. „Die Aufgabe an mich, den männlichen Sicherheitsbeauftragten, ist: steh auf, geh Schnaken jagen.“

Zurück in der Bettstatt wird der Mann nicht belohnt. Kaum schläft sie, wird sie zur skrupellosen „Meine-Decke-gehört-mir-Autistin“ und wagt er es dann noch, zu schnarchen. Von ihren kalten Füßen ganz zu schweigen. Die Kraft der Musik repariert das angeknackste Glück jedoch allzeit mit freundlicher Ironie: Ralf und Karin singen gemeinsam „My Girl“ – und plötzlich harmonisieren sie doch.

Das Publikum ist begeistert

Mehr als ein Dutzend Songs illustrieren das Auf und Ab in der komplizierten Kiste. Die Lieder stammen von Ronan Keating, Meat Love, Albert Hammond, Brian Adams, Ray Charles, Bill Withers und anderen. Sigi Gall und Cherry Gehring singen fabelhaft und seelenvoll über die Liebe und ihre Begleiterscheinungen, beide haben viel Bühnenerfahrung; Cherry Gehring singt seit vielen Jahren für die schwäbische Pop-Band Pur. Zur Urbesetzung von Backblech gehörte der Gitarrist James Geier. Seine Rolle nimmt nun Chessy Czesnat ein, er begleitet die Herzschmerzohrwürmer mit lockerem Saitenschlag. Zuletzt stammelt Ralf hingerissen: „Ich liebe dich!“ und singt mit Karin ein Stück von James Brown. Das Publikum klatscht nach mehr als fünf Jahren mit seinem Comedy-Herzenstrio.

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