Ein Moderator, vier Teilnehmende und ganz viele Gewinner: Der Comedy-Slam im Alten Amtsgericht weckt nostalgische Erinnerungen.
Noch vor einigen Jahren gab es im Vorfeld zum Comedy-Festival im Alten Amtsgericht eine Vorrunde. Der Wettkampf um die „Mechthild“ ist mittlerweile abgeschafft – mit positiven Auswirkungen auf Qualität und Länge des Festivals. Dennoch weckte der Saisonabschluss am Mittwochabend im restlos ausverkauften Theatersaal nostalgische Erinnerungen.
In Form eines Comedy-Slams traten hier vier vergleichsweise unbekannte Kleinkunsttalente in einem humoristischen Kräftemessen gegeneinander an. Die Moderation übernahm Elias Raatz, der sich mit seinem Unternehmen „Dichterwettstreit deluxe“ auf diese Art von Format spezialisiert hat und damit erstmals in Böblingen gastierte.
Jury-Wertung aus dem Publikum
Raatz brachte das Publikum in Stimmung mit charmanter Moderation und witzig-bösen Kurzgedichten über unglücklich zu Tode kommende Tiere (darunter ein gereimtes Epitaph auf ein Reh mit Nasenweh. Grund: der „ Kuss“ von einem Bus). Anschließend wählte er fünf Personen aus dem Publikum aus, die er spontan zu Jury-Mitgliedern ernannte und sie damit beauftragte, nach jeder Präsentation mit bis zu zehn Fingern eine Wertung abzugeben. Es folgten vier jeweils 20-minütige Auftritte, die jeder für sich ein schönes Beispiel dafür abgaben, über welche enorme Bandbreite, Vielfalt und vor allem Talent die deutschsprachige Kleinkunstszene verfügt.
Den eher undankbaren Anfangspart übernahm Christoph Maul. Der Mittelfranke aus Schillingsfürst im Landkreis Ansbach hatte einige herzhafte Lacher auf seiner Seite: zum Beispiel mit dem Gag über selbstfahrende Autos, die in Franken schlichtweg „Fahrer“ heißen und sich nach dem Dorffest sturzbesoffen mit den Worten „Mein Audo kennt den Weech“ ans Lenkrad setzen. Mit seinem fränkischen Dialekt und trocken-derben Humor kam er bestens an, holte aber doch nur 36 von 50 möglichen Punkten. Ähnlich erging es Marina Sigl. Die studierte Chemikerin aus Stuttgart bediente mit abgelesenen Texten das Genre „Poetry Slam“ auf sprachlich sehr feine, kluge und witzige Weise – was aber offenbar nicht jedem gefiel. Ein „Jury-Mitglied“ vergab nur zwei Punkte.
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Stand-up-Comedian und Musikkabarettist
Schließlich wurde es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Nürnberger Musikkabarettisten Mago Masin und dem Hamburger Stand-up-Comedian Phil Stadelmann. Letzterer überzeugte mit frecher Schnauze und witzigen Anekdoten über seine sächsische Oma. Masin brachte dagegen das Publikum mit seiner gesungenen Liebeserklärung an Frauen mit Bauplatz zum Mitsingen. Mit 44 zu 42 Punkten hatte er am Ende knapp die Nase vorn. Der eigentliche Sieger des Abends aber war das Publikum.