Immer recht freundlich – aber Faisal Kawusi, der in Hessen als Sohn afghanischer Eltern aufgewachsen ist, kann auch austeilen. Foto: Guido Schroeder

Nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,90 Meter ist der Comedian Faisal Kawusi eine imposante Bühnenerscheinung. Am Sonntag, 5. Mai, 19 Uhr, gastiert er mit seiner neuen Show „Anarchie“ in der Liederhalle.

Stuttgart - Wenn schwäbischer Ordnungssinn und afghanische Anarchie aufeinandertreffen, kann das nur gut werden, sagt der Comedian Faisal Kawusi. Am Sonntag, 5. Mai, zeigt der bekennende Spezi-Trinker sein neues Programm in Stuttgart.

Herr Kawusi, Sie sagen, wenn Sie in Afghanistan sind, sind Sie der Deutsche. In Deutschland sind Sie der Türke. Was ist jetzt besser?

Schwierige Frage. Beides ist natürlich irgendwie doof. Ich würde es mal so formulieren: In Afghanistan ist das Deutschsein insofern von Vorteil, da das für viele Frauen ein echtes Heiratsargument ist.

Sie gelten dort als Superpartie?

Absolut. Erschwerend kommt hinzu, dass ich wohlgenährt bin. In Afghanistan kann das nicht jeder Mann von sich behaupten.

Aber Sie sind noch nicht verheiratet?

Nein, bisher hat sich das einfach noch nicht ergeben. Dafür habe ich im Moment auch zu viel um die Ohren.

Ihr Bühnenprogramm heißt „Anarchie“. Damit treten Sie im Hegelsaal der ehrwürdigen Liederhalle auf. Wie passt das zusammen?

Eigentlich gar nicht. Aber Afghanistan und Deutschland passen ja auch nicht zusammen. Insofern stimmt‘s dann schon wieder. Als Künstler spiele ich natürlich mit Kontrasten und mit Fallhöhe. Sagen wir mal so: Wenn schwäbischer Ordnungssinn und afghanische Anarchie aufeinandertreffen, kann das nur gut werden.

Was wissen Sie sonst noch über die Schwaben?

Dass ihr die einzigen Menschen seid, die das Wort „geschwind“ benutzen.

In Groß-Gerau sagt man das nicht?

Nein, aber ich muss zugeben, ich bin kein guter Hessischsprecher. Wenn ich Hessisch spreche, dann bricht das unkontrolliert aus mir heraus.

Jetzt kommen Sie, ein bekennender Bier­hasser, in eine Weingegend. Wie steht’s mit Traubensaft?

Ich bin auch kein Weinfan, dafür bin ich schlichtweg zu unkultiviert. Der einzige Wein, den ich trinke, ist Lambrusco. Mir wird immer wieder gesagt, das sei voll der Fuselwein. Insofern passt der zu mir.

Aber Sie singen das Hohelied auf Spezi.

Absolut, wenn man mir ein Spezi einschenkt, dann bin ich sehr glücklich.

Sie spielen mit Klischees. Welche Klischees fallen Ihnen noch zu den Schwaben ein?

Geizig, Kehrwoche, schaffe, schaffe Häusle bauen. Das Schöne an den Klischees ist ja, dass doch oft was dran ist an ihnen. Und dann weiß ich natürlich, dass ihr Bausparverträge mögt. Das gefällt mir als gelerntem Bankkaufmann sehr gut.

Bei uns würde man sagen: Der Bub hat, bevor er Komiker wurde, was Rechtes gelernt.

Das habe ich. Allerdings habe ich zuerst ein Semester Umweltingenieurwissenschaften studiert. Aber fragen Sie mich bitte nicht, was mich dazu getrieben hat. So ein Studium ist viel zu theoretisch für mich. Die Banklehre war ideal. Man hat viel gelernt und genoss ein gewisses Ansehen. Außerdem habe ich den Kontakt zu den Kunden genossen. Ich bin heute noch dankbar dafür, dass ich das gemacht habe.

Hört sich an, als seien Sie bestens für den Auftritt in Stuttgart vorbereitet.

Ich kenne meine Schwaben. Dafür war ich oft genug hier. Ich bin in der Rosenau aufgetreten, im Theaterhaus, einmal habe ich den Stuttgarter Comedy Clash gewonnen. Aber noch nie war ich im großen Hegelsaal.

In einem Ihrer lustigsten TV-Auftritte sprechen Sie kein Wort.

Meinen Sie die Nummer im Windkanal bei „Luke! Die Woche und ich“?

Genau die.

Das Leichtgewicht Luke hatte gegen mich keine Chance, als uns der Wind mit 200 Sachen ins Gesicht blies. Falls es jemals in Deutschland einen Tornado geben sollte, bin ich der Mann der Stunde. Wer in meinem Windschatten steht, der ist absolut sicher.

Ein schönes Bild. Auch auf der Bühne wirken Sie wie ein Fels, den nichts umwerfen kann.

Der Eindruck stimmt. Das heißt jetzt nicht, dass ich noch nie auf die Schnauze gefallen wäre. Aber mich erschüttert so schnell nichts. Und das hängt nicht nur mit meinem Körpergewicht zusammen.

Wie viel Afghane steckt in Ihnen?

Ich bin heterosexuell. Von daher fällt mir die Antwort auf die Frage schwer. Nein, im Ernst: Ich war ein paarmal in Afghanistan, um meine Verwandtschaft zu besuchen. Aber aufgewachsen bin ich in Deutschland.

In einer afghanischen Familie. Das scheint für Jungs etwas Besonderes zu sein.

Das war Weltklasse. Als Junge wirst du von deiner Mutter komplett umsorgt. Du musst quasi nichts machen. Deshalb kann ich weder kochen noch bügeln. Genau genommen bin ich allein kaum überlebensfähig. Das ist auch der Grund, weshalb viele afghanische Männer afghanische Frauen heiraten wollen. Dann geht das Leben wie bei Mama weiter. Hand aufs Herz: So wärt ihr Jungs aus Deutschland auch gern umsorgt worden.

Absolut. Sie scheinen Service auch anderweitig zu schätzen. Sind Sie deshalb mal auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida“ aufgetreten?

Vermutlich. Nein, ehrlich, das war superschön. Obwohl etliche Passagiere in den ersten Tagen etwas beunruhigt schienen.

Wie das?

Nun, bei so einem großen Orientalen werden manche Leute etwas nervös. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das ein absoluter Glücksfall war. Nicht auszudenken, wenn ich beim Publikum nicht angekommen wäre.

Das wäre dann Künstlerpech gewesen.

Künstlerpech? Was für eine Untertreibung! Das wäre furchtbar gewesen! Wenn was schiefläuft, dann will ich nur weit weg. Aber auf so einem Schiff bist du gefangen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: