Die Kernenergie erlebt eine überraschende Renaissance – doch Deutschland tut gut daran, nicht auf dieses Pferd zu setzen, kommentiert unser Autor.
Kernfusion, Mini-AKW oder zurück zu alten Kraftwerken? Die Gespensterdebatte um die Atomkraft lässt Deutschland nicht los. Wie Wasser auf den Mühlen der Befürworter ist jetzt eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA), die eine weltweite Renaissance der Kernenergie heraufbeschwört.
Eines vorneweg: Über die Frage, ob es ökonomisch sinnvoll ist, bestehende Atomkraftwerke abzuschalten, so wie Deutschland es getan hat, lässt sich streiten. Doch jetzt geht es nicht um die Vergangenheit. Es geht um die Zukunft unserer Energieversorgung – und die liegt nicht in der Kernkraft.
Atomkraftwerke sind unglaublich teuer
Zu viel spricht dagegen. Atomkraftwerke kann man nicht mal eben aus – und dann wieder einschalten. Sie sind nicht ideal als Back-ups in den wenigen Wochen im Jahr, an denen der erneuerbare Strom einmal nicht ganz reicht.
Die Hürden, abgeschaltete Kraftwerke zu reaktivieren, sind groß. Und der Neubau ist ohne ständige Steuerhilfen nicht finanzierbar. Zudem dauert es Jahrzehnte und kostet oft sehr viel mehr als geplant, wie der Blick nach Großbritannien oder Frankreich zeigt.
Statt in der Vergangenheit zu verharren, sollten wir in die Zukunft investieren: Batteriespeicher, Gas- und später Wasserstoffkraftwerke kann man sehr schnell hoch- und runterfahren. Bis 2030 soll die Stromversorgung in Deutschland bereits zu 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen. Dass die Atomkraft bis dahin einen deutlichen zusätzlichen Beitrag leisten könnte, ist stark zu bezweifeln.