Die Well-Brüder, einst bekannt als die Biermösl Blosn, spielen am 30. Juni in Stuttgart auf zum (Volks-)Tanz. Ohne satirische Hintergedanken. Foto: Veranstalter

Michael Well gehört zu den Well-Brüdern, die jahrzehntelang als Biermösl Blosn für feinstes bayrisches Musikkabarett standen. Am 30. Juni bitten sie im Rahmen des Colours-Festivals im Friedrichsbauvarieté zum „Volkstanz mit den Well-Buam“.

Herr Well, Volkstanz mit den Well-Buam – was erwartet uns?

Im Grunde läuft es so ab: Einer tanzt vor, und die Leute tanzen mit. Es beginnt mit Walzer und Polka, und ich zeige dann nach und nach, wie’s geht. Für die Gäste heißt das: Learning by Doing. Eine lustige, gesellige Angelegenheit.

Sie sind also der Vortänzer?

Der Master of Ceremony bin ich! (lacht) Ich bin ja von klein auf da reingewachsen. In der Familie haben wir schon immer Schrammelmusik gemacht. Erst hat mein Bruder vorgetanzt, irgendwann dann ich. So haben wir das nach und nach weitergegeben. Wir waren aber immer schon bemüht, das Ganze aus dieser Brauchtumsecke herauszuholen. Dieser Trachtenzwang hat uns von Anfang an genervt. Wir mussten immer picobello angezogen sein und haben uns gefragt: Warum eigentlich?

Was gefällt Ihnen am Volkstanz?

Er ist wie das Volkslied immer in Bewegung, immer in der Entwicklung. Der große Vorteil ist, jeder kann mittanzen. Und so wie beim Chorgesang Glückshormone ausgeschüttet werden, wenn alle das Gleiche singen, fühlt man sich auch beim gemeinsamen Tanzen wohl. Bei uns im alpenländischen Raum ist das aber leider sehr verstaubt. Die Trachtenvereine haben durchaus ihr Gutes, ich will das gar nicht in Bausch und Bogen verurteilen. Aber oft ist es da wichtiger, dass man richtig angezogen ist.

Erscheinen die Gäste in Trachten?

Jeder, wie er will! Ich zum Beispiel trage keine. Ich hatte mal eine Lederhose, aber die ist mir zu unbequem. Viel wichtiger ist eine gute Schuhsohle. Der Abend ist jedenfalls frei von jeglichem Trachtenzwang! Bei uns tanzen sowohl Trachtler wie auch Punker.

In Stuttgart, beim Volksfest auf dem Cannstatter Wasen etwa, sind witzigerweise bayrische Trachten schwer in Mode. Amüsiert Sie das als Bayer?

Ich schätze, das liegt an diesem gefühlten Verlust von Heimat und Traditionen. Da sucht man sich dann solche Sachen. Es gibt von Herbert Achternbusch einen Film namens „Bierkampf“. Der spielt 1977 auf dem Oktoberfest. Da sieht man so gut wie keine Trachten, da sitzen alle in Jeans und Pullover rum. Weil es einfach absolut nicht angesagt war. Jetzt erleben die Trachten einen Hype, weil sie scheinbar nichts mehr mit Konservatismus und Brauchtumspflege zu tun haben. Die Tracht steht auf einmal für Partystimmung. Aber mir ist es letztlich egal. Ob das jetzt in München oder Stuttgart ist – ich find’s ganz lustig, wenn sich die Leute verkleiden. Wobei es natürlich auch wirklich schöne Dirndl gibt.

Als Biermösl Blosn haben Sie und Ihre Brüder stets auch politische und satirische Lieder gemacht. Geht’s diesmal nur um den Tanz?

An diesem Abend geht es nur um Tanz.

Sie und Ihre Brüder sind alle um die 60 Jahre alt. Tanzt es sich da anders?

Nein! Ich merke das noch nicht. Solange ich hupfen kann, ist’s super! Schön ist, dass sich an solch einem Abend verschiedene Generationen treffen und einen Abend miteinander verbringen. Der gemeinsame Nenner ist die Rumtanzerei. Man kann tanzen, aber man muss nicht. Man kann zuschauen, man kann essen, man kann tratschen. Und hört gute Musik. Live!

Auch auf der Bühne kommen bei Ihnen ja Alt und Jung zusammen.

Ja, gelegentlich spielen auch unsere Kinder mit. Dieser Generationenmix hat bei uns aber schon etwas Normales. So soll es auch fürs Publikum sein. Mir gefällt es, wenn Menschen, die sonst nichts miteinander zu tun haben, so einen Abend zusammen verbringen.

Im Programmtext ist von den „wilden Stammestänzen der Alpenländler“ die Rede, von der Sternpolka bis zum Sautanz. Wie muss man sich den Sautanz vorstellen?

Umgangssprachlich nennt man den auch „Der Schweinerne“! Ein Wechseltanz, den wir bewusst und gern machen, weil man dabei auf andere Menschen trifft. Es sollen nicht immer die gleichen Paare tanzen. Es muss einfach rauschen! Dass man sich da mal auf die Füße steigt, kommt schon vor.

Es heißt, Sie bajuwarisieren fremde Volkstänze. Was heißt das?

Es macht uns Freude, Tänze aus anderen Ländern miteinzubauen. Mal ein Squaredance, mal ein Tanz aus Israel, mal einer aus Russland. Das tut einfach gut. Diese Offenheit und das Interesse an anderen Kulturen sind wichtig. Wenn wir die entsprechenden Lieder in unserer Besetzung und Instrumentierung spielen, klingt das dann aber eben nicht, sagen wir mal: schottisch, sondern bayrisch.

Well-Brüder: 30. Juni, 18 Uhr, Friedrichsbau Varieté, Tickets unter 07 11 / 4 02 07 20, Coulours International Dance Fes­tival: 27. Juni bis 14. Juli.

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