Coaching Souverän im Rampenlicht

Von Harald Czycholl 

Wer souverän auftreten will, kann sich die Hilfe von einem Coach suchen Foto: Giersch/Fotolia
Wer souverän auftreten will, kann sich die Hilfe von einem Coach suchen Foto: Giersch/Fotolia

Es ist jedermanns Sache, öffentlich aufzutreten. Schnell wirkt man verkrampft und verfälscht dadurch seine Wirkung. Mit Hilfe von Kursen kann man lernen, die Außenwirkung zu verändern.

Berlin - Und plötzlich stand Thomas M. mitten in einer Berliner Kirche, den Altar im Rücken, das Kirchenschiff vor sich, und hielt eine kurze Vorstellungsrede. Die Kirchenbänke waren zwar leer – und dennoch: Der ungewöhnliche Raum und der siebenfache Widerhall der eigenen Stimme verfehlten ihre Wirkung nicht. „Die eigene Präsenz wird größer“, beschreibt Thomas M. diese Erfahrung. „Zugleich wird man selbst bescheidener.“

Die ideale Mischung, zumindest für jemanden wie Thomas M.: Der 39-jährige Jurist, der es bei einer großen Unternehmensberatung schon bis zum Direktor gebracht hatte, wollte den nächsten Karriereschritt machen und zum Partner aufsteigen. Doch im Assessment-Center des Unternehmens scheiterte er. „Fehlende Sozialkompetenz“ lautete das Urteil der Auswahlkommission. Thomas M. ließ sich coachen, um die Hürde im zweiten Anlauf dann doch noch zu nehmen.

Es ist nicht jedermanns Sache, öffentlich aufzutreten. Ob bei einem Radio- oder Fernsehinterview, einer Rede oder einem Vortrag vor großem Publikum oder in Prüfungssituationen wie etwa einem Assessment-Center: Schnell wirkt der Auftritt verkrampft – und verfehlt auf diese Weise seine Wirkung. Dieses Problem tritt vor allem dann auf, wenn Menschen, die sonst abseits der Öffentlichkeit ihre Arbeit verrichten, auf einmal im Rampenlicht stehen.

Gründe für die plötzliche öffentliche Aufmerksamkeit kann es viele geben: eine Insolvenz etwa, wenn man für ein bekanntes Unternehmen in verantwortlicher Position arbeitet – man denke nur an die Pleite des Handelskonzerns Arcandor, zu dem unter anderem Karstadt gehörte, im Jahr 2009. Oder einen Gerichtsprozess wie etwa das Steuerstrafverfahren gegen Uli Hoeneß oder den NSU-Prozess, der für ein gewaltiges Medienecho sorgt – und in dem man als Anwalt den berühmten Angeklagten vor Gericht vertreten muss. Doch sich selbst vorteilhaft zu präsentieren lässt sich lernen. Hilfe versprechen spezialisierte Coaches.

Jessica Wahl aus Berlin ist eine von ihnen. Sie ist spezialisiert auf Persönlichkeits-, Medien- und Sprechcoaching und bringt ihre Klienten mit speziellen Übungen zur Innen- und Außenwahrnehmung dazu, sich selbst in einem anderen Licht zu sehen – und auf diese Weise ihren öffentlichen Auftritt vorteilhafter zu gestalten. „Jessica Wahl hat mein Problem sofort erkannt“, sagt Thomas M. „Sie hat mich zielsicher und präzise vorbereitet.“ Dieses Erkennen des zugrunde liegenden Problems ist der Schlüssel zum Erfolg eines jeden Coachings. Denn nur wenn man die Ursache kennt, lässt sich auch eine Lösung erarbeiten – es ist wie beim Arzt, wo schließlich vor jeder Therapie die Diagnose steht.

In Thomas M.s Fall war es sein starkes Ego, das ihm im Weg stand: „Ihm ist es schwergefallen, sich in der Prüfungssituation im Assessment-Center Leuten unterzuordnen, die seiner Meinung nach keinesfalls besser waren als er selbst“, erklärt Wahl. „Daraufhin hat er zugemacht und konnte einfachste Fragen nicht mehr beantworten.“ In den zehn Coaching-Stunden feilte Wahl mit ihm intensiv an seiner Außenwahrnehmung und seiner inneren Haltung. Dabei wurde viel mit der Kamera gearbeitet: Immer wieder musste sich Thomas M. in kurzen Interviews vorstellen, anschließend wurden die Aufnahmen analysiert. Für ihren Klienten sei es wichtig gewesen zu lernen, flexibel auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren, so Wahl. Deshalb auch die Sprechübung in der Kirche. „Er musste lernen, in Beziehung mit den Prüfern zu gehen und sympathisch, professionell und authentisch aufzutreten“, erklärt die Expertin. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Im zweiten Versuch schaffte es Thomas M. – und stieg zum Partner auf.

Eine weitere große Herausforderung sind Reden und Vorträge – besonders, wenn sie mit der berühmt-berüchtigten Powerpoint-Präsentation einhergehen. Hier ist nämlich die Gefahr, sein Publikum zu langweilen, besonders groß. „Ein überzeugender Redner zeichnet sich in erster Linie durch einen beredsamen Geist und eine verständliche Sprache, gepaart mit schlagfertigem Humor und durchdachtem Tiefgang aus“, sagt Monika Matschnig, Persönlichkeitscoach aus Neufahrn bei Freising. „Doch auch das ist wertlos, wenn Wirkung und Ausdrucksweise nicht kongruent mit den präsentierten Inhalten sind.“ Eindrucksvolle Vorbilder für dieses Prinzip sind Politiker und Spitzenführungskräfte: Weder kämpfen sie sich durch eine endlose Folienschlacht, noch machen sie langweilige Lese-Übungen. Vielmehr erzeugen sie Präsenz durch ihr eigenes Wesen, überzeugen durch die eigene Persönlichkeit und vor allem auch durch ihre Körpersprache. Letztere sei besonders wichtig, so Matschnig: „Man glaubt dem Körper mehr als den Worten.“

Deshalb sei es weniger wichtig, was man sage, als wie man es sage. Nur so lässt sich eine gemeinsame Wellenlänge mit dem Gesprächspartner erzeugen – und das wiederum „ist eine unabdingbare Voraussetzung für jeden geschulten Geschäftsmann“, sagt Matschnig. „Ist man sich auf Anhieb sympathisch, entstehen die Good Vibrations schneller, die sich in ähnlichen Körperhaltungen äußern.“ Auch über das Kommunikationsmedium Stimme könne eine gemeinsame Wellenlänge erreicht werden. „Denn die Stimme erzeugt Stimmung“, sagt Matschnig. „Und eine gleiche Stimmlage erzeugt eine gemeinsame Gefühlslage.“

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