Warum schneit es trotz Erderhitzung, haben Überschwemmungen etwas mit der Klimakrise zu tun – und sind wir Menschen tatsächlich daran schuld? Ein Faktencheck.
Stuttgart - Viele Menschen fragen sich, ob es denn nicht normal ist, dass das Klima sich verändert, was CO2 damit zu tun hat und wie ihr persönliches Erleben des Wetters und die Aussagen der Forschenden zusammenpassen. Und wie sicher sind die sich überhaupt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Ist es nicht normal, dass das Klima sich verändert – und kann der Mensch darauf wirklich Einfluss nehmen?
In der Vergangenheit hat sich die Erde immer wieder erhitzt oder abgekühlt, sodass beispielsweise eine Eiszeit ausgelöst wurde. „Frühere globale Temperaturänderungen lassen sich aus Änderungen der Erdbahnparameter, Meteoriteneinschlägen oder Vulkanausbrüchen erklären“, sagt der Klimaanalyst Florian Imbery vom Deutschen Wetterdienst (DWD).
Der hauptsächliche Antrieb der aktuellen Erderhitzung ist die Menschheit – da ist die Wissenschaft sich sicher. Der Weltklimarat (IPCC) schreibt in seiner neuesten Zusammenfassung: „Es ist eindeutig, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und das Land erwärmt hat.“ Zur Begründung ergänzt er in seinen Antworten auf häufige Fragen unter anderem: „Sowohl das globale Ausmaß als auch die Geschwindigkeit der jüngsten Erwärmung sind ungewöhnlich.“
Gibt es denn Belege dafür, dass das CO2 in der Luft maßgeblich zum Temperaturanstieg beiträgt?
Ja. Der Treibhauseffekt ist schon lange bekannt: Wenn Sonnenstrahlen auf die Erde treffen, erwärmt sich die Erdoberfläche. Ein Teil dieser Wärme wird von der Erdoberfläche wieder ins Weltall abgestrahlt. Die Treibhausgase in der Atmosphäre – Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Methan und Lachgas – absorbieren einen Teil dieser Wärmestrahlung. Je mehr Teilchen dieser Gase in der Atmosphäre sind, desto weniger Wärme kann ins Weltall gelangen. Folglich heizt sich die untere Atmosphäre auf.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Erderhitzung – eine Krise, kein Wandel (Kommentar)
Von Kohlendioxid, Methan und Lachgas befinden sich inzwischen deutlich mehr Teilchen in der Atmosphäre als früher. 2019 war die Konzentration von CO2 laut dem Weltklimarat auf dem höchsten Stand seit zwei Millionen Jahren. „Dieser Anstieg ist primär durch die Emissionen aus fossilen Brennstoffen und sekundär durch Emissionen aufgrund von Landnutzungsänderungen wie der Verringerung der Flächen von Regenwäldern und der Zunahme intensiver Landwirtschaft verursacht“, erklärt Imbery.
Wie kann es sein, dass die Erde sich erhitzen soll, aber es bei uns im Winter trotzdem viel geschneit und im Sommer viel geregnet hat?
Das Wetter ist etwas anderes als das Klima. „Wetter ist der physikalische Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort in einem Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem kurzen Zeitraum von Stunden bis hin zu wenigen Tagen“, erklärt das Umweltbundesamt auf seiner Webseite. Das Klima ergibt sich aus dem Durchschnitt der Wetterdaten über einen langen Zeitraum.
Erderhitzung bedeutet also nicht, dass das Wetter zu einer bestimmten Zeit im Jahr immer wärmer und trockener ist als zur selben Jahreszeit in früheren Jahren, sondern dass der Durchschnitt mit der Zeit ansteigt. Diese „natürliche Klimavariabilität“, wie Imbery vom DWD sie nennt, kann „auch in Zukunft zum Beispiel sehr nasse Sommer oder sehr kalte Winter verursachen“.
Lassen sich Extremwetterereignisse überhaupt auf die Erderhitzung zurückführen?
Bedingt. Imbery erklärt: Trockene und heiße Jahre habe es schon früher gegeben – doch eine Folge von trockenen Jahren wie zwischen 2018 und 2020 sei beispielsweise neu. „Bei thermischen Ereignissen wie Hitzewellen ist der Zusammenhang mit dem anthropogenen Klimawandel eindeutig herleitbar. Da gibt es überhaupt keine Fragen“, schlussfolgert Imbery.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Feuer, Dürren, Temperaturrekorde – wo Hitze und Brände Leben fordern
Schwieriger sei es beim Niederschlag, da hier die Unterschiede von Jahr zu Jahr größer seien. „Wir tun uns deshalb schwer zu sagen, dass wir heute schon einen klaren Zusammenhang mit dem Klimawandel sehen.“ Festhalten kann man: In der Tendenz gibt es aufgrund der Erderhitzung immer häufiger Ereignisse wie Starkregen.
Können vereinfachte Klimamodelle überhaupt die komplexen klimatischen Prozesse abbilden?
„Tatsächlich ist das Klima sehr komplex“, bestätigt Friedemann Call von der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle. Einfache Weiterrechnungen in die Zukunft, sogenannte Extrapolationen, können es daher nicht abbilden – deshalb sind die Forschenden auf Klimamodelle angewiesen.
Diese haben die vergangene Entwicklung des Klimas weitestgehend so vorhergesagt, wie sie auch eingetroffen ist, schreibt der Weltklimarat in seinen Antworten auf häufige Fragen. Call erklärt, die reine Erwärmung durch den Treibhauseffekt sei „relativ trivial“ und könne schon seit Ende des 19. Jahrhunderts „ziemlich gut berechnet“ werden. Seither werden die Modelle immer besser. Es ist also davon auszugehen, dass sie die Realität recht gut abbilden.
Werden auch Forschende mit anderen als der vorherrschenden Meinung gehört – vom Weltklimarat zum Beispiel?
Der Weltklimarat forscht nicht selbst, sondern sichtet die Ergebnisse von Studien weltweit. Diese können sich mitunter widersprechen, daher gibt der IPCC immer an, wie sicher er sich bei einer Aussage ist. Der fertige Bericht durchläuft einen Begutachtungsprozess, an dem alle Forschenden sich beteiligen können.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Fachverlage veröffentlichen eindringlichen Klima-Appell
„Ich vermute, die Frage zielt darauf ab, dass es doch sicherlich viele Forschende gibt, die den Klimawandel oder zumindest die Auswirkungen des Menschen auf das Klima in Frage stellen und genau diese dürfen nicht beim IPCC mitmachen“, ergänzt Call. „Hierzu kann ich nur festhalten, dass es eben diese Forschenden nicht gibt.“ Er begründet das mit mehreren Studien: Zum Beispiel eine, nach der 99,94 Prozent von ihnen den menschengemachten Klimawandel bejahen.
Deutsche Emissionen
Anteil
Der Anteil Deutschlands an den globalen CO2-Emissionen beträgt etwa zwei Prozent. Da die deutsche Bevölkerung allerdings nur ein Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, sind die Deutschen pro Kopf für überdurchschnittlich viele Emissionen verantwortlich. Weltweit ist Deutschland auf Platz 7 der größten Emittenten, in der EU mit Abstand auf Platz 1.
Rechnung
Nicht einberechnet in die zwei Prozent sind die Emissionen, die die Deutschen mit ihrem Lebensstil in anderen Ländern verursachen. Wenn Produkte anderswo produziert werden, die die Deutschen kaufen, werden die in der Produktion entstandenen Emissionen dennoch dem Herkunftsland zugerechnet.