Erich Zeller aus Neckargemünd präsentiert auf der CMT seinen Fahrrad-Wohnwagen – nicht viel größer als das Rad selbst. Foto: I:Woody

Zwischen Luxus-Campern auf der CMT in Stuttgart fällt er auf: ein Wohnwagen fürs Fahrrad. Erich Zeller erklärt, wie sein Mini-Anhänger das Camping neu denkt.

Glänzende Wohnmobile, ausfahrbare Terrassen, Betten in Kingsize-Größe: Die Tourmismus-Messe CMT in Stuttgart steht für Urlaub im XXL-Format. Doch mitten im Luxus der rollenden Ferienwohnungen findet sich ein Gegenentwurf – kaum größer als ein Fahrrad. Zwischen Campervans und Expeditionsmobilen fällt der Radanhänger „I Woody“ von Erich Zeller auf. Ein kleines Gefährt auf zwei Rädern, das gerade so viel Platz für einen Schlafplatz bietet.

 

„Eigentlich wollte ich mir ein Tiny House bauen“, sagt der 64-Jährige aus Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis). Der Wunsch, spontan an besonderen Orten zu übernachten, habe ihn angetrieben.

Der Anhänger von innen. Foto: I:Woody

„Mit den in Deutschland gültigen Verordnungen ist das aber gar nicht so einfach umzusetzen.“ Der Radanhänger sei schließlich der Kompromiss gewesen. Ganz ohne rechtliche Unsicherheiten geht es allerdings auch hier nicht. „Der Anhänger bewegt sich schon in einer Grauzone“, räumt Zeller ein. Probleme habe es bislang dennoch keine gegeben. „In der Praxis hat sich noch nie jemand daran gestört.“

82 Kilogramm bringt der Anhänger auf die Waage – leicht für ein mobiles Schlafgefährt, schwer allerdings fürs Ziehen. „Ich empfehle das nur mit einem E-Bike“, sagt Zeller. Ohne elektrische Unterstützung hätten selbst „junge und fitte Leute“ ihre Mühe. Für lange Strecken sei der „I Woody“ ohnehin nicht gedacht. „Kilometerweit über die Autobahn – darum geht es überhaupt nicht“, betont Zeller. Rund 50 Kilometer Reichweite seien realistisch. „Das ist Teil des Konzepts. Es geht langsam und gemütlich zu.“

Diese Entschleunigung habe für ihn sogar etwas „Philosophisches“, sagt Zeller. Man brauche unterwegs nicht viel – und auch keine großen Distanzen, findet er. Warum also nicht einfach mit dem Zelt reisen? „Das habe ich jahrelang gemacht“, erzählt er. „Ständig ist alles nass, alles muss neu aufgebaut werden – genau dieses Gedöns wollte ich verhindern.“ Ein weiterer Vorteil des Anhängers: Bei überraschendem Regen könne man sich schnell hineinsetzen und sei sofort geschützt. „Da kann man sich dann einfach erstmal einen Tee machen“, sagt er.

Schnell geht es mit dem Anhänger nicht voran, eher gemütlich, so Zeller. Foto: I:Woody

Seit 2022 bietet Zeller seine Radanhänger auch gewerblich an. Gerade während der Corona-Zeit sei das Interesse groß gewesen, berichtet er. Im Angebot hat er Gruppenreisen ebenso wie Mitfahr- und Leasingmodelle. Der ganz große Durchbruch blieb bislang jedoch aus. „Ich habe nach wie vor eine Festanstellung“, sagt Zeller offen. Bereut habe er das Projekt dennoch nicht. „Das war vor allem eine Herzensgeschichte“, sagt er – und meint damit wohl mehr als nur einen Anhänger auf zwei Rädern.