Beim German Day auf der CMT, die noch bis Sonntag Besucher anzieht, geht es um Nachhaltigkeitskonzepte, Bürgerbeteiligung und ausgefallene Ideen. Foto: Lg/Max Kovalenko

Der Grünen-Politiker Markus Tressel fordert von der Bundesregierung ein klares Bekenntnis zu den Regionen. Derweil ist Nachhaltigkeit im Trend.

Stuttgart - Nachhaltigkeit, Digitalisierung und eine bessere Vermarktung – es sind einige Themen, die die Tourismusbranche in Deutschland umtreiben. Antworten darauf gab es beim Destination Germany Day auf der CMT, der von der Fachzeitschrift fvw zusammen mit der Messe Stuttgart und der Tourismus Marketing Stuttgart GmbH organisiert wird. Wichtige Weichenstellungen für den Tourismus werden auch in der Politik gestellt. Die hält sich laut Markus Tressel, Vorsitzender der Saarland-Grünen und Mitglied im Tourismusausschuss des Bundestags, aber erstaunlich zurück. „Der Branche kommt politisch nicht die Bedeutung zu, die ihr zusteht“, sagte Tressel.

Mit klugen Ideen kommt man weiter

Für ihn ist Tourismuspolitik auch Regionalförderung und hänge stark mit der Wirtschaftsförderung zusammen. Deshalb müssen auch andere Politikressorts „stärker durch die tourismuspolitische Brille betrachtet werden“. Das Thema Tourismus sei etwa durch die Klima-Debatte jetzt stärker in den Fokus gerückt. „Neoökologie und Nachhaltigkeit liegen im Trend“, sagte Tressel. Von der Bundesregierung fordert er ein klares Bekenntnis zu den Regionen, von den Touristikern wiederum eine stärkere Bündelung der Kräfte.

Soweit die Theorie. Doch wie gehen die Destinationen vor Ort mit den Herausforderungen um? Bei konkreten Beispielen kristallisieren sich vor allem zwei Lösungswege heraus – gemeinsam geht alles besser, und auch kleine Destinationen können mit klugen Ideen etwas erreichen. Für ein erfolgreiches Miteinander steht der Bundesverband Deutscher Mittelgebirge. „Wir stehen für den Mythos Wald und damit per se für Nachhaltigkeit“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes Michael Braun. Es gehe längst nicht mehr darum, sich in Übernachtungszahlen zu übertrumpfen, sondern voneinander zu partizipieren. „Wir entwickeln quasi Ideen und geben sie an alle Mitglieder weiter.“

Bei den nachhaltig zertifizierten Kurorten Bad Dürrheim und Bad Herrenalb steht vor allem die Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt. „Es ist wichtig, den Leuten zu vermitteln, dass wir auch was für die Menschen vor Ort tun“, sagt Markus Spettel, Geschäftsführer der Kur- und Bädergesellschaft Bad Dürrheim. Auf diesen Ansatz setzte auch Bad Herrenalb, 2017 Ausrichter der Landesgartenschau. Neben einer barrierefreien Innenstadt und der Einrichtung mehrerer E-Ladestationen darf sich die 8000-Einwohner-Gemeinde jetzt auch Fairtrade-Stadt nennen. „Und die meisten Bürgerprojekte laufen weiter“, sagt Sabine Zenker, Stadtkämmerin und Leiterin Tourismus.

Hameln zieht Musicveranstalter an

Gute Ideen braucht man auch bei der Vermarktung. So hat sich die Stadt Hameln inzwischen zu einer erfolgreichen Destination als Musicalveranstalter entwickelt. „Wir wollten neben dem Rattenfänger was Neues bieten“, sagt Harald Wegner, Geschäftsführer von Hameln Marketing und Tourismus. Parallel zum Weihnachtsmarkt findet deshalb immer ein Musical statt und wurde im Fall von Medicus auch noch mit einer Ausstellung im Museum aufgegriffen. Das habe zu einem enormen Imagegewinn sowie einer Belebung der Gastronomie, der Hotels und des Handels geführt.

Ein Beispiel, wie ein regionales Entwicklungskonzept integrativ und interaktiv gedacht werden kann, zeigt ein Blick über die Grenze. In Ostbelgien, einer kleinen Region zwischen Eifel und Ardennen, ist es gelungen, ein regionales Entwicklungskonzept mit kommunaler Bürgerbeteiligung zu verbinden. „Davor war der Bekanntheitsgrad gleich null – jetzt haben wir mit Ostbelgien eine Marke entwickelt“, sagt Norbert Heukemes, Generalsekretär vom Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Für jede Wahlperiode hat man sich eine Anzahl von Zielen auf die Agenda gesetzt, die konsequent abgearbeitet wurden. „Das hat funktioniert, weil es zum Regierungsprogramm geworden ist“, sagt Heukemes. Natürlich sei man eine überschaubare Region mit neun Gemeinden und gerade mal 77 000 Einwohnern. „Da ist natürlich nicht alles übertragbar“, sagt Heukemes. Aber auch Markus Tressel dürfte der Ansatz gefallen.

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