Die Auswahl an Urlaubsreisen und Kurztrips ist auf der CMT sehr groß. Die Besucherinnen und Besucher sind zahlreich auf der Suche. Foto: Frank Rodenhausen

Die CMT ist der Spiegel der Urlaubsträume: Während manche Ehepaare Zehntausende Euro für Fernreisen ausgeben, sparen andere Münze für Münze für den nächsten Trip.

Dem Alltag entfliehen, einfach mal abschalten und wenn möglich dabei noch etwas von der Welt sehen: Die Besucherinnen und Besucher der CMT haben eine klare Vorstellung von ihrem Urlaub und den Auszeiten, die sie sich im Alltag nehmen wollen. Und dabei spielt das Geld in den meisten Fällen nur eine untergeordnete Rolle.

 

Renate (63) und Herbert (68) sind in die Messehallen gekommen, um sich Ideen für die nächste große Reise zu holen. Nachdem ihre beiden Kinder erwachsen sind und ihr eigenes Leben führen, möchte das Ehepaar aus Stuttgart die Welt bereisen und fremde Kulturen kennenlernen. Vergangenes Jahr waren sie in Japan. „Es waren einfach unvergessliche drei Wochen“, sagt der pensionierte ehemalige Bosch-Mitarbeiter. Die Rundreise hat die beiden rund 15.000 Euro gekostet. „Aber das gönnen wir uns“, sagt Renate freudestrahlend.

Marco Grünler von Diamir Reisen ist gerne in Stuttgart: „Das ist ein sicherer Hafen.“ Geld spiele hier in der Regel keine Rolle. Menschen wie Renate und Herbert gebe es auf der CMT viele. „Es wird in Stuttgart nicht als erstes auf den Preis geachtet.“ Japan sei aktuell der Renner und zudem auch die teuerste Reise. Pro Person müsse man für eine dreiwöchige Rundreise etwa 6000 bis 9000 Euro rechnen – Flug inklusive. Teurer geht natürlich immer. Bei Albert Voigts von Schütz vom Unternehmen Leaflove Safari geht es erst bei 7000 Euro pro Person los, wenn es nach Namibia gehen soll. Die Menschen, die an seinen Stand kommen, hätten natürlich alle Lust zu verreisen – und in diesem Jahr anscheinend auch das notwendige Kleingeld auf dem Konto. „Vergangenes Jahr hatte ich noch viele Anfragen zu Dachzelt-Safari-Touren, weil die eben recht günstig sind“, sagt von Schütz. Derzeit führe er vor allem mit Leuten Gespräche, die viel Geld zur Verfügung haben.

Dazu gehören auch Daniel (57) und seine Frau Marie (42). Nach dem Schlaganfall von Daniel vor fünf Jahren achtet er mehr auf die Work-Life-Balance. „Wenn man merkt, dass es auch von heute auf morgen vorbei sein kann, stellt man fest, dass Geld nicht alles im Leben ist“, sagt der Unternehmer. Drei Mal im Jahr würden er und seine Frau jeweils zwischen einer und drei Wochen in den Urlaub gehen. Zuletzt waren sie eine Woche Skifahren in St. Moritz. Die Kosten: über 5000 Euro – ohne Verpflegung. „Wir wollen uns da schon auch entspannen, gönnen uns Wellness-Behandlungen und gutes Essen“, sagt Marie.

Camping ist für viele noch bezahlbar

Wenn Karl (62) diese Zahlen hört, wird ihm ganz schwummrig: „Wenn so etwas möglich ist, kann es uns in Deutschland ja nicht so schlecht gehen.“ Er selbst kann sich keine Fernreisen leisten. „Alles wird teurer. Da muss man schon schauen, wo das Geld für den Urlaub herkommt.“ Der Sachbearbeiter verdient rund 3700 Euro brutto im Monat. Mit Sparen sei es nicht so einfach. Deshalb lege er das Weihnachtsgeld auf die hohe Kante, um sich davon seine Auszeiten vom Alltag zu gönnen.

Gemeinsam mit seiner Frau gehe es im Sommer meist mit dem Auto nach Italien oder Frankreich – in ein Mobilheim auf einen Campingplatz. Das sei mach- und bezahlbar, wenn es in der Zeit außerhalb der Schulferien passiere. In der Regel bleibt Karl aber in der Region. Er wandert gerne. „Und die Natur ist umsonst.“ Das kann man am Stand des Schwäbischen Waldes nur bestätigen. Die Mühlentouren seien sehr stark nachgefragt, heißt es hier. Unter anderem gebe es eine spannende Abenteuertour für die gesamte Familie.

Die CMT ist für viele Reiselustige ein Pflichttermin im Januar. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Wandern und spazieren? Das ist nichts für Sandra (38) und Michael (41). Sonne, Strand und Abschalten: Das wünschen sie sich von einem gelungenen Urlaub. Gerne würden sie die Welt bereisen, doch das Geld ist knapp. Sie hoffen auf der CMT auf Schnäppchen. Und die kann es unter anderem am Stand der Lufthansa geben. Lange Schlangen bilden sich dort. Sieben Tage Dubai, inklusive Flug werden hier ab 780 Euro pro Person angeboten.

Eine fünftägige Flusskreuzfahrt auf der Donau gibt es sogar schon ab 328 Euro pro Person. Das weckt das Interesse des Pärchens aus Stuttgart. „Wir haben eine Urlaubskasse, die immer am Ende der Woche mit den Münzen aus dem Geldbeutel gefüllt wird“, sagt Sandra. Zudem würde das Geld von der Rückgabe des Leergutes dort hinein geworfen. Derzeit befinden sich 465 Euro in der Kasse. „Wir sind heute losgezogen, um die Vorfreude auf eine Auszeit größer werden zu lassen“, sagt Michael.

Auch mit dem Schiff wird gerne verreist. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Ob es am Ende eine mehrtägige Reise ins Ausland wird oder ein Eintages-Erlebnis in der Region bleibt, ist abzuwarten. Denn auch die Angebote der Stuttgart Marketing GmbH haben das Interesse von Sandra und Michael geweckt. Bis zu 30 Prozent Rabatt auf ein Musical? Das wollten sie sich noch einmal genauer anschauen. Und auch eine Auszeit in der Therme in Waldbronn war eine Option, nachdem auf der CMT ordentlich die Werbetrommel für den 2300 Quadratmeter großen Saunapark gerührt wurde. „Man findet auf jeden Fall etwas – egal, wie voll der Geldbeutel ist“, sagt Sandra selbstbewusst.

Rund 67 Prozent der Deutschen fahren dieses Jahr in den Urlaub

Trotz unsicherer Wirtschaftslage möchten die wenigsten Deutschen auf Urlaub verzichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). Rund 67 Prozent der Bevölkerung planen für 2026 eine oder mehrere Urlaubsreisen. An der Befragung nahmen im November gut 2700 Menschen teil.

Nach vorläufigen Schätzungen der Forscher haben die Deutschen vergangenes Jahr ungefähr 69 Millionen Urlaubsreisen mit mindestens fünf Tagen Dauer gemacht. Die Zahl der Kurzurlaubsreisen (Dauer: zwei bis vier Tage) lag bei rund 98 Millionen. Beide Werte liegen leicht über dem des Vorjahres. Für das laufende Jahr rechnen die Forscher mit „Stabilität auf hohem Niveau“.