Foto: Lichtgut

Clueso ist in der der Stuttgarter Porsche-Arena aufgetreten. Gefällt mit neuem Album, altem Haarschnitt und viel Energie.

Dienstagabend, Porsche-Arena: Plötzlich steht er auf der Bühne, der schmächtige Erfurter im Kapuzenpulli, der Jahre lang verschwunden war. Greift sich das Mikro und spielt den Song „Pack meine Sachen“. Clueso ist musikalisch umgezogen, hat sich entwickelt, sich woanders wiedergefunden. Aber alles Entscheidende hat er mitgenommen, einschließlich seiner Fans.

Die Wiedersehensfreude ist groß. Das merkt man spätestens beim vierten Song: „Chicago“ war 2006 ein Hit. Hunderte Handykameras schnellen in die Höhe, ein Mädchen wird ohnmächtig und das Publikum kommt Bewegung. Auch bei „Gewinner“, „Keinen Zentimeter“ und „Barfuss“ kann jede und jeder mitsingen. „Ja, das muss alles raus“, ruft Clueso den johlenden Fans zu, und weiß: Jetzt hat er sie.

Der richtige Zeitpunkt also, um auch seine neuen Songs auf die Bühne zu bringen. „Freidrehen“ zum Beispiel, ein mit Synthesizern unterlegter Gute-Laune-Popsong, oder auch „Beinahe“, die rockig-wütende Anklage an eine kaltherzige Geliebte. Dazu springt Clueso zwischen seinem Gitarristen und seinem Schlagzeuger hin und her, übt sich in Rockstarposen, während das Bühnenbild hinter ihm förmlich explodiert.

Die Songs des neuen Albums „Stadtrandlichter“ sind melodisch-eingängig und vielleicht einen Tick zu melancholisch. Textlich reichen sie jedenfalls kaum an das heran, was Clueso noch vor ein paar Jahren produziert hat. Mitte der 90er Jahre hatte Clueso angefangen Musik zu machen und Texte zu schreiben, die - zumindest für seine Generation - irgendwie nach Wahrheit klangen. Manchmal unfertig waren, sich mit Kleinigkeiten zufrieden gaben, aber immer Tiefgang hatten. Heute klingt Clueso eher nach Tagebucheintrag, wenn er in „Alles leuchtet“ davon singt, wie wichtig es ist, auf das Bauchgefühl zu hören. Auch „Sein Song“, im Original gesungen mit Udo Lindenberg, gehört in diese Kategorie. Deutsch-Pop, schnörkellos.

Dabei hat Clueso doch ursprünglich mit Hip-Hop angefangen. Sein Debüt „Text und Ton“ von 2001 ist eine Versuchsanordnung zwischen Rap und Reggae. Die Songs darauf dürfen auch heute Abend nicht fehlen. Dafür holt Clueso zwei alte Weggefährten auf die Bühne: Dirt M und MC Steer haben schon an Cluesos ersten Aufnahmen mitgewirkt. Sogar zu einer Breakdance-Einlage lässt er sich hinreisen.

Bei dieser Art von Performance, so könnte man meinen, geht einem nach spätestens zwei Stunden die Puste aus. Clueso und seine Band verabschieden sich zwar, spielen dann aber einfach weiter. Sechs Zugaben, jede einzelne mit einer solchen Hingabe, dass man merkt: Clueso ist angekommen. Er möchte weiter Musik machen, selbstbestimmt arbeiten, alles mitnehmen und neu anfangen. „Stadtrandlichter“ ist dafür ein solider Ausgangspunkt .

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