Über die Konzerte hat Milo Tadic den Club Manufaktur kennengelernt. Sabine Reichle hat ihn als Nachfolger gewonnen. Foto: Gottfried Stoppel

Nach zwölf Jahren hat Sabine Reichle den Vorsitz der Schorndorfer Manufaktur abgegeben, ihr Nachfolger ist Milo Tadic aus Stuttgart. Auch unter seiner Regie soll die Manu weiterhin für ihr erstklassiges Konzertangebot stehen. Gleichzeitig soll der soziokulturelle Charakter gestärkt werden.

Schorndorf - Jahrelang hat es Milo Tadic gefallen, den Schorndorfer Club Manufaktur als anonymer Konzertgänger zu besuchen. Regelmäßig, seit er vor etwa 20 Jahren während des Studiums nach Stuttgart gezogen ist. Weil er es toll fand, was für hochkarätige Bands der kleine Laden in der Provinz auf die Bühne brachte, weil das Programm genau seinen Geschmack – Musik aus dem Indiebereich – getroffen hat und weil er manchmal nur staunen konnte angesichts der Künstlervielfalt.

Die Konzerte genießt Milo Tadic immer noch, mit der Anonymität ist es allerdings vorbei: Seit Mitte Mai ist der 45-Jährige der neue Vorsitzende des Vereins Club Manufaktur. Und ein wenig wundert er sich immer noch, wie es dazu kommen konnte. „Eigentlich war ich nie ein Vereinsmaier“, sagt der Familienvater und lacht. Den Einstieg hat er über die Mitarbeit beim 50-Jahr-Jubiläum im vergangenen Jahr gefunden. Damals fiel er der damaligen Vorsitzenden Sabine Reichle auf.

Es gab viele Gespräche sowie Zeit zum Nachdenken und Ausloten, „denn für dieses Amt braucht es ein gehöriges Maß an Leidenschaft für die Idee eines Kulturzentrums“, sagt Sabine Reichle, die ihr Amt nach zwölf Jahren abgegeben hat.

Finanzen der Manufaktur sind stabil, Kneipe wird erfolgreich selbst betrieben

Sie hat den Vorsitz in einer Zeit der Grabenkämpfe übernommen, aus einem ziemlich spontanen Impuls heraus. „Das war ein Sprung in eiskaltes Wasser“, erinnert sie sich. Aber die mittlerweile 53-Jährige hat sich mehr als freigeschwommen. Während ihrer Amtszeit wurde das Kulturzentrum bei einigen großen Themen auf Kurs gebracht: Die Finanzen stehen mittlerweile auf stabilen Füßen, der Kneipenbetrieb wurde wieder erfolgreich vom Verein übernommen. Die verschiedenen Lager haben sich aufeinander zubewegt, auch wenn es spannend bleibt, in diesem Haus mit seiner besonderen Vergangenheit alle unter einen Hut zu bringen: So gilt es etwa, das ambitionierte Konzertprogramm mit den Projekten und Wünsche der Ehrenamtlichen zu vereinen.

Und sie hat nebenbei gezeigt, dass auch eine Frau mit Job und Kind durchaus in der Lage sein kann, ein solches Amt zu führen. „Da gab’s damals schon welche, die gefragt haben, ob das Mädle so etwas kann“, sagt die freie Journalistin. Nun also übernimmt wieder ein Mann das Ruder – allerdings einer aus Stuttgart.

Das K3 soll eine Spielwiese für die Mitglieder der Manufaktur sein

„Das war tatsächlich ein Thema“, sagt Milo Tadic. Er kann zwar anders als Sabine Reichle nicht mal kurz zur Manufaktur radeln – „aber ich habe mir schon vorgenommen, mindestens ein- bis zweimal in der Woche hier zu sein.“ Und sonst müsse es eben mit dem Laptop von daheim aus gehen, so wie in einem modernen Betrieb. „Natürlich ist das Haus verankert in Schorndorf. Aber es ist absurd zu meinen, dass die Vereinsarbeit nur von einem Schorndorfer gemacht werden kann“, sagt Sabine Reichle.

Eines ihrer letzten Projekte, an das der neue Vorstand um Milo Tadic anknüpfen möchte, ist das K3. Dahinter verbirgt sich ein bisher etwas vernachlässigter Raum neben dem Kino, der von den Ehrenamtlichen aufwendig renoviert wurde – und nun vor allem den mehr als 300 Vereinsmitgliedern zur Verfügung stehen soll. Und allen sonst, die einen Raum benötigen. Auf der Liste stehen schon eine Weinprobe, ein Lieblingsplattenabend oder ein Künstlerauftritt auf der kleinen Bühne. „Das soll so etwas wie eine Spielwiese für die Mitglieder sein, ein erweitertes Wohnzimmer“, sagt Sabine Reichle. Damit soll an die Tradition der Manufaktur als soziokulturelles Zentrum angeknüpft werden: Jedem soll es möglich sein, Kultur anzubieten oder niedrigschwellig und kostenfrei an Kultur teilzunehmen.

Diesen Wesenszug der Manufaktur, ihre Offenheit und Vielfalt möchte Milo Tadic angesichts von Hass und Hetze populistischer Rechter noch mehr nach außen tragen: „Ich möchte, dass wir ­zusammen mit anderen Akteuren in der Stadt Haltung zeigen“, sagt Tadic, der als Selbstständiger Jugend- und Mitarbei­teraustauschprogramme organisiert. Auf dem Status als links geprägtem Haus wollen sich die Macher nicht ausruhen. Lieber soll die Manu Gegenentwürfe präsentieren, „aber nicht von oben herab und besserwisserisch“.

Die künstlerische Freiheit des Club Manufaktur soll verteidigt werden

Das sind dicke Bretter, die Milo Tadic bohren möchte. Weil er das weiß, hat er in den ersten Wochen nach seiner Wahl erst einmal mit möglichst vielen Akteuren in der und um die Manufaktur das Gespräch gesucht. Und mit kleinen Änderungen versucht, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie das Haus tickt. Das Kinderkino wird es von Oktober an geben, und in der Kneipe gibt es ebenfalls von Oktober an Weine von zwei Bioweingütern aus dem Remstal.

Und die Konzerte? Die soll es weiter geben, „und das wird eine Herausforderung vor den politischen Hintergründen.“ Milo Tadic hofft, dass die Manufaktur weiterhin eine Spürnase für herausragende Bands sein darf. „Diese künstlerische Freiheit müssen wir unbedingt verteidigen.“

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