Cloud Nr. 7 in Stuttgart Luxus-Tower auf der Zielgeraden

Von Martin Haar 

Das Cloud Nr. 7 in Stuttgart ist so gut wie ausverkauft. Auch VfB-Präsident Wolfgang Dietrich gehört zu dem erlauchten Kreis der Käufer.

Stuttgart - Über den Wolken soll die Freiheit ja grenzenlos sein. Und ganz gleich, wo man Platz nimmt: Auf der Wolke sieben unseres Sprachgebrauchs oder der „Cloud 9“ der Angelsachsen – oben ist schön. Mit dieser Schönheit („Steige über der Stadt ab und schlaf’ zwischen den Wolken“) machen die Entwickler des 83 Millionen Euro teuren Hochhauses am Einkaufscenter Milaneo richtig Geld. Das so genannte Wohn-, Hotel- und Appartement-Projekt „Cloud Nr. 7“ hatte bis zuletzt den Immobilien-Höchstpreis-Rekord inne. Der Quadratmeter kostet dort zwischen 8500 und 14 000 Euro. Damit ist das 500 m² große Penthouse in der obersten, der 18. Etage des Towers, Gold wert. In Euro umgerechnet: astronomische sieben Millionen. Dafür dürfte die Sicht auf der Rundum-Terrasse (140 Quadratmeter) dieser Wohneinheit in alle vier Himmelsrichtungen einer der besten in der Stadt sein.

Im September soll das Hotel eröffnen

Noch ist der Innenausbau dieses Penthouses – wie die anderen Räume des Gebäudes – unfertig. Aber die Fertigstellung ist eine Frage von wenigen Wochen. Schon bald werden die zuständigen Ämter ihre Abnahmen bezüglich der Gebäudesicherheit machen – und dann geht’s los. „Danach werden die Einheiten Stück für Stück einzeln abgenommen“, sagt Philipp Deutsch, Chef der Cloud Nr. 7 Apartments GmbH, „es wird daher keinen einheitlichen Eröffnungstermin geben.“ Eher einen inoffiziellen. Denn das Steigenberger-Hotel mit seinen 166 Zimmern und Suiten, das vom ersten bis zum siebten Geschoss Raum nimmt, will am 1. September eröffnen. Cloud Nr. 7 ist nach knapp vier Jahren Bauzeit auf der Zielgeraden.

Bis auf eine Wohnung sind alle der 19 Eigentumswohnungen und das Penthouse weg. Angeblich hat sich – bis auf drei Chinesen - ein Großteil des mittelständischen Unternehmertums im Land in das Hochhaus eingekauft. Viele hätten ihre Villen verkauft, um in den Stadttower zu ziehen. Dass es diese Menschen, unter anderem auch VfB-Präsident Wolfgang Dietrich, ins Europaviertel zieht, hat laut Philipp Deutsch viele Gründe. Zentralität sei einer der wichtigsten. Aber schon jetzt zeige sich, was an diesem Flecken der Stadt heranwächst, wenn auch das Gleisfeld des Hauptbahnhofes begrünt sei: viel Aussicht auf Natur. Der Panorama-Blick reicht von Weinbergen über die grüne Lunge des Pragfriedhofs, das Remstal und eben das Gleisfeld. Ein amerikanischer Interessent soll beim Blick auf den Friedhof ganz entzückt gewesen sein: „Oh“, frohlockte der Mann, „das ist wie der Central Park. Und was ist denn das für ein schönes Schlösschen?“ Es ist nicht bekannt, ob man dem Herrn sein Luftschlösschen gelassen hat oder ihn aufgeklärt hat. Denn sein Stuttgarter Neuschwanstein ist in Wirklichkeit das Krematorium.

Keiner darf die Identität des anderen verraten

Träume und Schäume sind das eine. Noch mehr scheint die Reichen jedoch der Lebensstil in der Cloud Nr. 7 zu faszinieren. Und die Diskretion, zu der man sich im Kaufvertrag verpflichtet. Keiner darf die Identität des anderen verraten. „Wenn man will, kann man die Rundumversorgung des Hotels und der Appartements in Anspruch nehmen, aber man kann sich auch selbst versorgen“, erklärt Philipp Deutsch. Dieses zu jeder Tages- und Nachtzeit Alles-Haben-Können und dennoch selbstständig bleiben, verschafft dem betuchten Klientel offenbar ein großes Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit. Mag sein, dass manche schon ans Alter denken.

Auch die große Mobilität sei ein schlagendes Argument für diesen Wohnort. Ganz gleich, ob mit der Bahn oder dem eigenen Auto. Parkplatzprobleme hat der Eigenheimbesitzer jedenfalls keine. „Das erledigt unser Parkiersystem“, erklärt Deutsch. Das Auto wird von einem Angestellten auf eine Palette geladen, dort nach Größe (Limousine oder SUV?) gescannt, per Wärmesensoren nach Leben abgesucht und dann in einer 40 Meter tiefen Auto-Kathedrale versenkt. Von so viel Service können Stuttgarter aus dem Westen nur träumen.

Allerdings kann man sich dieses Cloud-Gefühl auf Zeit gönnen. Neben dem Hotel gibt es zwischen dem sechsten und 15. Stockwerk 36 „Serviced Apartments“ zwischen 32 und 136 Quadratmeter lassen sich für jedermann buchen. „Damit bieten wir die höchste Übernachtungsmöglichkeit in der Stadt“, sagt Deutsch. Die kleinste Einheit sei je nach Zeitraum schon für 120 Euro pro Nacht zu haben. Soll heißen: Es gibt grenzenlose Aussicht für einen überschaubaren Preis.

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