„Cloak & Dagger“ im Schnellcheck Was taugt die neue Marvel-Teenie-Superheldenserie?

Von Gunther Reinhardt 

Und es hat zoom gemacht. Amazon Prime hat zwei neue Helden aus dem Marvel-Superhelden auf uns losgelassen: In „Cloak & Dagger“ geht es um zwei Teenager, die seit ihrer Kindheit schicksalhaft miteinanderverbunden sind.

Stuttgart - Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien vor dem Bildschirm zu verschwenden. Unser Schnelltest verrät, ob es sich wirklich lohnt, sich auf eine neue Serie einzulassen. Wir haben für Sie gesehen: die erste Episode der Marvel-Serie „Cloak & Dagger“.

Die Story in drei Sätzen?

Zwei Teenager in New Orleans sind seit ihrer Kindheit schicksalhaft miteinander verbunden, ­ohne es zu wissen. Während Tyrone (Aubrey Joseph) von einer Karriere als Basketballer träumt, aber in seinem Schulteam Probleme mit seinen Wutausbrüchen bekommt, lebt Tandy (Olivia Holt) lieber auf der Straße als bei ihrer Mutter, die nach so ziemlich allem süchtig ist, was verboten ist. Alles wird noch ein bisschen komplizierter, als Tyrone und Tandy auf einmal feststellen, dass sie Superkräfte haben, und sich ineinander verlieben.

Wer hat’s erfunden?

Tyrone und Tandy, die sich später in die Superhelden Cloak & Dagger verwandeln, sind den Marvel-Comics entschlüpft. Ausnahmsweise ist mal nicht Stan Lee ihr Erfinder, sondern Bill Mantlo, der sich zum Beispiel auch Rocket Racoon mit ausgedacht hat, den man aus „Guardians of the Galaxy“ kennt. Ihren ersten Auftritt hatten die beiden als New Yorker Ausreißerpärchen in einem „Spider-Man“-Heft im März 1982. Im Oktober 1983 bekamen sie erstmals eine eigene Comic­serie (das Cover gibt’s in unserer Bildergalerie).

Wer ist der Boss?

Die TV-Serie stammt von Joe Pokaski, der selbst einige Comics für den Marvel-Verlag geschrieben hat und der Autor und ausführender Produzent der ­Serie „Heroes“ war, in der es schon einmal um junge Menschen ging, die unverhofft zu Superkräften kamen.

Wer spielt mit?

Olivia Holt (Tandy) hat zuvor in einer Disney-Serie namens „Karate-Chaoten“ mitgespielt, von der wir noch nie etwas gehört haben. Aubrey Joseph (Tyrone) hatte immerhin schon mal einen Gastauftritt in „Law & Order: New York“. Größter Star der Serie ist Gloria Reuben als Tyrones Mutter, sie kennt man aus „Emergency Room“ und „Mr. Robot“ .

Wer soll das gucken?

„Cloak & Dagger“ ist die Schnittmenge aus „Jessica Jones“, ­„Oliver Twist“ und „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

Die Gretchenfrage

Sie: „Glaubst du an Gott?“ Er: „Immerhin habe ich gerade seinen Namen ein paar Mal gesagt.“ (postkoitaler Dialog im Auto)

Das Accessoire des Tages

Ein ­Ballettschuh.

Der Song des Tages

Die hochempfindliche Ballade „Dead in the ­Water“, durch die sich Ellie Goldings Seufzen und ein Streichquartett schlängeln, während wir mit ansehen müssen, wie sich bei einem Unfall das Leben von Tyrone und Tandy für immer ändert.

Das Wort des Tages

Mikroätzung. Angeblich ein Verfahren, das es ermöglicht, gestohlene Diamanten zurückzuverfolgen. Wahrscheinlich aber frei erfunden.

Lektion im Coolsein

Wer an der Theke des hippsten Clubs der Stadt dem Barkeeper nur zuraunen muss „Das Gleiche wie immer“, der hat es geschafft.

Anfängerfehler

Wenn man die Wohnung eines reichen Knilchs ausräumt, ist es keine gute Idee, teure Ballettkarten mitgehen zu lassen. Vor allem, wenn man die Tickets hinterher selbst nutzt. So etwas zeichnet einen zwar als kultivierten Menschen aus (vorausgesetzt, man lässt ein Ballett zu ­Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ als kultiviert durchgehen), überführt einen aber als ziemlich unfähigen Kriminellen.

Was soll das alles?

Teenager als Superhelden? Das klingt jetzt nicht unbedingt nach einer superoriginellen Idee. Eher ungewöhnlich ist aber wie selbstverständlich, politisch korrekt, aber dennoch nicht verkrampft das Thema Diversität behandelt wird: Tandy ist eigentlich ein Kind aus der weißen Oberschicht, Tyrone entstammt der schwarzen Unterschicht. Der Unfall stellt jedoch das Leben der beiden und ihrer Familien auf den Kopf. Tandy landet in der Gosse, Tyrone wächst wohlbehütet in der Mittelschichts-Tristesse auf.

Der Beipackzettel

Vorsicht! In der Pilotepisode namens „Erwachende Kräfte“ werden so viele Drogen in Pulver- und Pillenform konsumiert, das einem schon beim Zuschauen schwindlig werden kann.

Bingewatch-Faktor

„Cloak & Dagger“ verschränkt zwei Coming-of-Age-Geschichten miteinander, erzählt keine Hochglanz-Superheldenstory, sondern ist eine spröde Milieustudie, die ein ernüchterndes Bild der sozialen Wirklichkeit in den USA zeichnet. Wer lieber Drama als Spektakel mag, ist hier richtig und wird dranbleiben.

Gesamtnote

2-

„Cloak & Dagger“ ist bei Amazon Prime im Original und in deutscher Synchronisation verfügbar.

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