Eine Passantin beim Schaufensterbummel in der Hirschstraße Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Am ersten Tag, der Click & Meet in der Stuttgarter Innenstadt wieder erlaubt, zeigen sich viele Einzelhändler erleichtert. Wenn auch die Einkaufsstimmung noch sehr verhalten ist.

Stuttgart - Für Sigrid Menzl aus Ostfildern war am Freitagvormittag ein besonderer Moment. Endlich konnte die ältere Dame wieder in ihrer Lieblingsboutique bei Uli Bühler in der Stuttgarter Hirschstraße einkaufen. Einen Rock, ein T-Shirt und eine blaue Jacke hat sie schon ausgesucht. Sie ist zweimal geimpft und erfüllt damit die Voraussetzungen, beim Click & Meet-Konzept überhaupt in den Laden gelassen werden zu dürfen. „Ich musste einfach raus und brauchte auch was Neues“, sagt sie. Darüber freuen sich auch die Inhaber Ulli und Ulla Bühler, die jedoch bei vielen Kunden und bei anderen Händlern „eine maximale Verwirrung“ registrieren angesichts der Undurchsichtigkeit der Corona-Regeln. Und überhaupt komme kaum jemand in die Stadt, um nur den einen Laden zu besuchen. Die meisten würden das mit einem Arztbesuch oder einem anderen Termin verbinden. Aber Hauptsache wieder offen.

 

Verhaltene Stimmung in der Stadt

Das sagt sich auch Willi Klenk von der Boutique Abseits am Kleinen Schlossplatz. „Ja, wir sind froh, dass wir wieder aufmachen dürfen, aber es fehlt das Verständnis, warum das nicht schon früher möglich war“, sagt Klenk, der seit über 30 Jahren Mode und ein Lebensgefühl verkauft. Manchmal hat er das Gefühl, als hätte die Politik den Einzelhandel schlicht vergessen. Aber wie viele andere alteingesessene Händler gibt er sich kämpferisch. Und die Buchungen an diesem Tag sind gut. Insgesamt ist die Stimmung in der Stadt jedoch sehr verhalten. Es sind nur wenige Menschen unterwegs. Das spürt auch der Fachhändler Tritschler am Marktplatz. Eigentlich dürften jetzt wieder täglich 75 Kunden in das Geschäft – um 11 Uhr morgens waren gerade einmal sechs Anmeldungen da. Und Jan Cepelik muss immer wieder potenzielle Käufer abweisen, weil sie nicht den geforderten negativen Schnelltest mitbringen. „Man hat das Gefühl, die Leute warten noch ab“, sagt er. Um die Hemmschwelle Test zu reduzieren, bietet Butlers in der Tübinger Straße deshalb selbst Tests an.

Erstmals Kunden bei Lego

Richtig gute Laune hat Mara Albert vom Lego-Store in der Königstraße. „Wir durften heute erstmals überhaupt Kunden in den Laden lassen“, sagt sie. Der eigentliche Öffnungstermin der Lego-Dependance war nämlich schon am 29. April. Und prompt kommt eine Mutter mit einer großen Tüte und einer glücklichen Tochter heraus. Ob Click & Meet nach Click & Collect aber überhaupt rentabel ist für die Händler, bleibt abzuwarten.