In Stuttgart ist Clevershuttle nach einem Probelauf nicht mehr unterwegs. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Oliver Willikonsky

„Wie Trampen. Nur ohne Axtmörder“: Mit diesem Slogan wirbt ein Fahrservice für seine Dienste. Ausgerechnet in Leipzig, wo die ermordete Tramperin Sophia studierte. Der Fall sorgt für Aufsehen.

Leipzig/Berlin - Der Fahrdienst-Anbieter Clevershuttle sorgt mit Werbeplakaten in Leipzig unter dem Motto „Wie Trampen. Nur ohne Axtmörder“ für Diskussionen. In den sozialen Medien mehren sich kritische Stimmen, vor allem nach dem Fall der ermordeten Tramperin Sophia Lösche, die in Leipzig studiert hatte.

Bruder von Mordopfer: Dinger gehören abgehängt

Ihr Bruder Andreas Lösche sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag, er finde die Plakate „pietätlos“ und „unmöglich“. „Die Dinger gehören abgehängt.“ Er habe vor rund zwei Wochen über Facebook und Twitter davon erfahren, mehrere Menschen hätten ihm Bilder der Kampagne geschickt. „Die Leute bringen die Plakate offenbar mit dem Fall meiner Schwester in Verbindung.“

Sophia Lösche hatte vor gut einem Jahr von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen wollen, wo die 28-Jährige aber nie ankam. Ein Fernfahrer aus Marokko hatte sie mit einem Eisen erschlagen und wurde wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung Mitte September vom Landgericht Bayreuth zu lebenslanger Haft verurteilt.

Lesen Sie hier: Wie kam es zum Tod der Anhalterin

Andreas Lösche habe die Geschäftsführung von Clevershuttle bereits per Mail aufgefordert, die Werbekampagne zu beenden, sagte er. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet, darunter die Münchner „Abendzeitung“ und die „Frankenpost“.

Clevershuttle entfernt Werbeplakate

Nach Angaben von Clevershuttle werden die umstrittenen Motive derzeit entfernt. „Innerhalb der nächsten Tage sollte das Motiv nicht mehr im Stadtbild zu sehen sein“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Der Spruch „Wie Trampen. Nur ohne Axtmörder“ sei einer von 45 Schlagzeilen im Rahmen einer bundesweite Kampagne gewesen. Neben Leipzig hingen die Plakate auch in Berlin und München. Die Firma bedaure, dass ein Motiv der aktuellen Werbekampagne Schmerz bei der Familie von Sophia ausgelöst habe. „Dies war zu keinem Zeitpunkt unsere Intention.“

Ziel sei es gewesen, sich „Horrorfilm-Klischees“ zu bedienen und diese stark auf die Spitze zu treiben‎. Daran sei man „ganz klar“ gescheitert, räumte Clevershuttle ein, das auch mit Sprüchen wie „Wie Lieferdienst. Nur, dass du ausgeliefert wirst“ oder „Wie Koks-Taxi. Nur ohne Koks“ auf sich aufmerksam macht. Clevershuttle bietet Ridesharing an, bei dem mehrere Fahrgäste mit ähnlichem Ziel auf der Strecke eingesammelt werden und sich die Fahrtkosten teilen.

Lesen Sie hier: Clevershuttle zieht sich aus Stuttgart zurück

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: