Müsliriegel fühlen sich als kleine Stärkung deutlich gesünder an als Schokolade. Doch einige Riegel enthalten zu viel Zucker oder Zusatzstoffe. Woran man einen vernünftigen Riegel erkennen kann, erklären Lebensmittel- und Ernährungsexperten.
Mit Müsliriegeln ist es wie bei vielen verarbeiteten Produkten: Für die gewünschte Konsistenz und für einen Geschmack, der möglichst vielen Verbrauchern gefällt, greift die Lebensmittelindustrie in die Trickkiste. Haferflocken, Nüsse oder Trockenfrüchte halten schließlich nicht von selbst zusammen. Sirup, Verdickungsmittel oder hohe Zuckermengen machen Müsliriegel deshalb nicht immer zur besten Wahl, sagen Experten.
Bei welchen Zutaten ist Vorsicht geboten? „Ein zu hoher Zuckeranteil“, findet Johanna Michl, Lebensmittelchemikerin und Verbraucherexpertin bei Öko-Test. Meist ist es Haushaltszucker (Saccharose) – wie man ihn im Zuckerstreuer hat –, der den Riegeln zugesetzt wird. Gelangt dieser ins Blut, steigt der Insulinspiegel schnell an und flacht ebenso schnell wieder ab. Wiederkehrender Hunger ist die Folge. Macht Zucker in der Nährwerttabelle die Hälfte oder sogar mehr der Kohlenhydrate aus, rät Johanna Michl von dem Produkt ab.
Axel Enninger, Ernährungsmediziner am Klinikum Stuttgart, achtet auf eine möglichst kurze Zutatenliste: „Je verarbeiteter ein Lebensmittel ist, umso größer ist das gesundheitliche Risiko“, sagt Enninger und weist auf das Risiko für Adipositas oder für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen hin. Auch Emulgatoren oder Farbstoffe sollten nicht gelistet sein.
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Welcher Riegel-Typ ist am ehesten empfehlenswert? Hier sind sich die Experten einig: Riegel, die auf Hafer und Nüssen basieren und einen hohen Ballastoffanteil aufweisen, sind die beste Wahl, denn Ballaststoffe sind gut für den Darm und die Verdauung. Bei der Wahl des Klebemittels fangen die Probleme meist an, sagt Johanna Michl. Ein wenig Honig, Agavendicksaft oder den sogenannten Glucose-Fructose-Sirup als Klebemittel zu verwenden, hält sie jedoch für vertretbar. Ein Hinweis auf ein halbwegs gutes Produkt könnte die Zubereitungsvariante als „Flapjack“ sein. Das ist ein mit etwas Sonnenblumenöl im Ofen gebackener Haferriegel.
Einige Riegel basieren auf Trocken-früchten. Ist das eine sinnvolle Alternative? Feigen, Datteln oder Aprikosen bringen Struktur und Süße in Riegel. Doch auch die darin enthaltenen Mengen an Fruchtzucker (Fruktose), die beim Dörren der Früchte entstehen, sind leider nicht gesünder als Haushaltszucker, sagt der Mediziner Enninger. „Fruchtzucker gelangt direkt in die Leber und gilt als eine der Ursachen für Fettleber.“ Fruktose führe bei empfindlichen Menschen zudem nicht selten zu Blähungen und Durchfall, besonders bei hohen Mengen in kurzer Zeit.
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Sogenannte Proteinriegel werben ausdrücklich mit einem hohen Eiweißgehalt. Ist dieser an sportintensiven Tagen sinnvoll? „Es gibt praktisch keinen sinnvollen Grund, solche Riegel zu essen“, sagt Axel Enninger. Sportler, die Muskeln aufbauen möchten, können ihr Eiweiß aus magerem Fleisch oder Magerquark beziehen. Auch andere Produkte, die mit ihrem Eiweißgehalt beworben werden – Eiweißbrot, Eiweiß-Shake und Co. – seien wenig sinnvoll. Der Stuttgarter Fitness- und Ernährungscoach Paul Rudolph rät seinen Kunden von solchen Produkten ab: „Das sind getrimmte Produkte, die der Hobbysportler nicht braucht.“ Er weist auf die oftmals enthaltenen Süßstoffe hin, die vom Körper unverändert ausgeschieden werden und im Übermaß abführend wirken können. Auch ein Überzug mit Milchschokolade ist bei Proteinriegeln nicht unüblich – und als Zutat eines Fitnessriegels nicht empfehlenswert.
Bioladen versus Discounter, teuer oder billig – hat das einen Einfluss auf die Qualität? 2020 hatte Öko-Test 20 Müsliriegel verschiedener Preisklassen und Hersteller auf Schadstoffe, Verunreinigungen, Zusatzstoffe und Nährwerte getestet. „Einen direkten Zusammenhang zwischen Preis und Qualität konnten wir dabei nicht finden“, sagt Michl. Fast die Hälfte der 20 Müsliriegel im Test fiel mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch. Auffällig waren Pestizide oder aber hohe Mineralölbestandteile, die vermutlich über Verpackungen und Schmierstoffe in die Riegel gelangen. Unter den Test-Verlierern waren vermehrt Produkte der Geschmacksrichtung Schoko-Banane von Discounter- und Supermarkteigenmarken, aber auch teurere Marken wie Seitenbacher oder Hafervoll. Ein Biosiegel erhöhe laut Michl die Wahrscheinlichkeit auf ein mineralöl- und pestizidfreies Produkt.
Ist es besser, auf die Riegel zu verzichten? „Aus meiner Sicht sind Müsliriegel nur in Ausnahmen sinnvoll, zum Beispiel auf Hüttenwanderungen, wo jedes Gramm im Rucksack zählt und kaloriendichte Snacks erforderlich sind“, sagt der Arzt Enninger, der alternativ zu Nüssen, Bananen, Äpfeln, einem kräftigen Vollkornbrot oder einem Stück Schokolade rät. Rudolph empfiehlt hin und wieder einen Riegel für Personen, die einen schnellen Stoffwechsel haben, rasch unterzuckern und wie Rennradfahrer kurzfristig für ihre Leistung einfache Kohlenhydrate brauchen.
Wo sich überall Zucker versteckt
Bezeichnungen
Zucker hat viele Namen und ist deswegen nicht immer leicht auf den Zutatenlisten zu identifizieren. Sehr gängig sind etwa Saccharose (Haushaltszucker), Fruktose (Fruchtzucker), Glukose oder Dextrose (Traubenzucker) sowie Laktose (Milchzucker). Auch hinter den Bezeichnungen Raffinose und Maltose versteckt sich Zucker.
Sirup und Co
Neben Zucker können auch süßende Zutaten angeführt sein, die wiederum Zucker enthalten. Beispiele: Traubenfruchtsüße, Agavendicksaft, Dattelpulver, Honig, Süßmolkenpulver und alles, was Sirup im Namen trägt.