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Nichts schreckt Bauherren mehr als Bodenfunde, denn Grabungen kosten Zeit. Claus Wolf erzählt mehr.

Stuttgart - Nichts schreckt Bauherren mehr als Bodenfunde, denn Grabungen kosten Zeit. Der Denkmalschutz sollte also schon in die Planung einbezogen werden, meint der künftige Chef des Landesamts für Denkmalpflege, Claus Wolf. Auch zur Finanzierung hat er ein paar Ideen.

Herr Wolf, Sie stammen aus Baden-Württemberg, leben und arbeiten aber schon seit vielen Jahren in der Schweiz. Was zieht Sie nun nach Esslingen?

Vor allem die neue Aufgabe. Die Stelle ist in meinem Fachbereich eine der wichtigsten in Deutschland. Baden-Württemberg ist auf dem Feld der Denkmalpflege eines der bedeutendsten Länder. Deshalb ist die Aufgabe für jeden Archäologen eine Herausforderung.

Trotzdem dürfen Sie sich im Unterschied zu Ihrem Vorgänger Dieter Planck nicht Präsident nennen. Hätten Sie den Titel gern?

Ja, ich hätte ihn gern. Aber nicht wegen des Titels an sich, sondern wegen seiner Außenwirkung. In der täglichen Arbeit spielt er überhaupt keine Rolle. Aber als Repräsentant des Landes, zum Beispiel in überregionalen Gremien, bei Kongressen und anderen Veranstaltungen wäre der Titel hilfreich, weil er die Bedeutung der Denkmalpflege in Baden-Württemberg signalisiert. Jedenfalls mehr als der etwas profane Titel Leiter der Abteilung 8 im Regierungspräsidium Stuttgart.

Treten Sie die Stelle auch ohne Titel an?

(Lacht) Ja, ich trete sie auch ohne Titel an.

In Baden-Württemberg gibt es rund 90.000 Baudenkmale und 60.000 archäologische Denkmale. Sind sich die Bürger dieses Schatzes bewusst?

Da müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten, und ich hoffe, dass das Land die Rahmenbedingungen dafür weiterhin sichert. Das Interesse der Bevölkerung ist durchaus vorhanden: Der Tag des offenen Denkmals zum Beispiel zieht jedes Jahr Zehntausende an. Es geht nun darum, das Thema noch stärker zu besetzen, und zwar positiv.

Denkmalschützer sind Bauverhinderer - ist das die negative Imageseite?

Ja. Diesen Vorbehalt gibt es noch immer. Wir müssen dagegenhalten und klar sagen, dass Baudenkmalpfleger oder Archäologen so gut wie nichts verhindern. Vor allem dann nicht, wenn sie frühzeitig in ein Bauvorhaben einbezogen werden. Dann finden sie meist für alle Beteiligten eine befriedigende Lösung. Es wird aber schwierig, wenn man ihnen etwas verheimlicht. Im Extremfall müssen sie in ein laufendes Vorhaben eingreifen. Aber in 99 Prozent der Fälle lässt sich das vermeiden.

Haben Sie bereits eine Idee, wie man die Denkmale besser vermarktet?

Ich glaube, man kann die Schätze des Weltkulturerbes, also den Limes, das Kloster Maulbronn und die Klosterinsel Reichenau in ein helleres Licht rücken. Ich stelle mir aber auch vor, dass wir einige herausragende Baudenkmale exemplarisch vermarkten.

Und die Archäologie?

Ihr Schaufenster ist das Archäologische Landesmuseum in Konstanz. Diese Vitrine sollte aber unmittelbar verbunden bleiben mit der archäologischen Denkmalpflege, also unserem Landesamt in Esslingen. Denn wir holen die Funde aus dem Boden, wir konservieren und restaurieren sie und entscheiden, wie sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mein Vorgänger war deshalb aus gutem Grund auch Direktor des Archäologischen Landesmuseums.

Soll sich das ändern?

Das Wissenschaftsministerium erwägt, diese Koppelung zu lösen. Das Konstanzer Museum ist in meinen Augen aber viel zu klein, um als eigenständige Institution zu existieren. Das ergibt sich schon aus arbeitstechnischen Gründen. Die Werkstätten haben im Wesentlichen wir in Esslingen.

Das heißt, Sie wollen auch Direktor des Archäologischen Landesmuseums werden?

Das wäre ideal. Nicht für mich, sondern für die Landesarchäologie. Denn je mehr verschiedene Institutionen es gibt, desto größer wird das Kompetenzgerangel um die Präsentation der Funde.

Reicht Ihr Geld für mehr als Notgrabungen?


  Die Kunstwerke aus den Höhlen der Schwäbischen Alb sind auf ein halbes Dutzend Museen verteilt. Ist das sinnvoll?

Eine sehr schöne Lösung wäre natürlich ein großes Archäologisches Landesmuseum im Großraum Stuttgart. Aber das ist natürlich auch eine Frage des Geldes. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass Denkmale gerade in Zeiten der Globalisierung den Menschen Identifikation bieten können. Auch bei der Vermarktung des Landes können sie noch eine viel wichtigere Rolle spielen.

Haben Sie sich zusichern lassen, dass Sie nächstes Jahr nicht gleich Opfer einer großen Sparaktion werden?

(Lacht) Nein, das konnte ich mir nicht zusichern lassen.

Reicht Ihr Geld für mehr als Notgrabungen?

Dass wir uns auf Notgrabungen konzentrieren, ist normal. Die staatliche Denkmalpflege greift zu 90 Prozent dort ein, wo etwas droht zerstört zu werden. Allerdings macht das Landesamt für Denkmalpflege auch Schwerpunktgrabungen. Das sind Projekte mit einem bestimmten finanziellen Aufwand oder überregionale Vorhaben wie etwa entlang einer Bahntrasse. Mein Vorgänger hat außerdem stets Projekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft initiiert. So konnten tiefergehende kulturhistorische Fragen, etwa zur Entstehung von Großsiedlungen in keltischer Zeit, angegangen werden. Man müsste beim Thema Geld aber auch einmal über das Verursacherprinzip diskutieren.

Was meinen Sie damit?

Es wäre ideal, wenn wir in der Bodendenkmalpflege zur sogenannten präventiven Archäologie kämen. Das bedeutet, dass die Denkmalpfleger schon vor Baubeginn untersuchen können, ob Funde zu erwarten sind. Die Pläne kämen dann bei uns auf den Tisch, und wir könnten dem Bauträger sagen, was ihn erwartet. Der müsste sich dann aber auch mit einem bestimmten Prozentsatz an den Kosten der Ausgrabungen beteiligen. Das gilt nicht für die Häuslebauer, aber für Projekte ab einer bestimmten Größe. In den neuen Bundesländern und einigen alten ist das bereits gang und gäbe. Im Ausland funktioniert das hervorragend.

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