Claudia und Stephan Blötscher bei ihrer Hochzeit im Jahr 1995. Foto: privat

Claudia und Stephan Blötscher sind seit 35 Jahren ein Paar – ihre Geschichte begann beim Seenachtsfest in Konstanz. Uns haben sie ihr Geheimnis für so viele Jahre Liebe verraten.

Wer mit Claudia (55) und Stephan Blötscher (56) spricht, erfährt: Sie fühlen sich inzwischen als Dinos, wie sie sagen. Immer mehr Paare in ihrem Bekanntenkreis haben sich im Laufe der Jahre getrennt. Aber nicht Claudia und Stephan. Nur wenige haben es geschafft, so lange zusammen zu bleiben wie die beiden, erzählen sie in ihrem Wohnzimmer in Bonlanden. Seit 35 Jahren sind die Blötschers glücklich vereint, 27 davon verheiratet. Sie haben zwei erwachsene Kinder.

 

In der Wohnung sieht man an den Wänden überall Zeugnisse dieser jahrelangen Liebe: Dort hängen viele Fotos von dem Paar, von ihren Reisen, von den gemeinsamen Kindern. Einige sind mit Sprüchen ergänzt wie „Liebe ist... die allerbeste Frau gefunden zu haben“ oder „Liebe ist... du und ich“.

Claudia zeigt zuerst gar kein Interesse für Stephan

Dabei hat ihre Geschichte zunächst gar nicht so vielversprechend angefangen. Claudia hat sich nämlich zunächst wenig für Stephan interessiert. Beide sind in Filderstadt-Bonlanden aufgewachsen, wo sie auch heute noch leben. Die Eltern von Claudia sind mit ihren Töchtern in das Haus gegenüber von Stephans Familie gezogen, da waren sie beide um die 20. „Eigentlich hat sie mich aber herzlich wenig beachtet“, sagt Stephan. Er habe immer im Hof seiner Eltern an dreckigen, alten Autos herumgeschraubt. „Sie meinte, ich sei ein Autoschrauber, der mit dreckigen Fingern nach Hause komme“, erzählt er heute. Das habe natürlich nicht zur der eleganten Bankkauffrau gepasst, die Claudia damals war.

So schaute Stephan anfangs er sehnsüchtig unter seinem Auto hervor und beobachtete Claudia „in ihrem schicken Outfit“, wie sie in den roten Polo ihrer Mutter stieg. „Sie war schon ein attraktiver Hingucker“, schwärmt er auch heute noch.

Doch so richtig in Kontakt kam er mit ihr nie. Aber das Schicksal meinte es gut mit ihm. Im Freibad Fildorado lernte er im Jahr 1988 einen Nachbarskumpel kennen. Und der sagte an jenem Nachmittag zu ihm: „Du Stephan, die Claudia, das ist doch auch eine ganz Nette, oder? Die ist nämlich jetzt allein, weil ihr Freund sich getrennt hat. Soll ich da mal was organisieren?“

Praktisch war nämlich: Der Nachbarskumpel war mit Claudias Schwester zusammen, er wohnte im selben Haus. Gemeinsam planten sie einen Ausflug nach Konstanz zum Seenachtsfest. Dort konnte Stephan Claudia mit seinen Italienisch-Kenntnissen überzeugen.

So war bei der Ankunft der Vierer-Truppe der große Parkplatz bereits belegt. Eine Dame blockierte den allerletzten Parkplatz, aber es kam kein Auto. „Als ältester an Bord bin ich dann ausgestiegen und wollte die Dame zur Rede stellen“, sagt Stephan Blötscher. Die Dame antwortete ihm zunächst brüsk auf Italienisch. Nun war aber nicht einfach nur „der Autoschrauber“, wie Claudia dachte. In „perfektem Italienisch“ antwortete er die Dame, sie solle nun den Parkplatz freimachen, was diese tatsächlich dann auch tat. „Und das imponierte Claudia dann doch sehr“, erzählt Stephan.

Kurz darauf kamen sie zusammen, sieben Jahre später folgte dann die Hochzeit. Auch als die beiden eine Tochter und einen Sohn bekamen, legten sie immer viel Wert auf Zeit zu zweit. „Wir haben die Kinder früh daran gewöhnt, bei Oma und Opa zu sein“, sagt Claudia. Denn was beide bis heute verbindet, ist das Reisen. Wandern und Ski laufen ist ihrer Leidenschaft, vor allem nach Südtirol zieht es das Paar immer wieder.

Auch die Schwiegereltern sind heute froh über den Umzug

Was haben die beiden richtig gemacht, was andere vielleicht nicht tun? „Ich glaube, wir sind beide eben sehr bodenständig und wir haben eben auch trotz der Kinder unsere Zeit zu zweit genommen“, sagt Claudia. „Aber es ist auch Arbeit“, ergänzt Stephan noch.

Praktisch sei auch gewesen, dass sie in Bonlanden geblieben sind – mit beiden Großeltern in der Nähe. „Babysitter hatten wir also immer“, sagen sie. Inzwischen sind die Kinder groß, ausgezogen und machen ihr eigenes Ding. „Da war es anfangs mittags schon etwas leer daheim“, sagt Claudia. Daher sei es gut gewesen, dass sie beide sich auch zu zweit nie verloren hätten.

Und die Schwiegereltern sagen heute noch: „Gut, dass wir damals in die Straße gezogen sind.“ Denn schließlich haben ja beide Töchter dort ihren Mann gefunden – und sind bis heute glücklich mit ihm.