Die neue Citymanagerin Bettina Fuchs. Foto: Peter Petsch

Die Nachfolgerin von Stuttgarts Citymanager Hans H. Pfeifer fordert mehr verkaufsoffene Sonntage in der Innenstadt. Kirchen und Gewerkschaftern kontern Bettina Fuchs jetzt.

Stuttgart - Die neue Citymanagerin startet forsch. Kaum im Amt, packt Bettina Fuchs ein heißes Eisen an. Die Nachfolgerin von Hans H. Pfeifer fordert im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten mehr verkaufsoffene Sonntage in der Innenstadt. Den Konflikt der ­City-Initiative Stuttgart (CIS) mit Kirchen und Gewerkschaften scheue sie in dieser Diskussion nicht, sagt Fuchs.

Kaum ausgesprochen, melden sich genau jene Diskussionspartner zu Wort. „Ich bin der Meinung, der Sonntag ist ein hohes Gut für die gesamte Gesellschaft“, protestiert der evangelische Prälat Ulrich Mack. Der Stuttgarter Regionalbischof meint, dass es „viele gute Gründe gibt, den Sonntag als ­Ruhetag zu schützen“. Zudem sei die Stuttgarter Regelung ausreichend.

Die sieht laut der Allgemeinverfügung der Stadt über verkaufsoffene Sonntage auf Grundlage des Ladenöffnungsgesetzes (§ 2 Abs. 1) Folgendes vor: „In der Innenstadt gibt es keine verkaufsoffenen Sonntage, ­sondern nur die lange Einkaufsnacht.“

Ordnungsbürgermeister wundert sich

Außerdem gelten für die einzelnen Stadtbezirke klare Ansagen. Dort werden nur bei besonderen Anlässen verkaufsoffene Sonntage erlaubt. Beispiel Feuerbach, wo die Läden anlässlich der Kirbe am 8. September von 13 bis 18 Uhr öffnen dürfen. Eine Besonderheit stellt Bad Cannstatt dar. Dort darf an drei Sonntagen zu den Festen Musik und Wein, Volksfest und Martini nach dem Gottesdienst geöffnet werden.

Ansonsten gilt die allgemeine Regel: Von Montag bis Samstag kann von 6 bis 24 Uhr geöffnet werden. „So steht’s im Gesetz“, sagt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, „insofern wundere ich mich über den Vorstoß der City-Initiative.“ Für Martin Schairer ist das Thema weniger auf ordnungsrechtlicher Ebene, sondern in kommunalpolitischen Foren zu diskutieren – „also zunächst im Bezirksbeirat Mitte und dann im Gemeinderat“.

„Nur weil die Läden länger aufmachen, haben die Leute nicht mehr Geld“

Auch Verdi-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier hält nichts von einer Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage in der Innenstadt: „Nur weil die Läden länger aufmachen, haben die Leute nicht mehr Geld.“ Ihrer Meinung nach würde die Stuttgarter Innenstadt durch längere Öffnungszeiten nicht attraktiver werden. „Man darf auch die Arbeitnehmer im Einzelhandel nicht vergessen“, sagt sie. Schließlich handele es sich dabei oft um Frauen, die Familie und Beruf unter einen Hut bekommen müssen.

Der katholische Stadtdekan Christian Hermes findet die Idee, den Sonntag weiter zu vermarkten, nicht „besonders originell“, sondern eher einen „alten Hut“. „Sicherlich gibt es eine Reihe kreativer und interessanterer Ideen, wie es gelingen könnte, die Stuttgarter Innenstadt zu beleben“, sagt er, „auf Vorschläge der neuen Citymanagerin dazu bin ich sehr gespannt.“

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