Der Onlinehandel setzt seinen Siegeszug auch nach der Coronakrise fort. Die Debatte, welche Händler in den Städten Arbeitsplätze sichern und Steuern zahlen, wird Fahrt aufnehmen, meint Daniel Gräfe. Entscheidend ist das Verhalten der Kunden.
Stuttgart - Ginge es nach den Wünschen der Händler, dann wäre nach einem Ende der Pandemie die Sehnsucht der Menschen nach einem unbeschwerten Einkaufserlebnis inklusive Abstecher in Restaurant und Café groß. Kunden würden durch die sicheren Citys strömen und das Geld ausgeben, das sie sich im Lockdown aufgespart haben.
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Die Realität hingegen dürfte oft anders aussehen: Die Infektionsgefahr bleibt latent, die Menschen gewöhnen sich erst wieder an mehr soziale Nähe. Das gepriesene Shopping-Erlebnis betrachten viele eher mit etwas Distanz, auch weil nach der Kurzarbeit das Geld nicht mehr so locker sitzt. Und einkaufen kann man ja auch bequem und schnell im Internet. Hat das nicht der Lockdown gezeigt?
Die Preise werden sich online und offline angleichen
Dass der Siegeszug des Online-Shoppings kaum an Fahrt verlieren wird, ist die vielleicht offensichtlichste, aber auch folgenreichste Erkenntnis der Coronakrise. Viele Händler werden ihre Flächen verkleinern und ihr stationäres Geschäft noch enger mit dem Online-Angebot verzahnen. Preise und Services werden sich angleichen. Ob Waren im Internet oder vor Ort angeschaut und bestellt werden, macht für viele Kunden kaum einen Unterschied. Genauso kommt es oft auf die Situation an, ob Produkte vor Ort gekauft oder nur abgeholt oder doch nach Hause geliefert werden.
Auch kleinere Geschäfte können sich dieser Verzahnung von Online- und Offlinewelt nicht mehr entziehen – auch Stammkunden wollen beide Möglichkeiten nutzen. Und jene Verbraucher, die in der Pandemie erstmals zu Online-Käufern wurden, haben ebenfalls an Auswahl und Preistransparenz des Internets Geschmack gefunden.
Der lokale Handel wird alle Kräfte bündeln müssen
Der lokale Handel wird deshalb alle Kräfte und viel Lobbyarbeit nutzen müssen, um die Kunden vom Einkauf vor Ort zu überzeugen. Dazu zählen die persönliche Beratung, die Aufenthaltsqualität mit Kultur und Cafés in der Stadt, aber auch die lokalpolitische Überzeugungsarbeit.
Deshalb wird die Diskussion, wie die Attraktivität der Innenstädte gesichert werden kann, an Fahrt aufnehmen. In den Fokus der Debatte rückt auch, welche Händler in den Städten Arbeitsplätze sichern und Steuern zahlen und damit überhaupt den finanziellen Spielraum für Stadtplanung schaffen. Auch die Kunden können in diese Debatte eingreifen – indem sie auch online dort kaufen, wo ein Teil ihres Geldes vor Ort zurückfließt.
daniel.graefe@stzn.de