„Varekai“ mit dem Cirque du soleil Foto: Martin Girard

Die Geschichte von Ikarus, der der Sonne zu nahe kam, erzählt der kanadische Cirque du Soleil in seiner neuen Show „Varekai“. In diesem Herbst kommt das farbenfrohe akrobatische Spektakel nach Stuttgart. Ein guter Grund, vorab die Show in Phoenix, Arizona, zu besuchen.

Phoenix. 27 Grad. Sonnenschein. Wüste. Steht man zu lange in der Sonne, verbrennt die Haut ganz leicht. Würde man an ihr nun zu nah vorbeifliegen, verbrennt man gänzlich. Im Falle von Flügelmann Ikarus sind es die Flugfedern, die ihm dabei verloren ­gehen. Mit einer Bauchlandung landet er ­allerdings nicht im Meer, wie es der Mythos sagt. Es ist ein Zauberwald mitten in Phoenix. Oder besser gesagt: das US ­Airways Center, eine Arena, in der sonst die Profis Basketball spielen.

Am heutigen Tag dient die Arena aber als Zauberwald, als Bühne für den kanadischen Cirque du Soleil, der auf seiner US-Tour auch in Phoenix haltmacht. Und Ikarus ist der 27-jährige Turner und Tänzer Fernando Miro aus Puerto Rico, der mit 20 Akrobaten auf der Bühne steht und verzweifelt seine Flügel sucht. „Die Geschichte um Ikarus handelt von einem einsamen Mann, der lernt zu lieben, an sich zu glauben und Unmögliches möglich macht“, sagt Intendant Fabrice Lemire. Und er fügt hinzu: „Die Geschichte entstand teilweise aus einem eigenen Erlebnis, sie handelt von einem Mann mit Krücken und unheilbarer Krankheit, der das Laufen aber dennoch wieder lernte.“

Die Geschichte von Ikarus, die der Cirque du Soleil als „Varekai“ aufführt, was „egal wohin“ bedeutet, wurde von Dominic Champagne konzipiert und feierte bereits 2002 Premiere. Allerdings in einem Zirkuszelt. Die Umsetzung zur Hallenshow sieht Intendant Fabrice Lemire als Herausforderung an, als nächsten Schritt. Ganze 13 Jahre dauerte es – und noch immer sei man am Wachsen und Variieren. Gerade durch moderne Technologien sieht Lemire neue Kreationen im Bereich Akrobatik: höher, schneller. Choreografien mit mehreren Artisten sind möglich. „Man bekommt zu sehen, was man selbst nicht tun kann“, sagt er.

Passend dazu hat sich die Bühne im US Airways Center verändert: Zwei Schaukeln und einige Trampoline stehen nun darauf, mehrere Artisten springen umher – fast schon, als würden sie fliegen. Doch nicht wild und unüberlegt wird agiert, meist ­warten sie einige Sekunden und sprechen sich mit Blicken ab – ein Prozedere, das ­später in der bunten Show nicht auffällt. Laut Lemire ist Sicherheit ein großes Thema beim Cirque du Soleil. Bei 50 Darstellern in der Show „Varekai“ sind 50 weitere hinter den Kulissen tätig. Darunter auch Tanya ­Jacobs, die sich um die Garderobe der Artisten kümmert. 80 verschiedene Kostüme hängen bei ihr in einem kleinen Raum, sechs Waschmaschinen und zwei Trockner sollen im Nebenzimmer stehen. „Die Künstler wechseln bis zu fünfmal ihre Kostüme in der Show“, sagt sie, „alles, was mit der Haut in Berührung kommt, reinigen wir täglich.“

Neben den bunten Kostümen werden auch Waschmaschinen und Trockner auf die Tour des Sonnenzirkus mitgenommen. 22 Lastwagen umfasst das gesamte Equipment der Show und wird von Kontinent zu Kontinent geschifft. Ob da nicht mehrere Equipments preisgünstiger wären? „Vielleicht“, sagt ­Michael Veilleux, Manager der Tour, „aber gerade die meterlangen Stangen, die uns als Bühnenbild für den Zauberwald dienen, müssen ständig in Benutzung sein, damit sie nicht rosten.“

Im Schnitt tourt der Cirque du Soleil durch 44 Städte im Jahr. Bis Anfang September läuft die Nordamerika-Tour, im Oktober kommt sie nach Deutschland. Ab dem 21. Oktober macht sie dann in der Stuttgarter Porsche-Arena Halt.

In Phoenix, Arizona, hat er sich gerade noch so gefangen, wenn auch nicht leicht. Immerhin warteten auf den Ikarus im Zauberwald wilde Jongleure, Trapeze und Clowns – bunte Kostüme vor noch bunteren Bühnenbildern und hypnotisierender ­Gesang.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: