Für die Auftritte im Zirkus schlafen und dösen die Löwen viel – auch in der Wildnis schlafen sie rund 18 Stunden am Tag. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Um sich gegen das Wildtierverbot zur Wehr zu setzen, will die Gesellschaft der Circusfreunde die politischen Entscheider zum Umdenken bewegen. Sie lud zum Circus Krone ein. Die Stadträte glänzten derweil durch Abwesenheit.

Stuttgart - Den Tieren war es egal. Ob sich nun ein paar Stadträte in Begleitung von Journalisten oder aber nur die Journalisten ganz ohne die Stadträte in einer Horde über ihren Platz bewegten – es juckte sie nicht. Die schlafenden Löwen hoben nicht mal das Augenlid, um die Besucher zu begucken.

Ganz ähnlich verhielten sich die Stadträte. Diese waren von der Gesellschaft der Circusfreunde eingeladen worden, sich „über die vorbildliche Tierhaltung des Circus Krone zu informieren“. Doch sie kamen gar nicht erst auf den Cannstatter Wasen, um sich die Tiere zu begucken.

Circus Krone: Enttäuscht über das Fernbleiben der Stadträte

„Das ist sehr, sehr traurig“, sagt Bernhard Eisel von der Gesellschaft der Circusfreunde, die sich für den Erhalt des Zirkus’ mit Tieren stark macht. Auch Frank Keller, der Tierschutzbeauftragte des Circus’ Krone, ist enttäuscht: „Jetzt hätten die Stadträte die Möglichkeit zu sehen, wie moderne Zirkustierhaltung aussehen kann – stattdessen sprechen sie ein Verbot aus, ohne sich selbst ein Bild zu machen.“

Keller meint damit das Wildtierverbot, das in Stuttgart 2019 in Kraft treten soll. Bereits seit 2011 dürfen auf den öffentlichen Plätzen in Stuttgart nur Zirkusse gastieren, deren Vorführungen ohne Wildtiere auskommen. Für den Cannstatter Wasen gilt noch bis April 2019 eine Ausnahmeregelung. Im Jahr 2017 hatte der Gemeinderat das Wildtierverbot mit 29 zu 19 Stimmen bei sieben Enthaltungen beschlossen. Zuvor hatten im Wirtschaftsausschuss neun Stadträte von Grünen, SPD und SÖS/Linke-plus den Beschluss gegen sieben Vertreter von CDU, Freien Wählern und AfD durchgesetzt. Die Stadträtin von der FDP enthielt sich.

Von den Freien Wählern habe Eisel auf seine Einladung hin die Antwort erhalten, man sei wegen Haushaltsplanungen verhindert – als Fraktion stehe man aber weiterhin aufseiten der Circusfreunde und sei gegen das Verbot. Alle anderen Fraktionen hätten sich gar nicht gemeldet, so Eisel: „Das ist typisch, dass gerade die nicht kommen, die die Wildtiere verbieten wollen.“ Doch auch eine Dame von der CDU, mit der er laut eigener Aussage Kontakt hatte, ist nicht zugegen.

Nichtsdestotrotz führt Keller die Pressevertreter über den Platz, zeigt, wie die Tiere leben und erzählt etwa, dass die Artgenossen von Tsavo, dem Breitmaulnashorn, in freier Wildbahn gar nicht mehr existieren. „Artenschutz zählt zu den Aufgaben des Zirkus’“, sagt er, Auge in Auge mit dem Dickhäuter, das wegen seines Horns gejagt wird.

Zirkus will im Zweifel klagen

Generell gibt Keller sich kämpferisch: Er gehe nach wie vor davon aus, dass das Verbot in Stuttgart 2019 nicht kommt: „Einige Gerichte haben das Wildtierverbot bereits für rechtswidrig erklärt“, vor allem, weil das Verbot die Berufsfreiheit der Dompteure einschränken würde. Käme es wider Erwarten doch, sei der Circus Krone – wie schon der Dompteur Martin Lacey jr. angekündigt hat – bereit zu klagen. „Da wissen wir ja, wie es ausgeht“, sagt er siegessicher. Deshalb sei die Stadt Stuttgart gut beraten, „nicht die Gelder der Steuerzahler zu verschwenden“.

Eine zweite Aufgabe des Zirkus’, die Keller benennt, erfüllt der Circus Krone laut ihm derzeit erfolgreicher noch als sonst: Den Menschen die Tiere nahe zu bringen. „Die Leute interessieren sich wegen all des Rummels dafür, wie es den Tieren wirklich bei uns geht – und sie kommen in unseren Zoo und in unsere Vorführungen, um sich selbst ein Bild davon zu machen“, sagt er. Besonders die Nachmittagsvorstellungen seien sehr gut besucht. Nur die Stadträte, sie kamen nicht. Der Löwe reckt sich im Schlaf.

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