Streicheleinheiten: Martin Lacey jr. mit einem Löwen Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Artisten, Clowns und prächtige Tiere: Das Krone-Programm kommt beim verwöhnten Stuttgarter Publikum gut an. Die Tiger und Löwen bekommen Applaus im Stehen.

Stuttgart - Was? Das soll mindestens 15 Jahre her sein? Viele Stuttgarter haben noch Kindheitserinnerungen an den Circus Krone, der nach der langen Pause seit Donnerstagabend wieder auf dem Cannstatter Wasen gastiert. Und der Zirkus ist auch heute noch ein im besten Sinne klassisches Familienerlebnis. Krone bietet Spaß und Spannung, Fernost und Federboa, Araberhengste und Sonnensittiche – eine ganz und gar analoge Mischung.

Zur Show gehört das Trommeln im Vorfeld, hier wirbeln die Superlative: „weltgrößter Zirkus“, „meistprämiertes Programm“. . . Sagen wir so: Die aktuelle Produktion mit dem Titel „Evolution“ kam beim verwöhnten Stuttgarter Publikum (Stichwort: Weltweihnachtszirkus) bei der Premiere sehr gut an. Einzig am Showballett könnte man kritteln, denn mehr als farbenfrohe Bilder bleiben von den Auftritten wirklich nicht hängen.

Los geht es nach der Vorstellungsrunde mit Folklore: die Truppe Khadgaa aus der Mongolei zeigt eine blitzschnelle Seilnummer. Was da so alles über die bunten Taue hüpft – drei aufeinander stehende Artisten etwa. Noch beeindruckender ist die Strongman-Akrobatik im zweiten Teil. Zu mongolischem Kehlkopfgesang stemmen die Khadgaa Gewichte und bauen Menschenpyramiden wie die „Jurte des Khans“. Die erst vor rund drei Jahren gegründete Gruppe mit zwölf Akteuren gewann dafür den Bronzenen Clown beim Internationalen Festival von Monte Carlo – die Auszeichnung gilt als Oscar der Zirkuswelt.

Einen silbernen Clown nennt der charismatische Crazy Wilson sein eigen: Der Kolumbianer fährt mit dem Motorrad ein, um dann auf ein riesengroßes rotierendes „Todesrad“ umzusteigen. Während sich das Riesengestell um die eigene Achse dreht, rennt er auf dem Außenrad entlang, hüpft, stolpert scheinbar, und schlägt zum Höhepunkt einen Salto Mortale in zehn Metern Höhe bei rund 120 Stundenkilometern. Einen? Nein, es werden sechs. Apropos: das Quintett Flying Zuniga aus Brasilien präsentiert in seiner Trapeznummer einen dreifachen Salto Mortale mit verbundenen Augen.

Starclown Fumagalli ist wieder da

Spannung und Entspannung – für letzteres sind die Spaßmacher da. Der junge Weißclown Tonito Alexis spielt wunderschön Trompete und wagt ein Tänzchen mit TV-Sternchen und Premierengast Gina Lisa Lohfink. Wieder in Stuttgart: Der „Altstar“ aus Italien, Fumagalli, unterstützt von seinem Bruder Daris. Kann man den Klamauk mit dem „Bienchen, Bienchen, gib mir Honig“ noch sehen? Ja, dank der Perfektion eines Fumagalli.

Die Stars in der Manege aber sind die Tiere. Die junge Direktorin Jana Mandana, die Tochter der im Frühjahr verstorbenen Christel Sembach-Krone, stellt sich mit einer glamourösen Reitvorführung der Hohen Schule vor. Bei der Freiheitsdressur glänzen die schwarzen Hengste aus dem eigenen Marstall. Alessio Fochesato aus Italien lässt seine Papageien, zwei prachtvolle Aras sowie Kakadus und Sonnensittiche klettern, flattern und schließlich über den Köpfen der Zuschauer im Freiflug durchs Zelt kreisen. Mehr braucht es nicht zum Staunen.

Besonders die Exoten haben es dem Premierenpublikum angetan. Applaus, als ohne Ankündigung die fünf Krone-Elefanten in die Manege traben. Die drei indischen Dickhäuter tragen Reiterinnen, machen mit ihnen Karussell und Handstand-Schaukel. Die afrikanischen Kollegen spielen „Rüsselballett“ zwischen ihren Stoßzähnen und wedeln mit den großen Ohren.

Nach der Pause ist das Rund zum großen Käfig geworden, mit Podesten für die 26 Tiere von Martin Lacey jr. (Gewinner eines goldenen und silbernen Clowns). Seine gemischte Raubtiernummer zählt zu den größten der Welt. Es sind prächtige weiße und goldfarbene Tiger und Löwen, allen voran der weiße Löwe Baluga. Scheinbar mühelos und in oft innigem Kontakt präsentiert Lacey seine Nummer, die spielerische Scheinangriffe, Figuren wie den lebenden Teppich, weite Sprünge und wilde Jagden entlang der Gitter vereint. Dafür gibt es sogar Ovationen im Stehen.

Der Circus Krone gastiert bis 12. November, Vorstellung ist zweimal täglich (Info: www.circus-krone.de). Wer mag, kann Lacey und seinen Raubtieren am Sonntag, 29. Oktober, von 10.30 Uhr an im Rahmen des Krone-Zoos bei einer kommentierten Probe zuschauen. Fragen sind erwünscht.

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