Christoph Sonntag hat die Politiker in Fellbach aufs Korn genommen. Foto: Stoppel

Der Kabarettist Christoph Sonntag alias Bruder Christophorus hat der versammelten Polit-Prominenz aus dem Land in der Alten Kelter den Spiegel vorgehalten. Ein Minister hat es ihm besonders angetan.

Stuttgart - Seit 1717 weilt er schon im Himmel, und doch weiß Bruder Christophorus erstaunlich gut darüber Bescheid, welches Chaos aktuell auf Erden herrscht. Von der Wahlrechtsreform bis zum Wolf reichte die Themenliste seiner Fastenpredigt. Am Samstag hielt der Mönch alias Kabarettist Christoph Sonntag der Politik in der ausverkauften Alten Kelter beim „Jüngsten Ger(i)ücht“ den Spiegel vor. Dabei ging es nicht nur ums Land, sondern auch um den Bund im Großen und die Stadt Stuttgart im Kleinen.

Christophorus bedauerte, dass auch bei der sechsten Auflage der SWR-Fernsehsendung, die für den Sonntagabend aufgezeichnet wurde, Oberbürgermeister Fritz Kuhn fehlte. „Dem ist heute Morgen das Gsälzbrot mit dem Belag nach unten auf den Boden gefallen.“ Das stimme zwar nicht, aber alles andere sei noch verlogener. „Seit Fritz Kuhn amtiert, ahnen die Bürger: Wolfgang Schuster war ein Charismatiker.“

Im Gegensatz zum OB waren etliche Landesminister nach Fellbach geeilt: Thomas Strobl (Inneres), Edith Sitzmann (Finanzen), Susanne Eisenmann (Kultus), Winfried Hermann (Verkehr), Franz Untersteller (Umwelt), Theresia Bauer (Wissenschaft), dazu die Fraktionschefs von CDU, SPD und FDP sowie Landtagspräsidentin Muhterem Aras. Ministerpräsident Winfried Kretschmann brauchte beim Fassanstich 16 Schläge, auch wenn ihn Sonntag ermunterte: „Stellen Sie sich vor, das Fass ist der Alexander Dobrindt.“ Die Ehrengäste in den vorderen Bankreihen wurden vom Fastenprediger für ihren Mut mit schönen Vergleichen belohnt. Besonders angetan hatte es ihm dieses Jahr Thomas Strobl. Er sei Teil des neuen Polit-Traumpaars „Winnetou Hermann“ und „Old Stroblhand“: „Ich seh sie vor mir, wie sie über die Filderebene bei Plattenhardt reiten“. Außerdem sei Strobl mit einem guten Aussehen beschenkt worden – „die anderen müssen sich mit Intelligenz zufrieden geben.“ Bei Kretschmann dem „GröMist“ (Größter Ministerpräsident aller Zeiten) wisse man wenigstens, wofür er stehe, nämlich „im Zweifelsfall für das Gegenteil seiner Partei“.

Der „GröMist“ aller Zeiten

In der Rahmenhandlung der Fastenpredigt traten gute Bekannte auf, die Band Erpfenbrass sowie das Wanke Ensemble, das mit der Stimme von Andreas Müller wieder bewies, wie bösartig Politsatire mit Puppen sein kann. Als Ort fungierte der Friseursalon „Hair & Mehr“: Ursula Cantieni gab die mondäne Chefin, das Duo „Dui do ond de sell“ Kundinnen und Tobias Schreckenberger den „Beauty-Beauftragten“.

Und Christoph Sonntags Sohn Samuel spielte Sammy, den Syrer, den die Salonbesitzerin aus dem Italienurlaub mitgebracht hatte: „Fünf Flüchtlinge passen in den Kofferraum. Das kennen die von den Schlauchbooten.“

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